Griechenland und die Euro-Krise Zwei Monate - dann geht es wieder los

Mit dem Zwölf-Milliarden-Euro-Kredit für Griechenland haben die Euro-Länder dem Land und sich selbst Luft verschafft. Allerdings nur für kurze Zeit: Schon in zwei Monaten brauchen die Griechen wohl neue Kredite - und dann einen Plan B.

Ein Kommentar von Cerstin Gammelin

Die Euro-Finanzminister haben die nächsten Kredite für das von der Pleite bedrohte Griechenland bewilligt und sich nach Kräften bemüht, diese Milliarden-Überweisung irgendwie folgerichtig aussehen zu lassen. Dabei wären sie beinahe in letzter Sekunde an sich selbst gescheitert, weil sie ihre selbst aufgestellten Bedingungen nicht rechtzeitig erfüllen konnten.

Jean-Claude Juncker führt den Vorsitz, wenn es bei einem Krisentreffen der Finanzminister wieder einmal um die Rettung Griechenlands vor dem Staatsbankrott geht.

(Foto: dpa)

Vor einem Jahr, als das Spektakel um Griechenland begann, legten sie fest, Athen nur dann Notkredite zu gewähren, wenn dies auch der Internationale Währungsfonds tue. Dieser meldete zwischenzeitlich Bedenken ob der Sinnhaftigkeit weiterer Hilfen an und forderte von den Europäern, zusätzliches Geld für Griechenland zu garantieren. Ohne Garantie kein weiteres Geld mehr für Athen, tönte es in Washington.

Das veranlasste Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, seinerseits eine Bedingung zu stellen. Noch mehr Kredite gebe es nur, wenn sich Banken, Versicherungen und Rentenfonds an den Kosten beteiligten würden. Ohne private Gläubiger kein weiteres Geld. Schließlich erhoben die Europäer und der Weltwährungsfonds eine dritte Forderung: Grundsätzlich gebe es überhaupt nur Geld, wenn das griechische Parlament zuvor ein weiteres Sparprogramm billige.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Griechen die Einzigen waren, die rechtzeitig lieferten. Was freilich nichts genutzt hätte, wären ihre Kreditgeber, der Internationale Währungsfonds und die Euro-Finanzminister, in der vergangenen Samstagnacht nicht kurz entschlossen unter den von ihnen errichteten Hürden durchgekrochen, um trotzdem noch zum Ziel zu kommen.

Sie vertagten die große Aufgabe, nämlich ein zusätzliches Hilfspaket unter Beteiligung der privaten Gläubiger zu schnüren, ganz so, wie sie es vorher angekündigt hatten. Stattdessen reichte es plötzlich aus, dass Griechenland noch mehr spart und reformiert.

Lagarde reicht offensichtlich wieder ein Versprechen

Bis zum Herbst will Schäuble nun versuchen, private Investoren zu überzeugen, sich mit einer passablen Summe am nächsten Rettungspaket zu beteiligen. Bis dahin wird sich auch der Weltwährungsfonds sortieren.

Als die Hilfen begannen, gab sich der damalige Chef Dominique Strauss-Kahn mit dem Versprechen aus Europa zufrieden, Athen nicht fallenzulassen. Sein Vertreter John Lipsky hielt sich klar an das Statut. Der Amerikaner forderte Zahlen statt Worte, was das europäische Chaos um Hellas' Rettung verschärfte. Nun ist Christine Lagarde im Amt, ihr reicht offensichtlich wieder ein Versprechen.

Für den Moment haben die Euro-Länder Griechenland und sich selbst ein bisschen Luft verschafft. Lange vorhalten wird das nicht. Athen braucht in zwei Monaten weitere Kredite. Ob die Griechen bis dahin endlich die Sparziele erfüllen, mag niemand vorhersagen. Ob sich die Euro-Länder auf ein Kredit-Paket einigen, ebenfalls nicht. Spätestens im Herbst braucht Athen also den Plan B.