Sundar Pichai Googles heimlicher Chef

Hält bei Google ab sofort fast alles zusammen: Sundar Pichai.

(Foto: dpa)

Android, Googlemail, Drive: Sundar Pichai kümmert sich bereits um die zentralen Produkte von Google. Jetzt bekommt er noch mehr Macht.

Von Hakan Tanriverdi

Der frühere Arbeitsplatz von Sundar Pichai ist noch gut zu sehen, wenn man im Internet surft. Direkt neben der Adresszeile ist oben rechts im Browser ein Extra-Fenster für Suchmaschinen. Die Nutzer sollten direkt von dort aus suchen können. Für dieses unscheinbare Mini-Feld war Pichai zuständig. Das war 2004.

Zehn Jahre später hat sich einiges geändert und am besten zu sehen ist das am Bartwuchs von Pichai. Sich nicht zu rasieren, sagte er einmal, spare nicht nur Zeit, sondern sei auch ein Ausdruck dafür, mehr Verantwortung zu tragen. So wie eben er selbst, der sich mittlerweile um viele Produkte kümmert, die zentral sind für den Konzern: Der 42-jährige Pichai verantwortet das mobile Betriebssystem Android, das weltweit auf mehr als einer Milliarde Smartphones und Tablets installiert ist. Er kümmert sich außerdem um den Chrome-Browser, das E-Mail-Angebot Googlemail und den Dienst Drive, mit dem Google-Nutzer ihre Daten in der Cloud speichern können.

Das alleine ist schon beachtlich, doch nun bekommt Pichai noch mehr Macht, wie die US-Technikseite Recode berichtet. Unter seiner Aufsicht sollen in Zukunft auch der Kartendienst Maps stehen, ebenfalls das soziale Netzwerk Google Plus, die Forschungseinheit innerhalb von Google, Werbeprodukte und die Suchmaschine selbst. Im vergangenen Jahr machte Google 60 Milliarden Dollar Umsatz, der Großteil davon stammt aus Online-Werbung. Wie sich die neue Verantwortung auf den Bart von Pichai auswirken wird, ist unklar. Klar ist hingegen: Pichai avanciert zum heimlichen Google-Chef.

Loyalität wird belohnt

Pichai gilt als diplomatische Person. Innerhalb der Firma gebe es niemanden, der auch nur ein schlechtes Wort über ihn verlieren würde, heißt es. Pichai fühlt sich wohl bei Google. Zu einer Zeit, in der es im Silicon Valley zum guten Ton gehört, der Konkurrenz die Mitarbeiter wegzuschnappen, hat Pichai lukrative Angebote, zum Beispiel von Twitter, ausgeschlagen. Diese Loyalität wird belohnt.

Larry Page, der tatsächliche Chef von Google, befürchtet seit Jahren, sein Unternehmen könnte die Spritzigkeit verlieren und langweilig werden. Geschäftsmodelle im Netz verändern sich schnell. Wer langweilig wird, verpasst den Trend - und verliert an Bedeutung. Page selbst will sich in Zukunft verstärkt um folgende Geschäftsbereiche kümmern: Nest, die smarten Thermostate, Calico, mit dem Google den Alterungsprozess aufhalten will und Google X, die Abteilung für Langzeitprojekte mit einer gehörigen Portion Science Fiction. Page will die Zukunft, also kriegt Pichai die Gegenwart.