Weg mit den Irrtümern: Pensionäre mit Durchschnittsverdienst haben netto nur wenig mehr als Rentner mit betrieblicher Altersversorgung.
Der Staatsdiener und sein Aktenberg: So sehen viele Deutsche die Beamten. Bei den Pensionen gibt es jedoch große Unterschiede. Etwa die Hälfte der Pensionäre sind Akademiker. Ihre Ruhegehälter sind besonders hoch. (© Foto: dpa)
Anzeige
Der Finanzmathematiker Werner Siepe, Autor mehrerer Fachbücher zum Thema Altersvorsorge und Studien für die Stiftung Warentest, hat nun versucht, Irrtümer und Wahrheiten über die Beamtenpensionen zusammenzutragen. Sein Ergebnis fällt differenziert aus: Der Unterschied zwischen den Nettopensionen und den Nettogesamtrenten ist weniger hoch als vielfach angenommen. Andererseits profitieren Beamte bei ihrer Altersvorsorge von teilweise grotesken Privilegien.
Die 60 Seiten starke Untersuchung, die Siepe in Berlin vorstellte, ist eine Abrechnung mit bekannten Kritikern der Beamtenversorgung. "Es fällt auf, dass eine ganze Reihe von Fehlern in Studien enthalten sind, die im Auftrag von arbeitgebernahen Instituten erstellt wurden", heißt es in der Untersuchung.
Dazu zählt er Stellungnahmen und Berichte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, des Freiburger Professors Bernd Raffelhüschen und des früheren Vorsitzenden des Sachverständigenrats der Bundesregierung, Bernd Rürup. Ihnen wirft er vor, "Halbwahrheiten über die Beamtenpensionen zu verbreiten".
Das Gerücht von der doppelten Rente
Zum gängigsten Vorurteil zählt Siepe die Ansicht, Pensionen seien doppelt oder dreifach so hoch wie die Rente. Diese Behauptung hält der Fachautor vor allem aus zwei Gründen für falsch: Es werden Pensionen, die sich vom Grundgehalt eines Höherverdieners ableiten, mit Renten für Durchschnittsverdiener unter allen Arbeitnehmern verglichen. Auch fallen bei solchen Vergleichen meist die Betriebsrenten der Arbeitnehmer völlig unter den Tisch.
Nach Angaben des Finanzmathematikers werden zwei weitere Rechenfaktoren gern unterschlagen: Dazu gehören die Beiträge zur privaten Krankenversicherung und Pflegeversicherung, die die Pensionäre noch entrichten müssten.
Beim Vergleich von Pensionen und Renten wird außerdem unterstellt, dass keine oder gleich hohe Steuern anfallen. Tatsächlich werden Pensionen abzüglich eines Freibetrags voll besteuert. Neurentner des Jahres 2010 müssen ihre gesetzliche Rente zu 60 Prozent versteuern.
So gerechnet kommt Siepe zu dem Ergebnis, das die Nettopensionen je nach Verdienstgruppe, Familienstand und Lebensalter um bis zu 20 Prozent über den Nettogesamtrenten (inclusive Betriebsrenten) für ehemalige Tarifbeschäftigte Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst liegen.
Extrazahlung für Akademiker
Für Durchschnittsverdiener unter den Beamten bleibe ein finanzielles Plus von 10 bis 15 Prozent. Allerdings haben nicht alle Rentner eine betriebliche Altersvorsorge: 2007 hatten etwa 64 Prozent der sozialversicherungspflichtig angestellten Arbeitnehmer eine betriebliche Zusatzversorgung aufgebaut. Die Betriebsrente lag in der Privatwirtschaft 2005 bei durchschnittlich 388 Euro pro Monat. Nicht berücksichtigt bleibt in der Studie auch, dass die Staatsdiener ebenfalls Geld für eine zusätzliche Altersvorsorge zurückgelegt haben können.
Siepe, selbst Beamter im Ruhestand, kritisiert aber auch spezielle Privilegien für Pensionäre: So sei nicht einzusehen, dass in der Beamtenversorgung weiter "Studienzeiten bis zu mehr als zwei Jahren angerechnet werden und somit pensionssteigernd wirken". Für Akademiker unter den Rentenzugängen ab 2009 erhöhe sich durch ein absolviertes Studium die gesetzliche Rente dagegen nicht.
