Bargeldloses Bezahlen Es war einmal die Geldkarte

Der Geldkarte fehlt die Kundenakzeptanz. Jetzt soll sie verschwinden.

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Bus- und Bahnfahrer sollten mit ihr bargeldlos Kleinbeträge bezahlen: Doch weil ihr die Kundenakzeptanz fehlt, schaffen Volks- und Raiffeisenbanken die aufladbare Geldkarte ab. Das Dumme ist: Viele Automaten funktionieren nur mit ihr.

Von Harald Freiberger, Frankfurt

Man schrieb das Jahr 1996, als die Banken und Sparkassen in Deutschland eine kleine Revolution ausriefen. Mit großem Aufwand führten sie damals die Geldkarte ein. Sie sollte besonders das Bezahlen kleiner Beträge einfacher machen. Der Bankkunde lädt die Karte vorher mit bis zu 200 Euro auf. Danach kann er Beträge bis 20 Euro von Automaten abbuchen lassen - ohne PIN, ohne Unterschrift, ohne Prüfung der Identität, wie es bei der Girocard der Fall ist, die früher EC-Karte hieß.

Die Geldkarte sollte dem Handel, Automatenaufstellern und Verkehrsbetrieben das Leben leichter machen. Und die Kreditinstitute hatten auch etwas davon. "Die Geldkarte wurde von den Banken auch aus eigenem Interesse initiiert", sagt ein Sprecher des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR). "Der Bargeldumlauf sollte verringert werden." Denn schließlich sei die Bereitstellung von Bargeld kostenintensiv.

Über Jahre versuchten die Banken, der Geldkarte zum Erfolg zu verhelfen. Heute ist sie mehr als 70-millionenfach verbreitet. Denn jede Girocard besitzt auf ihrem Chip auch eine Geldkartenfunktion. Die Institute rüsteten ihre Geldautomaten mit der Auflademöglichkeit nach. Doch trotz aller Bemühungen wollte sich der Erfolg nicht recht einstellen.

Die Geldkarte ist spätestens 2018 Vergangenheit

Eine Studie zeigte jüngst, dass nur 0,75 Prozent aller Girocard-Besitzer auch die Geldkartenfunktion nutzen. Die Volks- und Raiffeisenbanken ziehen daraus nun die Konsequenzen. "Aufgrund der fehlenden Kundenakzeptanz wird die Geldkarte schrittweise aus dem Markt genommen", heißt es beim BVR. Neue Girocards, die ab 1. Oktober ausgegeben werden, verfügen über keine Geldkartenfunktion mehr. Da die Girocards alle vier Jahre ersetzt werden, ist die Geldkarte spätestens 2018 bei Genossenschaftsbanken Vergangenheit.

Das ist ein schwerer Rückschlag für die aufladbare Karte, die vor 18 Jahren noch als kleine Revolution gefeiert wurde. Immerhin besitzen die Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken 26,5 Millionen Girocards. Folglich gibt es in Deutschland künftig 26,5 Millionen Geldkarten weniger. Die Sparkassen, die rund 50 Millionen Girocards ausgegeben haben, erhalten die Geldkarte dagegen am Leben.

"Das Geldkartensystem hat gewisse Vorteile", sagt Oliver Hommel, Zahlungsverkehrsexperte beim Beratungsunternehmen Accenture. Die Bank trage kein Ausfallrisiko, da der Kunde die Karte vorher mit Geld auflade. Daher müsse die Bank auch nicht prüfen, ob das Konto gedeckt ist. Das ist gerade bei Minderjährigen wichtig, bei denen die Bank per Gesetz das Konto nicht ins Minus rutschen lassen darf. Es braucht daher für die Geldkarte auch keine Online-Verbindung. Das ist ein großer Vorteil für bewegliche Automaten und für Automaten, bei denen nur kleine Beträge kassiert werden - zum Beispiel in Bahnen und Bussen, für Getränke oder Zigaretten.