Smartphones ersetzen Kameras Nutzer erwarten einfache Bedienung

Und wenn vielleicht auch die Smartphone-Verbreitung und die Entwicklung ihrer Foto-Fähigkeiten nicht erklären können, warum Kameras dramatisch an Bedeutung verlieren - eines haben die schlauen Telefone und die Tablets mit ihren kinderleicht zu steuernden Oberflächen bewirkt: Die Nutzer erwarten nun auch von anderen digitalen Gerätschaften, dass man nicht dicke Handbücher lesen muss, um zu verstehen, wie man eine Nachtaufnahme macht oder wie man dafür sorgt, dass Innenaufnahmen bei künstlichem Licht keinen hässlichen Gelbstich bekommen.

Klar, völlig verschlafen hat die Industrie das Thema Bedienbarkeit nicht. Mehr und mehr Kameras haben einen Berührungsbildschirm, ein Tippen darauf stellt zum Beispiel das Objekt scharf, auf das man mit dem Finger gezeigt hat - genauso wie das bei Handys geht. Und natürlich verfügen moderne Kameras über eine ganze Menge an sogenannten Motivprogrammen. Je mehr sich ein Gerät an Amateure wendet, desto mehr solcher Programme findet man. Von Feuerwerk bis Kindergeburtstag ist fast alles zu haben.

Das Problem ist nur: Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen, und nur wenige ermöglichen es, solche Programme oder auch Effekteinstellungen nachträglich auf die Kamera zu laden. Am ehesten treffen noch Geräte wie etwa die Galaxy-Kameras von Samsung solche Bedürfnisse. Sie sind quasi ein Smartphone mit angeflanschtem hochwertigen Objektiv. Das Betriebssystem ist Android - genau wie auf vielen Smartphones von Samsung. Nachträglich Apps zu laden, etwa Instagram, die Bilder gleich auf soziale Netzwerke zu laden, all das lässt sich damit einfach realisieren. Nur sind die Kameras teuer und qualitativ nicht besser als durchschnittliche Amateur-Fotokameras für 150 Euro.

Nach dem Urlaub beginnt ein anstrengender Geburtstag

Aber was müsste die Branche tun, um wieder mehr Kunden zu gewinnen? Heino Hilbig glaubt, dass nur mehr Offenheit letztlich zum Erfolg führe. Die Hersteller müssten also ihre Patentstreitigkeiten begraben, müssten Technologiebrücken überwinden, neue Formen entwickeln und die Hoheit über die Bilder an den Kunden zurückgeben. "Früher konnten sie in fast jedem Geschäft einen Film kaufen, der in ihre Kamera gepasst hat. Und sie konnten die Filme weltweit entwickeln lassen."

Heute aber beginne nach einem Urlaub ein anstrengender Hürdenlauf. Die Bilder müssen zunächst auf den Computer geladen und dann die guten herausgesucht werden, man muss sie dann zu einem Labor schicken oder selbst ein Fotobuch gestalten. "Das hat funktioniert, solange die technische Faszination anhielt", sagt Hilbig, aber mit den Smartphones und der Möglichkeit, sie beliebig mit Apps zu erweitern, sei die Erwartung an die Bedienungsfreundlichkeit bei den Nutzern gestiegen.

Wenn die Industrie daran nichts ändere, könnte es gut sein, fürchtet Foto-Enthusiast Hilbig, "dass unsere Generation zwar die meisten Fotos macht, aber die wenigsten hinterlässt."