Neuer Dienst "Contributor" Google startet Bezahldienst für Journalismus

  • Mit dem Dienst "Contributor" probiert Google ein Bezahlmodell für Online-Medien aus.
  • Nutzer, die für den Besuch einer Nachrichtenseite eine Monatsgebühr bezahlen, bekommen dort keine von Google vermarktete Werbung mehr angezeigt.
  • Zunächst zehn US-Webseiten am Test beteiligt.

Bezahlangebot auf freiwilliger Basis

Wie kann Journalismus im Internet finanziert werden? Noch immer haben viele Online-Medien auf diese Frage keine befriedigende Antwort gefunden. Der Internetkonzern Google will nun einen Beitrag zur Problemlösung leisten: Das Unternehmen hat den Dienst "Contributor" gestartet. Es ist ein Bezahlangebot auf freiwilliger Basis. Der Deal: Leser, die zwischen einem und drei Dollar pro Monat an eine teilnehmende Nachrichtenseite bezahlen, bekommen im Gegenzug keine Google-Anzeigen zu sehen.

Zunächst nur für ausgewählte Webseiten

Zum Start steht der Dienst nur zehn ausgewählten Webseiten aus den Vereinigten Staaten zur Verfügung. Darunter sind bekannte Angebote wie die Techniknachrichten-Seite Mashable, die Bilder-Plattform Imgur, die Ratgeberseite Wikihow und die Wissenschaftsnachrichten Science Daily. Auch können Nutzer vorerst nur auf Einladung an dem Dienst teilnehmen. Wenn Google neue Dienste startet, setzt das Unternehmen meist auf ein solches Verfahren, um das Nutzerwachstum unter Kontrolle zu behalten und technische Probleme rechtzeitig erkennen zu können.

Dankesbotschaft statt Werbung

Hat ein Nutzer bezahlt und besucht die Webseite, dann wird ihm statt der Werbung eine Dankesbotschaft angezeigt. Auf Smartphones würden in manchen Fällen sogar die Platzhalter verschwinden, berichtet die Technikseite Gigaom. Der gesamte Bezahlvorgang wird über Google abgewickelt. Google behält eine Provision ein. Nutzer müssen nur dann zahlen, wenn sie die Webseite, die sie unterstützen wollen, auch tatsächlich besuchen, schreibt Gigaom.

Verhältnis zwischen Verlagen und Google ist angespannt

In vielen Medienhäusern gibt es große Vorbehalte gegenüber Google. Verlagsmanager machen den Internetkonzern für sinkende Einnahmen im Anzeigengeschäft verantwortlich. In Deutschland und anderen europäischen Ländern wird zudem beklagt, die Internetfirma profitiere in hohem Maße von den journalistischen Produkten der Verlage, sei aber nicht bereit, sie auch finanziell dafür zu entschädigen. Den Höhepunkt erreichte die Debatte hierzulande während des Streits um das Leistungsschutzrecht, das Google und andere Suchmaschinenbetreiber eine gesetzliche Nutzungsgebühr für Textausschnitte auferlegen sollte.

Journalistische Webseiten setzen auf Mischfinanzierung

Google argumentiert, es helfe den Verlagen, indem es kostenlos Leser auf ihre Webseiten leite. Ob "Contributor" tatsächlich dazu geeignet ist, Journalismus im Netz nachhaltig zu finanzieren, ist fraglich. Die meisten journalistischen Webseiten setzen auf eine Mischfinanzierung, die nur teilweise von Google-Anzeigen abhängig ist.