Griechenland, Italien, USA: Jede noch so skurrile Wendung in den Schuldenkrisen der Welt wird als Argument benutzt, in Gold zu investieren - der Preis pro Feinunze durchbricht erstmals die 1600-Dollar-Marke. Und die Propagandisten des Edelmetalls schüren zusätzlich Weltuntergangsstimmung. Warum der neue Goldrausch an den Finanzmärkten so gefährlich ist.
Zu Beginn dieser Woche kostete eine Feinunze Gold, also 31 Gramm, erstmals in der Geschichte mehr als 1600 Dollar. Der Rekord wurde eher beiläufig wahrgenommen - kein Wunder, denn an den Finanzmärkten wird Gold seit Wochen fast täglich teurer, und derzeit kann sich niemand vorstellen, wo das alles enden soll. Vor einem Jahr kostete Gold noch um ein gutes Drittel weniger als heute.
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Alle wollen Gold - wie einst der legendäre Bösewicht Goldfinger im gleichnamigen James-Bond-Film. Doch der Edelmetall-Rausch ist kein gutes Zeichen. (© REUTERS)
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Was das Edelmetall so teuer macht, ist klar. Es ist die Angst der Anleger um ihr Geld, mehr noch: ein abgrundtiefes Misstrauen gegen die Politik ganz allgemein. Manche glauben ganz einfach nicht mehr, dass die Regierungen das Problem der Staatsverschuldung in den Industrieländern je in den Griff bekommen werden.
Jede schlechte Nachricht aus Griechenland oder Italien, jede Skurrilität aus den Verhandlungen um eine Schuldenobergrenze im amerikanischen Kongress liefert Argumente dafür, Gold zu kaufen, egal, wo der Preis gerade liegt. Wenn schon die einst verehrten US-Staatsanleihen nicht mehr sicher sind, wenn die Vereinigten Staaten erstmals in ihrer Geschichte die Bestnote AAA für ihre Bonität verlieren könnten, was bleibt dann noch übrig als Gold? Weil die Schuldenprobleme Europa ebenso plagen wie Amerika, ist auch der Euro-Dollar-Kurs kein relevanter Maßstab mehr für die Qualität der Währungen.
Gold ist also, anders gewendet, ein Barometer der Angst auf der Welt und insofern von volkswirtschaftlichem Nutzen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass all jene, die jetzt massenhaft ins Gold fliehen, rational handeln, ganz im Gegenteil. Sie wollen sich und ihr Vermögen schützen, jedenfalls soweit es sich um Kleinanleger handelt. Aber vor was eigentlich? Bei der letzten großen Gold-Hausse Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hatten die Vereinigten Staaten zweistellige Teuerungsraten. Gold diente dazu, Vermögen vor Inflation zu schützen, und es erfüllte diese Funktion sehr gut, ähnlich wie Immobilien. Aber heute? Heute gibt es keine Inflation, allenfalls die vage Angst davor.
Die Zukunftsangst der Anleger
Zumindest in Amerika ist das Risiko einer Deflation, also eines anhaltend sinkenden Preisniveaus, immer noch akuter. Wenn die Preise fallen, ist Gold nur eine Last. Es hat fast keinen Gebrauchswert (sieht man vom Bedarf der Goldschmiede und Zahnärzte ab), es wirft keine Rendite ab, sondern verursacht nur Kosten. Wer will, kann allenfalls darauf bauen, dass das Sicherheitsbedürfnis der Anleger weiter wächst, dass die Notenbanken der Schwellenländer Gold kaufen und die Produktion aus geologischen Gründen begrenzt ist. All das addiert sich, theoretisch, zu steigenden Preisen.
In Wirklichkeit hat die Gold-Hausse nur am Rande mit solchen rationalen Argumenten zu tun. Die Zukunftsangst der Anleger ist seit Ausbruch der Finanzkrise umfassend. Und es betrifft nicht nur die Anleger. Die Furcht, alles könnte irgendwie zusammenbrechen, ist besonders unter jungen Menschen erschreckend ausgeprägt. Viele Propagandisten des Goldes schüren zusätzlich die Weltuntergangsstimmung.
Die einen sind überzeugt, dass unser Geldsystem vor dem Zusammenbruch steht, wenn die Welt nicht zum Goldstandard zurückkehrt, wie er vor dem Ersten Weltkrieg herrschte. Dazu wird es nicht kommen, aber das Thema bewegt die Phantasie unzähliger Experten, Laien und Ideologen. Andere wollen nur möglichst viel Gold mit möglichst hohen Margen verkaufen und machen sich die Träume und Albträume der Goldfanatiker zunutze.
Weltuntergangsstimmung kann ansteckend sein - und dann ist sie gefährlich. Politik wird irgendwann machtlos, wenn sich zum Beispiel der Glaube festsetzt, Europa sei in Sachen Griechenland hoffnungslos paralysiert, oder der Kongress in Washington werde nur noch von inkompetenten Zynikern beherrscht.
Nüchtern betrachtet hat die Gold-Hausse alle Anzeichen einer Spekulationsblase. Sie wird irgendwann platzen und viele Menschen werden viel Geld dabei verlieren. Wohl wahr, auf dieses Platzen warten die Experten schon lange, und bislang ist gut gefahren, wer sich auf die Irrationalität des Marktes einstellte und bei der Hausse mitmachte. Mittlerweise gibt es jedoch auch sehr gute politische und gesellschaftliche Gründe, auf das Ende der Goldspekulation zu hoffen.
