Fragwürdiger Deal Google soll 25 Millionen Dollar an Adblock Plus gezahlt haben

Google out to win trust with simpler privacy controls (FILES): This January 11, 2011 file photo shows a screen image of the Google logo in Washington, DC. Google on June 1, 2015 made it simpler for people using its popular online services to manage privacy, in a move aimed at bolstering trust. 'Everyday, we make choices that affect our privacy and security online,' Google account controls and settings product manager Guemmy Kim said in a blog post. AFP PHOTO / FILES / KAREN BLEIER

(Foto: AFP)

Erlaubt ist, was "nicht nervt". Aber entscheiden darüber hohe Geldbeträge? Das Browser-Plugin Adblock Plus lässt seit einiger Zeit Anzeigen von Google durch den Filter. Laut einem Bericht soll die Betreiberfirma dafür eine beträchtliche Summe kassiert haben.

Von Hakan Tanriverdi

Sascha Pallenberg hat ein klares Ziel. Mehr Menschen müssen seiner Meinung nach erkennen, dass Adblock Plus nicht das ist, was der Name andeutet. Kein Werbeblocker also, sondern im Gegenteil "ein schlecht getarntes Werbenetzwerk mit Millionenumsätzen."

Der Blogger aus Taipeh hat am Montag den mittlerweile vierten Artikel veröffentlicht, in dem er sich gegen Eyeo richtet, die Firma, die hinter Adblock Plus steht. Diese soll, so Pallenberg, von einigen Werbepartnern Millionenbeträge erhalten. Google soll zum Beispiel zahlen, Pallenberg spricht von 25 Millionen US-Dollar.

Dass einige Firmen Geld dafür zahlen, und auch dass Google zu den zahlenden Firmen gehört, wurde bereits im vergangenen Jahr bekannt. (Einen Report über Adblock Plus und die Firma Eyeo finden Sie hier auf Süddeutsche.de) Zu den Zahlen nimmt Google keine Stellung. Auf Nachfrage wiederholt das Unternehmen das, was ohnehin bekannt war: "Adblock Plus hat im Juni 2013 angekündigt, dass Suchmaschinen-Anzeigen und gesponserte Ergebnisse bei Google für die "Acceptable Ads"-Liste geeignet sind."

Ein Kommentar kommt aber sehr wohl aus dem Umfeld der Firma: "Die Zahlen sind falsch", heißt es, "völlig falsch."

Es gab einen Testlauf für eine Zusammenarbeit mit ebay

Auch Ebay, das zu den Unternehmen gehört, das laut Pallenberg Geld zahlen soll, äußert sich. Eine Pressesprecherin schreibt: "Es besteht kein Vertrag zwischen Ebay und Adblock Plus sowie der Eyeo GmbH. Ich kann bestätigen, dass nie Geld für die Aufnahme von Ebay in die "Acceptable Ads"-Liste von Adblock Plus geflossen ist." Die Zahlen seien, in Bezug auf Ebay, "schlichtweg falsch und aus der Luft gegriffen".

Gleichwohl gab es aber einen Testlauf, heißt es. Nach diesem habe sich der Konzern dazu entschieden, nicht mit Eyeo zusammen zu arbeiten.

Um das Geschäftsmodell von Adblock Plus zu verstehen, muss man wissen: Dieser Adblocker ist heute der weltweit meistgenutzte. 3,8 Millionen Menschen haben ihn allein in Deutschland im Firefox-Browser installiert. Der Deal funktioniert so: Unternehmen zahlen der Firma Geld - dafür dürfen sie dann doch ein bisschen Werbung an die Millionen Adblock-Plus-Nutzer ausspielen. Das Geld, das fließt, seien "technische Aufwandsentschädigungen".

Akzeptabel ist, was "nicht nervt"

Die "akzeptable Anzeige" sieht im Gegenzug so aus: Wenn ein Adblock-Plus-Nutzer auf Web.de etwa "Goldpreis" in die Google-Suche eingibt, sieht er viele Anzeigen von Goldhändlern - so viele, dass auf einem 13-Zoll-Bildschirm nur ein echter Treffer ganz unten am Bildschirmrand zu sehen ist. Zur Erinnerung: Eigentlich sehen die Millionen Adblock-Plus-Nutzer keine Werbung. Nur ganz wenige und ganz bestimmte Anzeigen werden durchgelassen, heißt es, und zwar Anzeigen, "die nicht nerven".

Was okay sei und was nicht, entscheidet nach offizieller Beteuerung von Eyeo in jedem Einzelfall demokratisch die Nutzerbasis von Adblock Plus. Die Community dürfe darüber diskutieren, die Gemeinschaft der Nutzer entscheide. Die Foren sind aber verwaist, so gut wie keiner diskutiert mit. Das Forum ist die zentrale Legitimationsbasis für die Firmen, deren Anzeigen akzeptiert werden.

Dass niemand mitdiskutiert, daran hat sich in dem vergangenen sechs Monaten nichts geändert. Damals wie heute sagt Till Faida, einer der Gründer: "Wir müssen es schaffen, da noch mehr Engagement von der Öffentlichkeit hereinzubringen."