Für "völlig systemfremd" hält der Finanzmathematiker auch die doppelte Anrechnung von früheren Angestelltenzeiten im öffentlichen Dienst. So erhielten Beamten, die früher als Angestellte im öffentlichen Dienst tätig waren, neben der gesetzlichen Rente eine Pension, "in deren Berechnung die Angestelltenzeiten noch zusätzlich einfließen". Der Experte verlangt deshalb, "nicht systemgerechte Pensionsprivilegien abzubauen".
- Inflation Zeit frisst Rente 16.01.2010
- Altersvorsorge "Riester-Rente ist wie Lotto" 08.12.2009
- Wandel der Arbeit Frustrierte Beamte 04.12.2009
(SZ vom 25.02.2010/jcb/mel)
Dass sich nichts dazu im Internet findet sagt aber rein gar nichts über den Wahrheitsgehalt aus. Die Internetgläubigkeit, je mehr Treffer desto richtiger und vollkommener ist das Publizierte geht ja an der Wirklichkeit vollkommen vorbei (aber die meisten Menschen denken leider so).
Mir erscheint die Studie recht ausgewogen und alles andere als einseitig zu sein. Der Verfasser verlangt immerhin, "nicht systemgerechte Pensionsprivilegien abzubauen".
Vielleicht ist sie aber wegen ihrer Ausgewogenheit einfach unpopulär und nicht so präsent in den Medien. Bei dem Thema ist das einfach nicht erwünscht, da möchten viele schlicht und ergreifend ihren Vorurteilen frönen und ihren Frust und Unmut abbauen. Ventildiskussionen.
Außer der SZ scheint kein anderes bedeutendes Druckmedium diese zweifelhafte Veröffentlichung für erwähnenswert zu halten. Bei einer entsprechenden Google-Suche findet man dazu rein gar nichts.
...mehr fällt mir dazu nicht ein.
Vergleichen müsste man einen Beamten mit FH-Abschluss mit einem Arbeitnehmer mit FH-Abschluss in der freien Wirtschaft, oder Beamte / AN mit Uni-Abschluss.
Warum gehen so wenige qualifizierte Leute in den öffentlichen Dienst? Weil er im Vergleich zur freien Wirtschaft im gehobenen und höheren Dienst schlechter bezahlt und die Arbeitsbedingungen nicht gerade optimal sind.
Der Tarifabschluss für den ÖD hat übrigens nicht einmal den Inflationsausgleich erreicht.
Die angesprochenen Privilegien sind teilweise diskussionswürdig. Dass sich die Pension am letzten Gehalt orientiert ist ungerecht, so erhalten sicherlich nicht wenige noch kurz vor der Pension eine Beförderung als Zucker. Bedenkenswert ist`s auch, dass der ÖD in weiten Teilen nur unzureichend Mitarbeitermotivation erzeugen kann. Mancheiner, der sich eine Nische des Müßiggangs aufgebaut hat darf nicht genauso alimentiert werden wie jemand, der die selbe Arbeit im ÖD macht und engagiert ist und seine Arbeit ernst nimmt. Solche Mitarbeiter hätten in der freien Wirtschaft keine Chance.
Die Leute, die hire and fire auf alle Ebenen wünschen gefallen mir, ihre Gehirne sind von Neid und neoliberalem Geist nur so zerfressen (der Oberlehrer H.Prantl gehört auch dazu).
Ich warte darauf, dass jemand die Zustände von innen zeigt und so den Neiddebatten-Kritikern, die den anderen die Butter nicht aufs Brot gönnen können, und den sich schildbürgerhaft und blöd verkaufenden Mitgliedern des ÖD die Narrenkappe vor die Nasen hält.
In diesem Deutschland hält man es ja schon lange nicht mehr aus, unter diesen verbohrten, konsumsehnsüchtigen Narren!
Wär ich Rentner würde ich mein Abo nicht verlängern - dieser Artikel ist an Desinformation nicht zu überbieten! Hier hat wohl die Beamtenlobby die Feder geführt!?
und Äpfel und Birnen.
Wie kann man in Zeiten von hire & fire und "wir stellen keinen über 35 ein" einen unkündbaren "Angestellten" mit normalen Arbeitnehmern vergleichen?
Welcher Arbeitnehmer kann sich denn sicher sein, dass er bis zum Erreichen des Rentenalters einen sozialversicherungspflichtigen Job hat? Und die geburtenstarken Jahrgänge sind noch nichtmal über 55 angekommen.
Dieses Gejammere der absolut oberprivilegierten Beamten und Angestellten mit Beamtenstatus ist eine Beleidigung für all die Arbeitnehmer, die ggf Lohnkürzungen hinnehmen, um ihren Job zu behalten. Und dann danach trotzdem gefeuert werden.
Paging