Verdacht auf Urheberrechtsverletzung US-Behörde hält Google-Glass-Träger stundenlang in Kino fest

Eigentlich wollte er nur mit seiner Frau einen schönen Abend verbringen, doch dann kamen Bundesagenten: In den USA wurde ein Mann stundenlang von einer Teilbehörde der Homeland Security vernommen, weil er seine Datenbrille während einer Filmvorführung anbehalten hatte.

Nur wenige Tage nachdem eine Autofahrerin sich vor einem kalifornischen Gericht wegen des Tragens der Datenbrille Google Glass verantworten musste, sorgt das Gerät nun erneut für Aufsehen. Wie jetzt bekannt wurde, ist ein Google-Glass-Träger am vergangenen Samstag in Ohio mehrere Stunden von Beamten der Homeland Security Investigations (HSI) - einer Abteilung der U.S. Immigration and Customs Enforcement (ICE), diese wiederum eine Unterbehörde des amerikanischen Heimatschutzministeriums - festgehalten und befragt worden.

Der Mann war Mitarbeitern des Verbandes der amerikanischen Filmindustrie bei einer Routinekontrolle aufgefallen, weil er während einer Filmvorführung seine Datenbrille nicht abgenommen hatte. Die Mitarbeiter der Motion Picture Association of America (MPAA) verdächtigten ihn deshalb, einen illegalen Mitschnitt des Filmes anzufertigen und übergaben ihn noch während der laufenden Vorführung an die Heimatschutz-Beamten.

Mitarbeiter der MPAA suchen in amerikanischen Kinos regelmäßig nach Besuchern, die Filme mitschneiden. So will die Filmindustrie, deren wichtigste Vertreter sich in der Organisation zusammengeschlossen haben, verhindern, dass neue Kinofilme sofort im Internet landen. Unterstützt wird die Filmindustrie dabei von der beim Heimatschutzministerium angesiedelten Einwanderungs- und Zollbehörde.

Heimatschutzministerium bestätigt Vorfall

Der Fall kam nun an die Öffentlichkeit, weil der Betroffene dem Technikblog The Gadgeteer einen Augenzeugenbericht zukommen ließ. Darin schreibt der Mann, er sei zunächst mit seiner Frau für 20 und 30 Minuten vor dem Eingang des Kinos festgehalten worden. Daraufhin hätten die Beamten ihn von seiner Frau getrennt und ihn etwa drei Stunden lang in einem separaten Büro befragt.

Die Behörden, die der Mann zunächst fälschlicherweise für FBI-Agenten hielt, hätten ihn mehrfach darauf hingewiesen, dass er nicht festgenommen sei und dass es sich um eine "freiwillige Befragung" handle. "Sie sagten aber, wenn ich mich dafür entschiede, nicht zu kooperieren, dann könnten böse Dinge geschehen", heißt es in dem Bericht.

Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums bestätigte der Washington Post, dass es in dem Kino in Columbus, der Hauptstadt des Bundesstaats Ohio, zu einem Vorfall mit einer längeren Befragung gekommen sei. Der Betroffene habe die Fragen "freiwillig" beantwortet und die Behörden davon überzeugt, dass die Datenbrille ausgeschaltet gewesen sei, hieß es. Gegen ihn liefen keine weiteren Ermittlungen.

Vier Kinokarten als Entschädigung

Der Befragte schrieb in seinem Bericht, die Computer-Brille sei während des gesamten Films ausgeschaltet gewesen. Während der Befragung habe er dies den Beamten mehrfach beweisen wollen. Sie hätten ihn aber aus Furcht, er könne Dateien löschen, zunächst nicht an seine Brille gelassen. Dies sei erst später nach einer langwierigen Befragung geschehen. Als Entschädigung für die Unannehmlichkeiten hätten ihm die MPAA-Mitarbeiter vier Freikarten für den Film angeboten.

Google Glass ist ein Mini-Computer, der an einem Brillengestell befestigt wird und es dem Träger ermöglicht, sich in seinem Blickfeld digitale Inhalte anzeigen zu lassen. Außerdem kann die eingebaute Kamera Fotos und Videos aufnehmen. Das Gerät ist noch in der Testphase und nur ausgewählte Testpersonen erhalten gegen Zahlung von 1500 Dollar ein eigenes Gerät. Datenschützer haben mehrfach Bedenken gegen die Erfindung geäußert.