Forschung zur Zufriedenheit Mehr Geld, mehr Glück?

Egal wie viel Geld auf dem Konto liegt, es ist nie genug. Aber macht Reichtum dann zufrieden? Psychologen haben eine Antwort gefunden: Es kommt nicht darauf an, wie viel man hat.

Von Sebastian Herrmann

Beim Blick auf die Kontoauszüge stellt sich stets Enttäuschung ein. Entweder befindet sich ein hässliches Minus vor der entscheidenden Zahl, oder die Daueraufträge für Miete, Strom und Telefon verhunzen den sonst ansehnlichen Betrag auf den Auszügen. Egal wie viel Geld auf dem Konto liegt, es ist immer weniger als genug. So gesehen macht Geld nicht glücklich, weil einen das chronische Gefühl plagt, dass mehr nötig wäre, um endlich mit einem Dauergrinsen durch die Welt zu laufen.

Psychologen berichten nun, dass dieser gefühlte Mangel niemals endet: Selbst reiche Menschen leben in der Illusion, dass sie endlich glücklich wären, wenn sie etwa drei- bis viermal so viel besäßen, wie ihr Konto aktuell verzeichnet - egal ob dort eine oder zehn Millionen Dollar liegen, wie Michael Norton von der Harvard Business School betont.

Reisen beschert mehr Glück als materielle Versüßungen

Macht Geld also glücklich, wenn die Jagd nach mehr davon niemals endet? Mit Fragen wie dieser beschäftigen sich Psychologen gerade auf einer Tagung in Long Beach, Kalifornien, die den schrägen Titel "Happy Money 2.0" trägt. Die Antwort der Forscher auf die ewige Frage nach dem Geld und dem Glück also lautet: Es kommt nicht so sehr darauf an, wie viel davon ein Mensch besitzt, sondern was er damit macht - ob er Geld hortet oder für Erfahrungen ausgibt. Erlebnisse wie Reisen, Restaurantbesuche oder Familienausflüge bescheren ein länger anhaltendes Gefühl von Glück als materielle Versüßungen des Daseins.

Dieser Erkenntnis der Glücksforschung fügt der Psychologe Amit Kumar einen Schnipsel hinzu: Sogar die Vorfreude ist größer, wenn als Belohnung ein Erlebnis statt einer Finanzspritze wartet - und wenn es nur der Genuss einer Flasche Wein ist.

50 000 Euro Jahreseinkommen - die magische Schwelle

Schön und gut, man muss sich diese Erlebnisse jedoch erst leisten können. Ohne Geld bleibt dieser Weg ins Glück versperrt. Geld macht also nicht zwingend glücklich, Armut dafür ziemlich sicher unglücklich. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman gibt die magische Schwelle mit 50 000 Euro Jahreseinkommen an. Bis zu diesem Betrag führten Geld und Glück eine stabile Zweierbeziehung. Mit jedem Euro geht es besser, bis alle Grundbedürfnisse befriedigt sind und die Widrigkeiten des Alltags nerven, die sich selbst mit einem gefüllten Konto nicht bekämpfen lassen - Elternabende, Stress in der Beziehung, Ärger im Büro.

So entkoppelt sich das Glücksempfinden irgendwann von der Menge Geld, die ein Mensch verdient. Der Psychologe Jordi Quoidbach stellt in Long Beach eine Studie vor, die das zum Teil erklären könnte. Demnach mindert Reichtum die Freude an den Dingen, die leichte Verfügbarkeit reduziere deren Wert. Regelmäßig in guten Restaurants zu essen vermiest den Genuss an einem Schnitzel, und teure Reisen mit einem gleichgültigen Achselzucken zu bezahlen schmälert auch die Freude an diesen Erlebnissen. Das klingt ebenso einleuchtend wie banal. Und doch leben die meisten Menschen in der Illusion, dass sie endlich vollends glücklich wären, wenn sie zu den Reichen dieser Welt zählen würden und sich alles leisten könnten. Der Traum vom großen Geld bleibt immer ein Traum. Egal wie prall das Konto gefüllt ist.