Altgold verkaufen "Na, was haben Sie für Schätze?"

Wer alte Goldreste verkaufen will, kann viel - oder sehr wenig - Geld dafür bekommen. Ein Selbstversuch zeigt enorme Unterschiede.

Von Simone Boehringer

Ein paar alte Kronen, ein Zahngoldplättchen, ein Ein-Gramm-Barren samt Schmuckfassung, die Reste von ein paar alten Armkettchen und ein etwa daumennagelgroßer Goldklumpen.

"Wenn wir eine Probe ziehen, um den genauen Goldgehalt festzustellen, kostet Sie das 50 Euro"

(Foto: Foto: J. Buschmann)

All das fand sich in einer alten grauen Uhrenschachtel, die beim Kistenpacken für den Umzug zum Vorschein kam. Genügend Material also, um einen Versuch zu starten: Die Zeiten sind schlecht, der Goldpreis ist zuletzt auf etwa 950 Dollar pro Feinunze geklettert. Wäre doch gelacht, wenn aus dem laut Briefwaage etwa 70 Gramm schweren Inhalt der Schachtel nicht wenigstens diese 31,1 Gramm reinsten Goldes herauskommen würden - genau so viel entspricht eine Unze reinsten 999er Goldes.

Eine Anfrage beim nächstbesten Juwelier im eigenen Stadtviertel ist ernüchternd: "Ihr Altgold zu trennen kostet mehr als hundert Euro", erklärt ein junger Mann hinter der Ladentheke. "Wenn wir eine Probe ziehen, um den genauen Goldgehalt festzustellen, kostet Sie das 50 Euro." Was ist dann der Vorschlag?

Schließlich hatte die Firma extra im lokalen Anzeigenblatt inseriert, dass sie Zahngold und alten Schmuck aufkauft. "Ich mache eine Schätzung", sagt er und verschwindet. "Hallo, wo gehen Sie mit meinem Gold hin?" "Keine Sorge", kommt es aus einem Hinterzimmer.

Zwei Minuten später ist er Gott sei Dank wieder da. "Genau 104,50 Euro kann ich Ihnen dafür bieten", sagt er lächelnd. Wie er zu dem Ergebnis kommt, will er allerdings auch auf hartnäckiges Nachfragen nicht sagen. "Allein in dem Klumpen sind so viele verschiedene Legierungen drin. 104,50 Euro, mehr kann ich Ihnen nicht geben", sagt er noch einmal, sichtlich genervt.

Röntgen für die Reinheit

Nein danke, zu undurchsichtig. Außerdem: Genau der Klumpen ist es ja, der die Phantasie beflügelt und die Hoffnung weckt, beim Umzug einen verborgenen Schatz gehoben zu haben. Was also ist dieser, zugegeben in dieser Form unbrauchbare, Restgoldhaufen wert? Ein befreundeter Zahnarzt klärt auf: "Zahngold besteht aus verschiedenen Legierungen. Das ist nie reines Gold." Auf einem Zahngoldplättchen steht "Degussa Degulor C". "Das ist eine Backenzahnlegierung, Marktpreis 38 Euro pro Gramm", erklärt der Zahnarzt.

Das gibt Hoffnung. Wenn ein Plättchen schon so viel Wert hat, kann es ja für den ganzen Haufen nicht nur 104,50 Euro geben. Also lohnt sich ein weiterer Versuch. Eine große Anzeige in der Tageszeitung wirbt für "Münchens größten Schmuck-Ankauf", zwischen Hauptbahnhof und Königsplatz. Auf dem Weg dorthin lockt noch eine "Gelegenheit Altgoldankauf". In dem kaum zehn Quadratmeter kleinen Schmuckladen stehen drei Männer.

"Na, was haben Sie für Schätze?", sagt derjenige hinter der Ladentheke und leert den Inhalt der Uhrenschachtel in eine Waagschale. "Was wollen Sie denn dafür haben", fragt er. Beflügelt von der offensichtlichen Werthaltigkeit des Zahnplättchens kommt prompt: "700 Euro?". "400", ist die Antwort des Ankäufers.

"Das ist alles eingeschweißtes Zahngold, das sehe ich nach 30jähriger Erfahrung in dem Geschäft." Pause. Zweifeln. Dann die Frage nach einer Materialprobe. "Nein, zu aufwendig. Wenn Sie mir nicht glauben, dann nehmen Sie es wieder mit", sagt der Schmuckverkäufer und öffnet sofort die Ladentür.

