Wikileaks Geheimdienst vor Enthüllung

Nach den Geheimdokumenten aus dem Afghanistan-Krieg holt das Enthüllungsportal Wikileaks zum Zweitschlag aus: Nun sollen brisante Unterlagen der CIA veröffentlicht werden.

Mit dem Ärger um die Veröffentlichung von Akten aus dem Kinderschänderprozess des Belgiers Marc Dutroux hat das Enthüllungs-Portal Wikileaks nur Anlauf genommen, um dann mit Verve richtig große Schlagzeilen zu produzieren: Noch im Laufe des Tages wolle man neue Geheimdokumente veröffentlichen, teilte das Portal mit. Dabei soll es sich um Unterlagen der CIA handeln.

Die Dokumente sollten noch im Laufe des Mittwoch ins Netz gestellt werden, kündigte Wikileaks über Twitter an. Die Veröffentlichung der Afghanistan-Papiere hatte im Juli das Pentagon auf den Plan gerufen. Zwar stehe in den Dokumenten nichts wirklich Neues, die Veröffentlichung gefährde jedoch US-Soldaten, so damals die Kritik an den Enthüllungen. Das US-Militär ermittelt in diesem Zusammenhang auch gegen den Gefreiten Bradley Manning, der die Papiere weitergeleitet haben soll. Ihm wurde bereits vorgeworfen, im Februar ein Video aus einem Kampfhubschrauber im Irak an Wikileaks weitergegeben zu haben. Wie US-Medien berichten, ließen Daten auf seinem Laptop ließen darauf schließen, dass er auch für die Weitergabe der Dokumente aus Afghanistan verantwortlich sei.

Am Wochenende war Wikileaks-Gründer Julian Assange in Schweden zeitweilig festgenommen worden. Ihm war vorübergehend die Vergewaltigung zweier Frauen vorgeworfen worden, der Haftbefehl wurde wenige Stunden später aber wieder aufgehoben. Am Mittwoch eröffnete die schwedische Staatsanwaltschaft ein förmliches Untersuchungsverfahren gegen Assange wegen sexueller Nötigung einer Frau. Der beschuldigte Australier vermute eine Kampagne des Pentagon hinter den Anklagen.

Furore in Belgien

Zuvor hatte die Wikileaks-Veröffentlichung eines Dossiers über den Fall Marc Dutroux für Furore gesorgt: Sensible Ermittlungsakten aus dem Fall des verurteilten Kinderschänders wurden auf das Enthüllungsportal hochgeladen. Der Generalstaatsanwalt von Lüttich, Cédric Visart de Bocarmé, sagte dem belgischen Rundfunksender RTBF, er sei "unglücklich, weil die Dokumente aus Verhandlungsakten stammen, die immer noch der Geheimhaltung unterliegen".

Das Dossier enthält auf 1235 Seiten neben Aussagen Dutroux' auch vertrauliche Aufzeichnungen von Anhörungen von Zeugen, die sich zum Teil nichts zu Schulden kommen ließen, sagte der Jurist. Für sie bestehe jetzt die Gefahr, in der Öffentlichkeit bloßgestellt zu werden. Das Dossier enthält zum Teil auch Adressen und Telefonnummern.

Der inzwischen 53 Jahre alte Dutroux hatte in den 90er Jahren mehrere Mädchen entführt, von denen vier während ihrer Gefangenschaft in seinem Haus qualvoll starben. Er wurde im Juni 2004, etwa acht Jahre nach seinen Verbrechen, wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.