Unternehmen will neues Mobilfunknetz aufbauen Mitmachen statt nur surfen

Konzert in Hamburg: Smartphones bestimmen das Leben der Menschen.

(Foto: dpa)

Drei Unternehmen teilen das Mobilfunkgeschäft in Deutschland unter sich auf. Nun tritt ein Neuling gegen Telekom, Vodafone und Telefónica an: Liquid Broadband will das neue Netz mithilfe der Bürger aufbauen.

Von Varinia Bernau

In diesem Land gibt es mehr Handys als Einwohner: Im Schnitt nutzt jeder Deutsche, vom Säugling bis zum Greis, 1,4 Sim-Karten. Neue Kunden kann nur gewinnen, wer den Rivalen Kunden abluchst. Deshalb galt es als ausgemachte Sache, dass die Auktion von freiwerdenden und neu zu vergebenden Frequenzen im Frühjahr drei Manager unter sich ausmachen - nämlich die Chefs der drei etablierten Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland, bislang vor allem unter der Marke O2 bekannt, seit kurzem auch Eigner von E-Plus.

Doch nun tritt ausgerechnet ein unbekanntes Unternehmen an, um in diesem schwierigen Geschäft mitzumischen: Liquid Broadband baut dabei auf den Idealismus einer Sharing Economy. Und darauf, dass es der Staat ernst meint mit seinem Bekenntnis zum Wettbewerb, der im Gesetz niedergeschrieben ist. An diesem Mittwoch endet die Frist, in der die Anbieter den ersten Entwurf der Bundesnetzagentur zur Versteigerung der Funkfrequenzen kommentieren dürfen. Danach wird sich zeigen, ob auch Liquid Broadband bei dieser Auktion eine Chance hat. Hinter der Frankfurter Firma stehen nach eigener Aussage einige in der Branche erfahrene deutsche Mittelständler.

Die Technik steckt in Boxen, die so groß sind wie herkömmliche Router

Die Idee des neuen Anbieters: Jeder Bürger soll mitmachen und so ein offenes Netz bauen, in dem nicht die Großen vorgeben, auf welche Angebote der Kunde zugreifen kann - und auf welche nicht.

Die Technik, so Firmenchefin Beate Rickert, haben die an dem Unternehmen beteiligten Investoren selbst entwickelt. Sie steckt in Boxen, die etwa so groß wie ein herkömmlicher Router sind und zum Beispiel auf der Fensterbank aufgestellt werden können. Die Box soll in diesem Bürgernetz auch so etwas sein wie der Funkmast in den herkömmlichen Mobilfunknetzen. Die Sendeleistung reiche aus, um den Handyempfang im Umkreis von bis zu 500 Metern zu sichern. Das schaffe kleine Funkzellen, die schnellere Übertragungsraten ermöglichen als die weitaus größeren Funkzellen in herkömmlichen Netzen. Dort sind nämlich zu Spitzenzeiten so viele Menschen mit ihrem Smartphone unterwegs, dass die Übertragung stockt - und beispielsweise das Youtube-Video ruckelt.

Das Interesse der Kommunen sei groß

"Wir etablieren ein eigenes vollwertiges Mobilfunknetz und greifen nicht auf vorhandene DSL-Anschlüsse anderer Anbieter zurück. Wir sind nämlich keine Schmarotzer", betont Rickert. Neben den kleinen Boxen, die jeder Bürger installieren kann, will das Unternehmen auch selbst Funkstationen errichten - und dabei vor allem mit Kommunen im ländlichen Raum kooperieren. Das dortige Interesse, eine solche Box etwa auf dem Dach der Gemeindeverwaltung aufzustellen und so am Netz mitzubauen, sei groß. "Diese wollen nämlich möglichst zügig und kostengünstig Zugang zu schnellem Internet. Statt sich bei der Telekom in die Warteschlange zu stellen, bieten wir ihnen die Möglichkeit, sich an der Versorgung zu beteiligen."

Ob die Sache aufgeht, ist zunächst davon abhängig, ob Liquid Broadband bei der Versteigerung der Frequenzen zum Zuge kommt. Das Mindestgebot für einen Block der wertvollen Frequenzen im Bereich von 700 Megahertz liegt bei 75 Millionen Euro. Es sieht derzeit nicht so aus, als ob sich Länder und Bund noch dazu durchringen, einen Teil des Funkspektrums für einen Neueinsteiger zu reservieren - so wie dies bei ähnlichen Auktionen etwa in den Niederlanden gemacht wurde.