Geld - Macht - Hass: Jörg Immendorff Was sind die Werke wert?

Dem unehelichen Sohn steht, ob Immendorff es wollte oder nicht, laut deutschem Erbrecht ein Achtel des Erbes zu. Nur: Ein Achtel von was genau? Keiner weiß, wie viele Werke der Maler besaß, als er starb. Und wo befinden sie sich? Vor allem aber: Was sind Sie wert?

Michael Werner, Kunstkenner und Immendorffs Galerist, ist als Testamentsvollstrecker damit beauftragt, den Nachlass zu schätzen und zu verteilen. Wie viel Jean-Louis womöglich bekommt, hängt maßgeblich davon ab, wie hoch Werner die Preise der Werke veranschlagt. Das ist der Knackpunkt.

Lothar Böhm, der Anwalt des Jungen, reichte vor dem Landgericht Düsseldorf Klage ein. Er traut Werners Urteilen nicht. Da seien beispielsweise die 4000 Grafiken, die zum Nachlass gehörten. Werner habe ihren Wert pauschal auf 50 Euro geschätzt. "Sie werden aber meist für über 1000 Euro verkauft", so Böhm. Da könne doch etwas nicht stimmen. Der nächste Gerichtstermin ist am 22. März. Ob der Sohn Recht bekommt und Ruhe findet?

Jörg Immendorff, so viel ist sicher, fand sie zu Lebzeiten nicht. Da war dieses Erlebnis, das ihn nicht los ließ: Er war elf Jahre alt und ein magerer, blasser Junge. Da packte der Vater eines Tages seine Sachen und ging, ohne sich noch einmal umzudrehen. Jörg Immendorff kam nie darüber hinweg. Der Mann, dessen Erbgut er in sich trug, blieb ihm für immer fremd. Dem Leben fühlte sich Immendorff nicht gewachsen: "Ich war dafür völlig unbrauchbar, war unzuverlässig und labil", sagte er einmal.

Erst durch den Ruhm als Maler gewann er Selbstvertrauen. Die Gemälde-Serie "Café Deutschland", in der er sich bereits in den 1970er Jahren mit dem geeinten Deutschland beschäftigt, machten ihn berühmt, für die Ahnengalerie der Bundeskanzler porträtiere er Gerhard Schröder. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Maler der Nachkriegszeit.

Aber bis zum Ende fiel ihm der Umgang mit Menschen schwer. Er galt als Egomane, der keinen Widerspruch duldete. Als Marie-Josephine Lynen seinen Heiratsantrag zurückwies, so erzählt sie es, wandte er sich von ihr und seinem Sohn Jean-Louis ab, für immer.

Wenig später lernte er Oda Jaune kennen, sie kam als Studentin in seinen Kurs. Er war es, der ihr den Künstlernamen gab: Oda ist altdeutsch und heißt wertvoller Schatz und Jaune, französisch für gelb, war die Lieblingsfarbe des Malers. Bald nach dem ersten Treffen folgte die glamouröse Hochzeit der Schönen und des bereits erkrankten alten Mannes.

"Für die beiden war die Beziehung aus meiner Sicht beste PR, so lange alles im Lot war", sagt Hans Peter Riegel, Immendorff-Biograf und Wegbegleiter des Künstlers. Doch ausgerechnet als Oda hochschwanger war, wurde Immendorff in einen Sex-und Drogenskandal verwickelt: Mit Kokain, Champagner und neun Prostituierten feierte er in einem Düsseldorfer Hotel. Als die Polizei ihn in flagranti ertappte, gestand er, seit Jahren Kokain zu schnupfen. "Aus Lebensgier", wie er sagte, und um die Angstattacken zu betäuben, die ihn seit Ausbruch der Lähmungserscheinungen plagten.

Das Gericht strafte ihn milde: elf Monaten auf Bewährung. Und Oda Jaune? Tat, als machten ihr die Affären, Lügen und Skandale des Ehemannes nichts aus. "Aber die Auftritte des Paares nach dem Skandal wirkten auf mich inszeniert", sagt Riegel. Und doch ist sie es, der Immendorff alles vermachte.