iBooks 2 Apple will den Schulbuchmarkt erobern

Kein neues Gerät, sondern eine neue Zielgruppe: Apple präsentiert mit seiner Software "iBooks 2", wie es sich das papierlose Lehrbuch der Zukunft vorstellt. Der IT-Gigant setzt auf die Digitalisierung der Bildung - und will dabei das iPad zum zentralen Lernwerkzeug an Schulen und Unis machen.

Von Kilian Haller

Dass die Schulbücher der Zukunft für Apple digital sein müssen, war bereits vor der Veranstaltung im New Yorker Guggenheim Museum klar. Nun aber hat der IT-Konzern erstmals präsentiert, wie genau er den amerikanischen Bildungsmarkt erobern will.

"iBooks 2" nennt sich die iPad-App, mit der das Unternehmen digitale Lehrbücher zum Schul-Standard machen möchte. Über das Programm sollen Schüler E-Books kaufen können, die Bilder, 3D-Animationen und Videos zeigen, interaktive Tests ermöglichen, immer aktuell sein sollen und maximal 15 Dollar kosten.

Die Botschaft des Konzerns: Das iPad ist das ideale Lernwerkzeug, dem es nur noch an passenden Inhalten mangelt, um zum Standard in Schulen und an Universitäten zu werden. Um das zu ändern hat Apple die drei großen amerikanischen Schulbuch-Verlage Pearson, McGraw Hill und Houghton Mifflin Harcourt als Partner für die Tablet-Lehrbücher gewonnen.

Umsätze mit digitalen Lehrbüchern steigen

Mit der Allianz begeben sich die drei Verlage in den Digitalmarkt für elektronische Lehrbücher, doch nicht zuletzt Apple könnte davon profitieren: Neben der Beteiligung an den digitalen Buchumsätzen, die bei 30 Prozent liegen dürfte, setzt der Konzern aus Cupertino vor allem darauf, dass Schulen und Universitäten künftig iPads kaufen. Ein Nebeneffekt: Die heranwachsenden Generationen würde noch stärker an Apple-Geräte gebunden. Unterstützt wird die Lehrbuch-Offensive von einem Ausbau des Vorlesungsdienstes "iTunes U".

Im Steuerjahr 2009/2010 sorgten der National Association of College Stores (Nacs) zufolge Lehrbücher für einen Umsatz von 10,25 Milliarden Dollar. Im Universitätsbereich liegt der Anteil der E-Books dabei Schätzungen zufolge bislang bei überschaubaren drei Prozent, könnte aber einer Prognose der Online-Lernplattform Xplana zufolge bis 2017 auf 44 Prozent steigen.

Um die Zusammenstellung von E-Books zu erleichtern, liefert Apple auch das passende Werkzeug: Bereits im Vorfeld war spekuliert worden, dass eine Art "Garage-Band für E-Books" vorgestellt werden solle. In der Tat richtet sich "iBooks Author" wie das Musikproduktionsprogramm an den Endverbraucher und soll sehr einfach zu bedienen sein.

Angriff auf Amazon

Text- und Präsentationsdateien lassen sich etwa per Drag and Drop einfügen und die fertigen E-Books mit wenigen Klicks für iBooks veröffentlichen. Wie "iBooks 2" ist auch "iBooks Author" kostenlos - und dürfte damit dem Konkurrenten Amazon missfallen, der im Bereich des Selbstverlags bereits seit einiger Zeit Autoren die Möglichkeit gibt, ohne Verlag ihr E-Book in den Kindle Store zu bringen. Nebenbei sollen so iPad-Nutzer die Möglichkeit erhalten, beispielsweise ihre Urlaubserinnerungen schnell in E-Book-Form zusammenzufassen.

Bisher klagten Hersteller von E-Books vor allem über umständliche Produktionsbedingungen: "Unser Workflow ist unser größtes Hindernis: Man braucht sechs Programme - und während das Resultat okay aussieht, ist der Herstellungsprozess umständlich, zeitverschwenderisch und voll unnötigem Mehraufwand", schrieb etwa das Magazin PCWorld.com vor der Apple-Ankündigung.

Das Erstellen von E-Books zu vereinfachen dürfte für Apple eine einfachere Aufgabe sein, als den Markt für digitale Lehrbücher im Handstreich zu übernehmen - selbst im amerikanischen Kernmarkt: Fraglich ist angesichts der finanziellen Situation der dortigen Bildungseinrichtungen beispielsweise, wie Schüler mit den teuren iPads ausgestattet werden sollen. In den USA kostet die neueste Variante des Geräts 500 Dollar. Das Tech-Magazin Zdnet spekuliert bereits, dass von der neuen Software lediglich reiche Schulen profitieren und ärmere sogar benachteiligt würden.

Zumindest könnte Apples E-Book-Offensive allerdings dazu führen, dass in den USA die Preise für Lehrbücher mittelfristig sinken: Derzeit kostet ein neues Lehrbuch nach Nacs-Angaben im Schnitt 62 Dollar, ein gebrauchtes 52 Dollar.