Goldman Sachs und die SEC Eine halbe Milliarde als Strafe

Spektakuläre Verfahren der US-Börsenaufsicht enden häufig mit einem Vergleich. Doch der ist teuer für Goldman Sachs: 550 Millionen US-Dollar werde die Bank als Strafe zahlen - und ihre Geschäftspraktiken ändern.

Von Nikolaus Piper

Der Fall sorgte für einen Sturm an der Wall Street. Am 16. April reichte die amerikanische Börsenaufsicht SEC Klage ein gegen den Star der Wall Street, die Investmentbank Goldman Sachs. Goldman habe, so der Vorwurf, ein kompliziertes Finanzprodukt entwickelt, das es dem Hedgefonds-Manager John Paulson erlaubte, auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes zu wetten. Die Tatsache, dass Paulson an der Konstruktion des Produktes mit Namen "Abacus" mitgewirkt habe, sei den Goldman-Kunden verschwiegen worden, worin die SEC den Tatbestand des Betrugs erfüllt sah. Goldman Sachs wehrte sich mit starken Worten: "Die Vorwürfe der SEC sind rechtlich und sachlich unbegründet", hieß es in einer Erklärung.

Die US-Börsenaufsicht ermittelt seit dem Frühjahr gegen Goldman Sachs. Mittlerweile ist es still um diesen Fall geworden - ein Zeichen dafür, dass hinter den Kulissen verhandelt wird.

(Foto: rtr)

Danach gab es noch eine spektakuläre Anhörung im Kongress, bei der Goldman-Chef Lloyd Blankfein von den Abgeordneten gegrillt wurde. Aber seither war es sehr still geworden um den Fall - ein klares Indiz dafür, dass Goldman und die SEC hinter den Kulissen über einen Vergleich verhandelten.

Die Bestätigung für das, was alle Experten in New York vermuteten, kam viel schneller als erwartet. Am Donnerstagabend, kurz nach Börsenschluss und nachdem der Senat das Gesetz über eine große US-Finanzreform beschlossen hatte, gab die SEC in Washington die Einigung bekannt: Goldman zahlt 550 Millionen Dollar Geldbuße und verspricht, die eigenen Geschäftspraktiken zu überprüfen. Es ist die höchste Geldbuße, die je in der Geschichte der SEC über eine Finanzfirma verhängt wurde.

"Klares Signal an die Wall Street"

Goldman räumte im Zuge des Vergleichs ein, einen "Fehler" begangen zu haben, als die Beteiligung von John Paulson an der Entstehung von Abacus nicht veröffentlicht wurde. "Goldman Sachs bedauert, dass die Marketing-Unterlagen diese Information nicht enthielten", heißt es in der Erklärung der SEC. Entscheidend ist jedoch, dass die Behörde den Vorwurf des "Betrugs" fallen ließ. Dies war für Goldman anscheinend die Voraussetzung, einem Vergleich zuzustimmen.

"Der Vergleich schickt ein klares Signal an die Wall Street", erklärte der zuständige SEC-Direktor Robert Khuzami. Sie dürften auch bei komplexen Produkten und professionellen Kunden die "fundamentalen Prinzipien er ehrlichen Behandlungen und des fairen Geschäfts" nicht verletzte. Aus der Gesamtsumme des Bußgeldes fließen 250 Millionen Dollar an Investoren, die bei Abacus Geld verloren haben, darunter auch die deutsche Skandalbank IKB, die allein 150 Millionen Dollar bekommen soll.

Spektakuläre Verfahren der SEC enden häufig mit einem Vergleich, weil dies beiden Seiten nützt. So auch hier. Die Vorwürfe der Börsenaufsicht gingen zwar sehr weit, ob die Behörde damit aber vor Gericht durchkommen würde, ist aber alles andere als sicher. Umgekehrt lag es im Interesse von Goldman, ein langwieriges Verfahren mit immer wiederkehrenden Negativschlagzeilen zu vermeiden, ganz unabhängig davon, wie dieses Verfahren schließlich ausgehen würde.