Ein Jahr nach der Einführung Sexsteuer lohnt sich für Stadt Bonn

Seit einem Jahr müssen Prostituierte in Bonn ein Ticket ziehen, wenn sie ihre Dienste auf dem Straßenstrich anbieten wollen. Jetzt zieht die Stadt Bilanz: Die Abgabe bringt mehr ein, als sie kostet.

Sechs Euro für Sex: Vor einem Jahr stellte die Stadt Bonn den ersten Sex-Automat Deutschlands auf ihrem Straßenstrich auf. Wer auf dem Bonner Straßenstrich seine Dienste anbieten will, muss pro Nacht sechs Euro Sexsteuer an die Stadt entrichten. Bezahlen können die Prostituierten die Gebühr an einem umgerüsteten Parkscheinautomat. Das Ticket gilt von 20.15 Uhr bis 6 Uhr.

Nun zieht die Gemeinde Bilanz. 35.200 Euro an Steuereinnahmen hat der Sexautomat der Stadt eingebracht. In den ersten zwölf Monaten druckte das Gerät 5870 Steuerbons. 27 Mal wurden Buß- oder Verwarnungsgelder gegen Prostituierte ohne "Verkehrsticket" ausgesprochen. Im Durchschnitt arbeiten jede Nacht 15 Frauen auf dem Bonner Straßenstrich.

Bereits seit Anfang letzten Jahres müssen Bordelle die Abgabe entrichten. Die Einnahmen aus der Sexsteuer betrugen in 2011 rund 250.000 Euro. Im ersten Halbjahr 2012 beliefen sie sich bereits auf 220.000 Euro, sagte ein Sprecher der Stadt Süddeutsche.de.

Abgaben wie die Sexsteuer dienen nicht nur der Finanzierung der Gemeinden. Sie sind sogenannte Lenkunsgssteuern, die vor allem das Verhalten der Bürger beeinflussen sollen. So dient die Hundesteuer etwa auch dazu zu verhindern, dass zu viele Hunde durch die Stadt laufen. Solche Lenkungssteuern verursachen in der Regel neue Kosten für die Kommune, etwa durch den Einsatz von Kontrolleuren.

So ist es auch im Falle Bonn. Nach Einschätzung der Stadt übersteigen die Einnahmen durch die Sexsteuer jedoch die Ausgaben. Der umgerüstete Parkautomat schlug mit rund 4000 Euro zu Buche. Dazu kommen Personalkosten: Das Ordnungsamt kontrolliert zusätzlich, das Bonner Kassen- und Steueramt hat zwei zusätzliche Stellen geschaffen. Außerdem stellt die Stadt den Prostituierten einen Sicherheitsdienst und abgeschirmte Parkplätze zur Verfügung, die im Behördensprech "Verrichtungsboxen" heißen.