Lithium-Ionen-Akkus Warum Smartphones plötzlich Feuer fangen

Smartphone Akkus werden immer flacher und leistungsfähiger - das kann gefährlich sein

(Foto: REUTERS)

Samsungs Problem mit dem Akku des Galaxy Note 7 ist Symptom des technischen Wettrüstens. Und wenn das Handy einmal brennt, hilft ein Kochtopf.

Von Helmut Martin-Jung

7,9 Millimeter, 169 Gramm - so dünn und leicht ist Samsungs bisher leistungsstärkstes Smartphone, das Galaxy Note 7. Ein Gerät, das locker mit wesentlich größeren und kiloschweren Laptops mithalten kann, die noch vor einigen Jahren den Stand der Technik repräsentierten. Für diese Entwicklung waren auch Fortschritte beim Akku nötig. Doch damit hat der Hersteller aus Südkorea nun ein großes Problem. Hunderte der Energiespeicher in den Mobiltelefonen sind in Brand geraten, als die Geräte aufgeladen wurden, in manchen Fällen sogar auch einfach so.

Das Dilemma begann schon im September, seitdem hat Samsung 2,5 Millionen ausgelieferte Geräte zurückgerufen. Doch nun steht fest: Auch bei solchen Handys sind schon wieder Akkus verschmort, die Kunden als Austauschgeräte erhalten hatten. In einem Fall geriet ein Note 7 in einem Flugzeug in Brand - zum Glück noch vor dem Start. In einem anderen Fall schmorte ein Handy auf dem Nachttisch durch. Als sein Besitzer erwachte, war das Schlafzimmer bereits in Rauch gehüllt. Nachdem an diesem Wochenende in den USA vier weitere Brandfälle bekannt wurden, half nur noch die Notbremse: Am Dienstag wurde das Modell komplett aus dem Verkehr gezogen. Wie konnte es nur so weit kommen?

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Die Akkuherstellung erfordert extreme Präzision

Als Akkus in mobilen Geräten werden heute nahezu ausschließlich solche mit Lithium-Ionen-Technik verwendet. Keine andere serienreife Technik kann ähnlich viel Energie speichern, hält viele Ladezyklen durch und lässt sich vergleichsweise platzsparend und leicht herstellen.

Lithium ist der leichteste der auf der Erde vorhandenen festen Stoffe - aber sehr reaktionsfreudig. Es kommt daher nur in Salzen gebunden vor; das meiste Lithium wird aus Salzseen in Südamerika gewonnen. Für Akkus wird Lithium nicht in ursprünglicher Form verwendet, sondern oxidiert, andernfalls wären die Batterien nicht wiederaufladbar. Bei der Produktion der Akkus ist deshalb Präzision gefragt. Je dünner die Schichten sind, aus denen er besteht, und je dichter das Lithiumoxid aufgebracht wird, desto mehr Energie kann die Zelle speichern und auch wieder abgeben. Da bei heutigen Handys um jeden Zehntelmillimeter Platz gerungen wird, lastet ein hoher Druck auf den Entwicklern der Akkus, die Zellen immer dünner zu designen - und dabei mindestens genauso leistungsfähig zu halten.

Elektronik in den Handys sorgt zwar dafür, dass die Energiespeicher weder zu stark entladen noch überladen werden. Die extrem flache Bauweise kann aber die Energiespeicher auch anderweitig anfälliger machen. Schon geringe Verunreinigungen bei der Produktion, etwa durch metallhaltigen Staub, können einen Kurzschluss und damit einen Brand auslösen.

Wenn der Akku einmal brennt, dann brennt er

Brennende Akkus sind kein neues Problem. Vor etwa zehn Jahren musste der japanische Hersteller Sony etwa acht Millionen Akkus für Laptops zurückrufen. Der finanzielle, vor allem aber der Image-Schaden war beträchtlich. Für Samsung ist die Angelegenheit jedoch noch schlimmer, denn Sony war vor allem Zulieferer für verschiedene Hersteller, Samsung dagegen ist in akuter Gefahr, die eigene Marke langfristig stark zu beschädigen.

Und was tut man, wenn der Handy-Akku zu brennen beginnt? Bloß nicht versuchen, etwas zu retten, rät die Münchner Feuerwehr. Stattdessen: Das Handy in einen Kochtopf stecken, nach draußen bringen und dort abbrennen lassen. Stoppen lässt sich der Brand nicht.