Deutsche zahlen so viel Steuern wie nie Arbeiten in Deutschland? Kostet 10.000 Euro

Viele Angestellte konnten sich 2011 über höhere Löhne freuen. Doch aus dem mehr brutto wird weniger netto: Sie sind in eine höhere Steuerklasse gerutscht und haben real weniger in der Tasche. Die Deutschen zahlen nun im Schnitt so viel an Steuern und Abgaben wie nie zuvor.

Der deutschen Wirtschaft geht es gut - der Staat und die Sozialkassen profitieren davon: 9943 Euro Steuern und Abgaben hat jeder Beschäftigte im vergangenen Jahr durchschnittlich überwiesen, so viel nie noch nie. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor, die das Bundesarbeitsministerium in seinem "Statistischen Taschenbuch 2011" aufbereitet und nun veröffentlicht hat.

Die Rekordsumme von 9943 Euro überwies jeder Deutsche 2011 durchschnittlich ans Finanzamt und an die Sozialkassen.

(Foto: dpa)

Der Staat hat 553 Euro mehr pro Arbeitnehmer eingenommen als im Vorjahr. Den größten Anteil an den Rekordeinnnahmen hatte die Lohnsteuer: Sie stieg 2011 um 300 Euro gegenüber dem Vorjahr. Damit mussten die Beschäftigten einen leichten Einkommensrückgang hinnehmen: Netto blieben ihnen im vergangenen Jahr 17.650 Euro, 2010 waren es noch 17.666 Euro.

Vor allem untere und mittlere Einkommen bekamen die Folgen der sogenannten kalten Progression zu spüren: Sie mussten durch die gestiegenen Bruttolöhne mehr Steuern zahlen*. Weil die Lohnerhöhungen gerade die Inflation ausgleichen, verfügten sie nun real über weniger Geld als vor der Erhöhung.

Aber auch die Sozialbeiträge haben die Abgabenlast im vergangenen Jahr in die Höhe getrieben: Philipp Röslers Gesundheitsreform hatte Anfang 2011 den Beitragssatz für die Krankenversicherung von 14,9 auf 15,5 Prozent erhöht. Zugleich stieg der Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung wie geplant auf die gewohnten drei Prozent an, nachdem er vorübergehend als Beitrag zur Krisenbewältigung gesunken war.

Grundsätzlich bildete die Rekordeinnahme jedoch eine positive Entwicklung ab, sagt Bernhard Boockmann, Arbeitsmarktforscher am Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung: "In erster Linie liegt das an der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt." Werden dort höhere Gehälter gezahlt, nimmt der Staat auch mehr Steuern ein.

Die Sozialkassen sind dementsprechend voll: Ihre Überschüsse stiegen 2011 auf fast 14 Milliarden Euro, das ist fünf Mal so viel wie noch 2010. Während die Ausgaben der Sozialversicherungen sogar leicht sanken, erhöhten sich ihre Einnahmen auf jetzt insgesamt 526 Milliarden Euro.

*Anmerkung der Redaktion: Hier war in einer früheren Version von anderen "Steuerklassen" die Rede. Die haben mit der kalten Progression natürlich nichts zu tun. Danke an die Kommentare für den Hinweis.