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(SZ vom 20.07.2011/jab)
Eurovision Song Contest
Im Beitrag gehts um Inflation, also (prozentuale) Preisentwicklung. Für diese ist der Spritpreis selbst egal. In Deutschland wirkt der hohe Steueranteil sogar preisdämpfend, da der Steueranteil bis auf die MWSt die Rohöl-Preisentwicklung eben nicht mitmacht.
Davon abgesehen hat der hohe Energiepreis zu einem großen Innovations- und Investitionsdruck geführt; man vergleiche, was GM/Chrysler und Porsche/Audi bei gleich viel Hubraum und gleich viel Verbrauch aus einem Motor holen.
der Ami zahlt für 10 Gallonen also etwa 30 Euro, der Deutsche für die gleiche Menge 65 Euro.
Würde der US- Finanzminister so wie Schäuble Steuersätze auf Petrol erheben, dann wäre Obama auf einen Schlag seine Verschuldungsprobleme los.
Seine Lebenserwartung ginge aber gegen Null - wegen der Waffengesetze.
Da man bei den Weltökonomen der SZ von Recherche nicht mehr so ganz viel zu halten scheint, ein paar Nachträge:
Weltökonom: "Heute gibt es keine Inflation, allenfalls die vage Angst davor."
M. Gärtner: "Die Benzinpreise haben im Landesschnitt in den vergangenen 12 Monaten von 2,72 Dollar je Gallone auf 3,68 zugelegt, entnehme ich der Webseite GasBuddy.com. Das sind 35% Aufschlag für etwas, das Monat für Monat zwischen 10 und 12% des verfügbaren Einkommens der Amerikaner aufzehrt."
Quelle: blog.markusgaertner.com/2011/07/21/us-konsumenten-das-benzin-kommt-aus-der-kreditkarte/
Weltökonom: "Politik wird irgendwann machtlos, wenn sich zum Beispiel der Glaube festsetzt, Europa sei in Sachen Griechenland hoffnungslos paralysiert, oder der Kongress in Washington werde nur noch von inkompetenten Zynikern beherrscht."
FTD: "Die Regierung Merkels verschanzt sich immer wieder hinter Positionen - etwa der Beteiligung von privaten Gläubigern -, die sich als weltfremd und illusorisch entpuppen."
hoffnungslos paralysiert?
FTD: "Die konservative Partei will einer Erhöhung nur zustimmen, wenn Obamas Demokraten einer Kürzung der Sozialausgaben zustimmen und auf Steuererhöhungen verzichten."
inkompetente Zyniker?
Quellen:
ftd.de/politik/europa/:sondergipfel-in-bruessel-deutscher-eu-kolbenfresser/60081701.html
ftd.de/finanzen/maerkte/anleihen-devisen/:schuldenkrise-fed-erarbeitet-notfallplan-fuer-us-pleite/60081786.html
Hallo FreiheitImHerzen, im Artikel argumentiert Piper "Mittlerweise gibt es jedoch auch sehr gute politische und gesellschaftliche Gründe, auf das Ende der Goldspekulation zu hoffen."... in meinen Augen eine dramatische Fehleinschätzung der Lage und darauf hatte ich geschrieben: "Und warum nennen Sie uns dann nicht einige?". Sie führen nun als politischen Grund auf: "Wer Südeuropa nicht vor dem Bankrott durch Korruption retten muß, der hat mehr Geld für die Wähler hierzulande übrig" und als gesellschaftlichen Grund "Wer mehr Geld verteilen kann, kann mehr Gesellschaftsschichten "beglücken"." Ehrlich, ich kann mit Ihren Argumenten wenig anfangen, was hat das mit dem Ende der Spekulation auf wachsende Goldkurse zu tun? Ihr politisches Argument ist sachlich falsch, da die Politiker sich ja die Rettung auf die Fahne geschrieben haben, zudem ist der Bankrott nicht durch Korruption bewirkt, sondern durch wirtschaftliche Ungleichgewichte. Erst wenn NICHT gerettet wird, könnte sich der Rest-Euro erholen und dies den Goldboom vorübergehend dämpfen. Aber was nutzt das, wenn der Dollar dann crasht? Und ihr gesellschaftliches "Argument" hat mit der Hoffnung auf ein Ende des Goldbooms herzlich wenig zu tun...im Gegenteil, Sie glauben doch nicht etwa an irgendwelche kommenden Entlastungen a la FDP-Steuersenkungen, die die Goldkäufer dann ruhig stellen? Wo gibt es Raum für Entlastungen und "Beglückungen"?
Sehr geehrter netwanderer,
es lohnt sich wohl an der Stelle genau zu lesen: Es gibt gut politische(!) und gesellschaftliche(!) Gründe - jedoch keine wirtschaftlichen oder finanziellen.
Politisch: Wer Südeuropa nicht vor dem Bankrott durch Korruption retten muß, der hat mehr Geld für die Wähler hierzulande übrig.
Gesellschaftlich: Wer mehr Geld verteilen kann, kann mehr Gesellschaftsschichten "beglücken".
Wirtschaftlich würde die Einsicht helfen, daß Schulden nur den Ausgabenspielraum in Zukunft schmälern und denen helfen, die volkswirtschaftlich keinen Mehrwert bringen - die Banken.
Honi soit, qui mal y pense...
Viele Grüße
Paging