Nationales Cyber-Abwehrzentrum Behörden-Sheriffs gegen Hacker-Attacken

Bundesinnenminister Friedrich eröffnet heute das nationale Cyber-Abwehrzentrum. Es soll verhindern, dass Deutschland gefährlichen Hacker-Attacken machtlos ausgeliefert ist. Doch kann eine personnell dünn besetzte Behörde das leisten?

Von Johannes Kuhn und Mirjam Hauck

Hans-Peter Friedrich spielt den Cyber-Sheriff: Ob der CSU-Politiker die Vorteile der Vorratsdatenspeicherung anpreist oder wie in den vergangenen Tagen vor der wachsenden Gefahr von Cyberangriffen warnt - die Kontrolle des Internets spielt in den Überlegungen des Innenministers eine zentrale Rolle.

Das Cyber-Abwehrzentrum soll sich sich um die Hackerangriffe auf IT-Netze kümmern.

(Foto: dpa)

Da kommt es dem Franken gut zupass, dass er nun ein Projekt seines Vorgängers Thomas de Maizière offiziell eröffnen kann: Das Cyber-Abwehrzentrum (NCAZ), das sich um das wachsende Problem von internationalen Cyberattacken kümmern soll.

Die Hacker-Attacken der jüngeren Vergangenheit scheinen den Minister zu bestätigen: Der Datendiebstahl bei Sony, der mutmaßliche aus China stammende Versuch, über das Netz Informationen von US-Regierungsmitarbeitern zu stehlen oder das rätselhafte Schadprogramm Stuxnet, das wahrscheinlich zur Sabotage des iranischen Atomprogramms gedacht war: Die Schlagzeilen der vergangenen Monate haben das Thema Cybersicherheit in das Bewusstsein der Bevölkerung geholt.

Neue Gefährdungslagen

Dazu passt auch der nun veröffentlichte Bericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Internet-Sicherheit: Demnach beobachtet das BSI eine hohe Anzahl von Angriffen "Seit dem letzten Lagebericht 2009 hat sich die Situation nochmals verschärft", sagte Michael Hange, Präsident des BSI. Alle ein bis zwei Sekunden entstehe ein neues Schadprogramm, zudem gingen Hacker immer professioneller vor, ihre Gefährlichkeit zeige sich bei den gezielten Angriffen auf Industrieanlagen. Dass diese Aussagen die Argumentation des Ministers stützen, dürfte kein Zufall sein - das BSI gehört zum Geschäftsbereich des Innenministeriums.

Das NCAZ sieht sich vor allem als Informationsdrehscheibe, es soll die Zusammenarbeit staatlicher Stellen verbessern. Zu Beginn hat die Organisation zehn Mitglieder: Sechs kommen vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), jeweils zwei vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV).

Jede der beteiligten Behörden entscheidet im Rahmen ihrer Befugnisse, wann es geboten ist, das Abwehrzentrum einzuschalten. Täglich gibt es nach Angaben des IT-Direktors im Bundesinnenministerium, Martin Schallbruch, etwa drei bis fünf Fälle von Angriffen aller Art auf Computersysteme.

Allerdings soll das Cyber-Abwehrzentrum nur bei besonders gravierenden Ereignissen hinzugezogen werden - falls zum Beispiel ein Schadprogramm wie Stuxnet in mehreren Industrieanlagen oder sogar in einem Kraftwerk gefunden wird. Das BSI stellt in Bonn auch die Räumlichkeiten des Cyber-Abwehrzentrums.

Neben dem Bonner Gremium beim BSI wurde für die Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft in diesen Fragen zudem ein "Nationaler Cyber-Sicherheitsrat" gegründet, der unter der Leitung der IT-Beauftragten der Bundesregierung, Cornelia Rogall-Grothe steht.