Geldwäsche Mit einem Klick ist alles weg

Kriminelle gehen immer seltener zum Bankschalter, um ihr illegal erwirtschaftetes Bargeld zu waschen - stattdessen wählen sie zunehmend den Weg übers Internet. Das Online-Banking ist so unsicher, dass es der BKA-Chef nicht mehr nutzt.

Von Markus Zydra

Das Eingeständnis kommt in dieser Deutlichkeit ein wenig überraschend: "Nein, ich mache kein Online-Banking", sagt Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA). Etwa zu gefährlich? "Die Angriffe von Trojanern auf das Tan-Verfahren sind enorm, täglich werden 500.000 Rechner in Deutschland infiziert", erklärt Ziercke und gibt einen Einblick, wie es erfahrene Kriminalbeamte mit dem virtuellen Bankgeschäft halten: "Meine BKA-Kollegen haben zwei Computer, einen nur für das Banking und einen, der gar nicht ans Internet angeschlossen ist."

An diesem Tag geht es um das Thema Geldwäsche. Das BKA und die Finanzaufsichtsbehörde Bafin legen den Jahresbericht 2009 vor. Demnach sind die Verdachtsanzeigen auf 9046 angestiegen, eine Steigerung um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In knapp der Hälfte der Fälle konnte der Verdacht einer Straftat auch erhärtet werden, berichtete der BKA-Präsident.

Verdachtsanzeigen kommen hauptsächlich von Banken, etwa wenn viel Bargeld einbezahlt wird, über dessen Herkunft der Kunde keine Auskunft geben kann. Die Kreditinstitute sind dazu nach dem Geldwäschegesetz verpflichtet. Aber auch Juweliere oder Autohändler müssen Meldung machen bei Polizei oder Staatsanwaltschaft, wenn sie Verdacht schöpfen und die Ware mit mehr als 15.000 Euro in bar bezahlt wird.

Doch immer seltener gehen Kriminelle zum Bankschalter, um ihr illegal erwirtschaftetes Bargeld zu waschen. Sie nutzen stattdessen das Internet: Online-Prepaid-Karten, Online-Kreditkarten und fingierte Online-Einkäufe. "Die virtuelle Geldwäsche ist das größte Problem geworden", sagte BKA-Chef Ziercke, der nicht erörtern wollte, wie genau diese virtuellen Geldwäschetransaktionen über die Bühne gehen - das BKA will keine Nachahmer motivieren.

Die Anzahl der Verdachtsanzeigen, bei denen die Tatverdächtigen ein internetbasiertes Zahlungssystem nutzten, stieg gegenüber 2008 von 25 auf 63 Fälle. "Einige dieser neuen Zahlungsmethoden eröffnen aufgrund ihrer technischen Multifunktionsfähigkeit und der möglichen anonymen Nutzung neue Varianten der Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung", so das BKA.

Häufig nutzen Geldwäscher sogenannte Finanzagenten. Hier handelt es sich um Personen, die angeworben werden, um ihr Privatkonto für Geldwäsche-Transaktionen zur Verfügung zu stellen und die Beträge - regelmäßig gegen Provision - ins Ausland an Hinterleute oder zur weiteren Verschleierung an andere Finanzagenten weiterzuleiten. So wird beispielsweise Geld, das durch Phishing betrügerisch von einem fremden Konto abgebucht wurde, gewaschen. Das sei kein Kavaliersdelikt, wie Ziercke betont. Finanzagenten könnten sich nicht damit herausreden, sie seien hereingelegt worden.

Kritik an geringen Bußgeldern

Es gibt zwei Verfahren der Geldwäsche. "Man bringt das Geld aus einer Straftat physisch ins System, durch Einzahlung auf ein Konto oder den Kauf einer Ware oder Forderung", sagt Karl-Heinz Symann, Geschäftsführer von Symann Compliance Consult. "Wenn das Geld erst einmal elektronisch gebucht ist, dann kann es mit allen legalen Zahlungsmethoden und auch durch Forderungstausch verrechnet werden, beispielsweise durch eine simple Überweisung", sagt der frühere Geldwäschebeauftrage der Dresdner Bank. Im Bereich der Wirtschaftskriminalität, so Symann, könne die Geldwäsche mit den heute zur Verfügung stehenden Instrumenten wirksam bekämpft werden. "Aber bei der internationalen organisierten Rauschgift-Kriminalität, dem ursprünglichen Ziel der Geldwäschegesetzgebung, ist es sehr schwer."

"Geldwäsche wird zunehmend über fiktive Handels- oder Warengeschäfte abgewickelt, wobei internationale Tätergruppierungen und Gesellschaften mit Sitz im Ausland im Mittelpunkt stehen" sagt BKA-Chef Ziercke. Geldwäscher nutzten dabei gezielt die Tatsache, dass Rechtshilfeersuchen langwierig seien, unterschiedliche Bankgeheimnisse gälten und die Strafverfolgungsintensität unterschiedlich ausgeprägt sei. Die Kriminellen nutzten zudem ausländische Zahlungsdienstleister, die in Deutschland Internetcafes, Callshops oder Reisebüros als Stützpunkte installiert haben.

Jochen Sanio, Chef der Bonner Behörde Bafin, überwacht die Geldwäschekontrolle in den Banken. Er kritisiert die geringen Bußgelder bei Verstößen. "Maximal sind es 100.000 Euro, in der Regel liegt der Betrag gerade mal bei 20.000 Euro", bemängelt Sanio. "In anderen Länder werden da schnell 20 Millionen Euro fällig."