Präsentation von Nexus-Geräten Google ruft das mobile Internetzeitalter aus

Auf seiner Entwicklerkonferenz überrascht Google gleich mit zwei neuen Geräten: Mit dem Tablet-Computer Nexus 7 soll Amazon das Geschäft madig gemacht werden. Der Nexus Q dagegen ist ein Angriff auf Apple. Das zeigt, dass Google bereit ist für die mobile Zukunft des Internets.

Von Pascal Paukner

Es war ein bisschen wie früher bei Apple unter Steve Jobs: Als alle dachten, die Präsentation wäre vorbei, kam erst die eigentliche Überraschung. Nur stand diesmal nicht Steve Jobs auf der Bühne, sondern Hugo Barra. Barra ist Produktmanager bei Google und was er präsentierte, heißt Nexus Q und markiert laut seinen Worten den Beginn "einer neuen Ära der Unterhaltungselektronik".

Nun muss man nicht jahrelang als Marketingfachmann gearbeitet haben, um zu wissen, dass insbesondere amerikanische Technologieunternehmen dazu neigen, neue Produkte gerne zu Revolution statt Evolution zu verklären. Aber überraschend war es schon, dass Google gleich zwei neue Geräte präsentierte.

Da ist Googles neuer Tablet-Computer, das Nexus 7. Ein Gerät, das zu allererst von Amazon als Kampfansage verstanden werden darf. Für 199 Dollar verkauft Google das Tablet in den Vereinigten Staaten und platzt damit in eben jenes Preissegement, das Amazon mit dem Kindle Fire bedient. Apples iPad kostet mehr als doppelt so viel, weswegen das Nexus 7 auch alles sein wird, nur eben kein iPad-Killer.

Um erfolgreich zu sein, muss es das aber auch gar nicht. Im Gegensatz zu Microsoft und Apple hängt sowohl Amazons als auch Googles Geschäftsmodell nicht davon ab, mit dem Verkauf eigener Hardware möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Amazon versucht mit dem Kindle Fire, Einnahmen aus dem Verkauf digitaler Güter aufzufangen, die dem einstigen Online-Versandhaus durch die zunehmende Digitalisierung von Büchern, Musik und Filmen wegbrechen. Am Verkauf des Kindle Fire verdient das Unternehmen kaum etwas, mache Branchenkenner gehen gar davon aus, dass Amazon draufzahlt. Das Kalkül: Wer einen Fire kauft, bindet sich an Amazon und sorgt mit dem Kauf digitaler Inhalte für Umsatz.

Google setzt auf das mobile Web

Ähnlich kalkuliert auch Google beim Nexus 7. Seit Monaten baut das Unternehmen seinen einstigen Android Market zu einem umfangreichen Online-Store namens Google Play um. Google Play soll zum Ausgangspunkt der neuen bunten Google-Kaufhauswelt werden. Apps, Bücher, Musik, Spiele - alles das wird es künftig dort an einem zentralen Ort zu kaufen geben und immer verdient Google daran mit.

Ausruhen kann sich Apple dennoch nicht. Dass Google nicht nur ein Tablet, sondern mit dem Nexus Q auch ein Gerät vorgestellt hat, das im eigenen Portfolio höchstens mit Apple TV und der Airplay-Technologie zu vergleichen ist, darf Cupertino beunruhigen. Zwar mag es ähnliche Anwendungsszenarien für Apple TV und Nexus Q geben. Dem Nexus Q liegt aber durch seine soziale Funktionalität eine andere Philosophie zu Grunde, die das Gerät mehr zu einem universellen Hotspot mobiler Geräte im digitalen Zeitalter werden lässt, denn zu einer Set-Up-Box für das TV-Gerät oder die Musikanlage. Es ist ein Indiz dafür, dass für Google in Zukunft vordergründig das mobile Internet zählt.

Der kugelförmige Nexus Q ist die Schnittstelle zwischen Cloud und dem Mobilgerät des Nutzers. Bemerkenswert daran ist, dass es die einzige Schnittstelle ist, die Google vorgesehen hat. Wer zu Hause einen Nexus Q hat und auf ihn mit einem Nexus 7 zugreift, der braucht für seinen Medienkonsum keinen stationären Computer mehr. Was Google am Mittwoch, fast auf den Tag genau fünf Jahre nachdem das erste iPhone auf den Markt kam, angekündigt hat, waren nicht nur zwei Produkte, es war ein Paradigmenwechsel: Das Mobile Web ist da - und zwar endgültig.