Zukunft von Google Wenn das Vertrauen verspielt ist

Verspielt das Vertrauen in sein Angebot: der Internetkonzern Google.

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Vom Freund zum Feind: Google wurde mit seinem Versprechen der Nützlichkeit groß. Dieses Versprechen hat der Konzern gebrochen, für den Profit verrät das Unternehmen seine Ideale. Eine Chance für die Konkurrenz.

Von Tobias Kniebe

Sollte die Schlacht auf dem Feld der Meinungsmacher entschieden werden, dann sind die schwersten Geschütze inzwischen aufgefahren. Konkurrenten bekennen öffentlichkeitswirksam ihre Angst, Minister deuten die Möglichkeit der Zerschlagung an, EU-Beamte versprechen baldige "Disziplinierung". Und doch scheint der Kampf gegen Google nicht weiter voranzukommen. Vielleicht geht der Angriff, der die absolute Monopolstellung des Internet-Riesen schwächen soll, nicht ganz in die richtige Richtung.

Die historisch einmalige Vormachtstellung eines einzigen Anbieters - in Deutschland laufen 94 Prozent aller Suchanfragen bei Desktop-Rechnern über Google, bei Mobilgeräten gar 98 Prozent - kann niemand wünschen oder befürworten. So viel ist unbestritten. Wie genau man dagegen vorgehen will, das verschwimmt in den meisten Debattenbeiträgen aber sofort. Alle nur denkbaren Bedrohungsszenarien werden beschworen, die teilweise weit in der Zukunft liegen - bis hin zur künftigen Unterwanderung aller Haushaltsgeräte. Die Vorstellung, was eine politische Regulierung dagegen tun kann, muss notgedrungen diffus bleiben.

Hier soll es dagegen um eine klare Fokussierung gehen - auf das aktuelle Geschäftsgebaren des Konzerns, und zwar ganz aus der Sicht des Endkunden. Was unter anderem auch zu dem Verfahren geführt hat, über das derzeit das Wettbewerbskommissariat der Europäischen Gemeinschaft zu entscheiden hat. Der Vorwurf lautet, vereinfacht gesagt: Google manipuliert seine Suche zum Nachteil jedes Nutzers, der irgendein Produkt kaufen möchte und dabei gern den besten Anbieter finden würde.

Neben Google-Konkurrenten und EU-Beamten betrifft das nun wirklich alle, deshalb muss man es vielleicht noch einmal aufrüttelnder formulieren: Wenn du im Internet günstig etwas kaufen willst, ist Google seit bald zwei Jahren nicht mehr dein Freund, sondern dein Feind. Dies in einer Deutlichkeit zu kommunizieren, die wirklich bei jedem Internetnutzer ankommt, wäre aktuell der erste Schritt. Aber gerade das passiert nicht, oder nicht genug.

Das beste und günstigste Angebot? Nicht so wichtig

Der Grund ist nicht, dass Googles Praktiken nicht ausreichend dokumentiert oder kritisiert worden wären - seit den Änderungen des Geschäftsmodells in den Jahren 2012 und 2013 gibt sich da niemand mehr Illusionen hin. Wer mit seinem Produkt und seinem Preis bei Google ganz oben oder gut platziert am rechten Rand stehen will, muss seit Langem eine Textanzeige bezahlen.

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Bezahlen muss seit Neuestem aber auch, wer - womöglich sogar prominent und mit Bild - in der Mitte bei den Ergebnissen von Google Shopping auftauchen will. Dieses Geschäft ist Google wichtig. Weniger wichtig scheint es dem Konzern zu sein, wirklich das beste und günstigste Angebot herauszustellen. Oft genug findet man es nicht einmal auf der ersten Seite der Suchergebnisse, sondern viel weiter hinten. Oder gar nicht.