Also doch zu "Münchens größtem Schmuck-Ankauf", es ist ja nur ein paar Ecken weiter. Die Verkäuferin dort erklärt: "Wir richten uns nach den aktuellen Marktpreisen." Es folgt ein genauer Preis für verschiedene Reinheiten, also 333er bis 999er Gold, was ähnlich wie beim Prozentrechnen bedeutet, wie viele Teile von 1000 denn reines Gold sind.

Klingt alles sehr professionell. Zumal die Dame sofort anbietet, eine sogenannte Spektralanalyse zu machen. "Das ist eine Art Röntgenaufnahme, um den Goldgehalt besser abschätzen zu können", hatte der befreundete Zahnarzt zuvor erklärt. Gespanntes Warten auf das Ergebnis. "460 Euro kann ich Ihnen geben", sagt die Schmuckankäuferin. Viel besser also als die beiden bisherigen Angebote. Der Weg hat sich schon mal gelohnt.

Auf die Frage, wie das Ergebnis zustande kommt, sagt sie: "Das ist eine Schätzung mit Hilfe des Gerätes." Für eine genauere Analyse müsse sie die Teile anfeilen, das wäre aber mühsam und würde eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr kosten.

Die Frage, wie viel Abschlag sie beim Ankauf auf den Marktpreis nimmt und ob man das Ergebnis der Spektralanalyse sehen dürfte, blockt sie ab. Geschäftsgeheimnis. Pikiert ist sie dann, als der Deal nach zehnminütigem Gespräch nicht zustande kommt.

Die Gier steigt

Beim Gold hört der Spaß eben auf. Einen letzten Versuch soll es noch geben, mit dem eigenen Schatz dem Unzenpreis von zuletzt etwa 950 Dollar wenigstens nahezukommen. "Goldankauf Bayern" heißt die Adresse, die nach einer kleinen Recherche zu "Goldankauf und München" unter zahllosen bekannten und unbekannten Adressen am eindrucksvollsten wirbt.

"Mit einer Röntgenfluoreszenzanalyse können wir innerhalb weniger Minuten die Echtheit jedes Edelmetalles prüfen und Ihnen die Ankaufsumme überweisen", heißt es auf der Homepage, und dass jeder willkommen sei. Ob er mit einem Goldzahn oder großen Mengen ankomme, sei egal.

Die Realität ist dann erst mal ernüchternd. Ein Gemeinschaftsbüro mit drei Beratungsfirmen, im dritten Stock eines unscheinbaren Bürogebäudes, an einer der großen Einfallstraßen Münchens. Dort, zwischen Motorradshop und Computerhandel, dort soll es gute Preise für Gold geben? Immerhin: Es gibt einen Warteraum, und es sitzen auch schon zwei Kunden drin. "Einen Moment bitte, wir haben gleich Zeit für Sie", sagt ein Mann im Anzug und verschwindet in einem Büro. Dann ist es so weit.

Zwei Herren nehmen sich der alten Uhrenschachtel an. Mit einer Pinzette dividiert der eine die Ketten- und Kronenreste auseinander und gibt sie dem anderen. Er legt sie hintereinander auf die Waage und notiert dann das Ergebnis auf einem Formular. Der andere fragt, ob er den Klumpen für eine genauere Analyse anbohren darf, und legt ihn anschließend in sein "Röntgenfluoreszensgerät".

Dieses Gerät ähnelt dem des Großjuweliers in der Innenstadt. Das vorherige Wiegen ergab für den Bollen ein Gewicht von 30,93 Gramm. Die Hoffnung steigt. Der eine Herr rechnet und telefoniert, wiegt nochmal und rechnet wieder. Dazwischen beantwortet er Fragen. "Wir machen Granulat aus dem angekauften Altgold und verkaufen es an die Industrie weiter", erklärt er.

Und: Das Geschäft mit Privatkunden lohne nur bei hohen Goldpreisen, weil die Kosten für die Trennung von Schmuck und insbesondere von Zahngold wegen der hohen Schmelztemperatur des oft beigemischten Platins sehr hoch seien. "Mit etwa 200 Euro Trennkosten pro Kilogramm Gold müssen Sie schon rechnen." Dann zieht er einen Stich unter die Kalkulation und zeigt sie her: 593,50 Euro!

Es ist kaum zu glauben: Der Preis wird bei jedem Versuch höher. Die Gier steigt. "Es kann schon sein, dass Sie woanders noch mehr bekommen", räumt der Vertreter von Goldankauf Bayern noch ein. Statt die knapp 600 Euro zufrieden einzustecken, soll deshalb noch ein letzter Versuch bei einem reinen Online-Anbieter folgen. Altgold24.com bietet laut Homepage bessere Preise als alle ausprobierten Aufkäufer in München. Mal sehen, ob abzüglich Versand- und Versicherungskosten noch mehr zu holen ist.