Inflation in Deutschland Preise für Nahrungsmittel steigen um mehr als fünf Prozent

Hohe Kosten für Lebensmittel beschleunigen die Inflation in Deutschland. Die Teurungsrate nähert sich der Warnschwelle von 2,0 Prozent. Mitverantwortlich für diese Entwicklung ist das Hochwasser.

Die Inflation in Deutschland zieht weiter an. Im Juni stieg die jährliche Teuerungsrate auf 1,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Mai war die Inflation nach Monaten des Rückgangs erstmals wieder auf 1,5 Prozent gestiegen. Nun nähert sich der Wert wieder der Warnschwelle von 2,0 Prozent an, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) ein stabiles Preisniveau gewahrt sieht.

Vor allem Nahrungsmittel verteuerten sich im Juni mit 5,4 Prozent kräftig. Damit zogen die Lebensmittelpreise bereits im vierten Monat hintereinander merklich an. "Dafür dürften zumindest teilweise die Überflutungen in Deutschland verantwortlich sein", sagte Commerzbank-Ökonomin Ulrike Rondorf. Sie hätten zu Ernteausfällen und Verzögerungen beim Transport geführt.

Halbe Million Hektar Land in Mitleidenschaft gezogen

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums wurden fast eine halbe Millionen Hektar Agrarland durch Überschwemmungen und Starkregen in Mitleidenschaft gezogen. "Auf vielen Feldern und Höfen steht noch immer das Wasser", hieß es. Der Schaden für die Landwirtschaft wird bisher auf 400 Millionen Euro geschätzt.

"Der Frühling war kam zu spät, war zu kalt und zu nass", sagte ein Sprecher des Bauernverbandes. Dadurch sei beispielsweise die Ernten bei Spargel, Erdbeeren, Frühkartoffeln und Salat schlechter ausgefallen, was zu höheren Preisen geführt habe. Auch schlechte Ernten in anderen Staaten wie Neuseeland dürften hierzulande zu spüren sein. "Von dort wird viel Obst importiert, das im Preis derzeit besonders kräftig steigt", sagte Rondorf.

Der Bauernverband geht davon aus, dass sich Nahrungsmittel auch künftig überdurchschnittlich verteuern werden. "Die Zeiten, in denen Lebensmittel die Inflationsbremse Nummer eins waren, sind vorbei", sagte der Sprecher. Grund sei die weltweit steigende Nachfrage.

Unternehmen geben Kosten an Verbraucher weiter

Die kräftigen Preiserhöhungen steigern den Umsatz im Lebensmittel-Einzelhandel. Er legte im Mai im 4,5 Prozent zum Vorjahresmonat zu, während der gesamte Handel nur ein Plus von 2,0 Prozent schaffte. Werden Preiserhöhungen ausgeklammert, fiel der Zuwachs mit 1,5 Prozent nur ein Drittel so stark aus.

Laut Commerzbank setzt sich der Trend zu höheren Preisen auch für eine Vielzahl von Dienstleistungen fort. "Reisen, Hotelübernachtungen und Restaurantbesuche verteuerten sich in der ersten Jahreshälfte unabhängig von der Lage der Ferien spürbar." Auch für Energie (plus 3,0 Prozent) mussten Verbraucher im Juni mehr zahlen als ein Jahr zuvor.

Ökonomen gehen davon aus, dass die Preise in Deutschland künftig stärker steigen werden als in der Euro-Zone insgesamt. Bislang war es zumeist umgekehrt. Grund seien die robuste Konjunktur und kräftige Lohnerhöhungen, die im ersten Quartal bei 3,5 Prozent lagen, sagte der Europa-Chefvolkswirt von Nordea, Holger Sandte: "Dadurch haben die Unternehmen Spielraum, höhere Kosten an die Verbraucher weiterzugeben".