Kurznachrichtendienst Whatsapp verschiebt das Geldverdienen

Logo des Nachrichtendienstes Whatsapp

Hunderte Millionen Nutzer verschicken jeden Tag Milliarden Nachrichten: Whatsapp ist der erfolgreichste Nachrichtendienst für Smartphones weltweit. Doch profitabel ist das für das Unternehmen nicht. Mitgründer Jan Koum sagt nun, das habe auch noch bis 2018 Zeit.

"Geld verdienen hat noch Zeit." Diesen Satz lässt Jan Koum auf der Digital-Konferenz DLD in München fallen und lässt es wie eine nebensächliche Information wirken. "Wir sind immer noch ein Start-up", sagt der Whatsapp-Mitgründer, "mit der Monetarisierung beschäftigen wir uns im Jahr 2016 oder 2018".

Pro Tag werden weltweit etwa 18 Milliarden Nachrichten per Whatsapp verschickt - damit dürfte das Unternehmen die Größenordnung der klassischen SMS-Dienste erreicht haben. "Unser Ziel ist, auf jedem Smartphone auf der Welt zu sein", sagt Koum in München. Der Dienst hat nach eigenen Angaben bereits heute 430 Millionen aktive Nutzer, davon 30 Millionen in Deutschland. Zur Einordnung: Ende 2013 soll es 37 Millionen deutsche Smartphone-Nutzer gegeben haben.

"Wir sammeln keine Informationen"

Die Strategie seines Kurznachrichtendienstes passe auf einen Post-it-Zettel, sagt Koum: "Keine Werbung, keine Spiele, keine Gimmicks". Ein Prinzip, das bei den Nutzern ankommt. Wie Koum in München sagt, will Whatsapp auch künftig auf Werbung verzichten. "Wir hatten von Anfang an das Gefühl, dass wir nicht Werbung auf ein so persönliches Gerät wie ein Smartphone bringen wollen."

Wie das Unternehmen in Zukunft Geld verdienen will, bleibt aber unklar. Zunächst finanzierte sich WhatsApp über den Kaufpreis für die App, inzwischen über eine Abo-Gebühr von 89 Cent ab dem zweiten Jahr. Beobachter vermuten, dass die Einkünfte daraus aber kaum die Kosten für den laufenden Betrieb decken dürften.

Persönliche Daten sammle Whatsapp nicht, betont Jan Koum auf der DLD-Konferenz. "Wir sammeln keine Informationen über unsere Nutzer", sagt er mit Blick auf die Internet-Überwachung. Koum, der in der Sowjetunion aufwuchs, bevor seine Familie Anfang der 90er Jahre in die USA auswanderte, könne sich noch an die Zeit erinnern, da die Wände Ohren hatten: "Unsere Philosophie ist, so wenig über unsere Nutzer zu wissen, wie möglich", sagt er. Die Kommunikation zwischen den Smartphones der Nutzer und den WhatsApp-Servern laufe verschlüsselt. Allerdings war es in der Vergangenheit häufiger zu Fehlern gekommen.