Die Koalition hat sich auf das Sondergesetz für Internetsperren geeinigt: Wer eine Kinderpornoseite aufruft, muss nun doch nicht mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Die Fachpolitiker von Union und SPD haben sich auf einen Kompromiss beim Gesetz zur Sperrung von Kinderpornoseiten im Internet geeinigt. Wie SPD-Verhandlungsführer Martin Dörmann am Dienstag mitteilte, müssen Nutzer, die mit Stoppschildern versehene Seiten aufrufen, nun doch nicht mit Strafverfolgung rechnen.
Union und SPD haben sich auf einen Kompromiss beim Gesetz zur Sperrung von Kinderpornoseiten im Internet geeinigt. (© Foto: dpa)
Anzeige
Bislang war vorgesehen, dass die Provider die Daten dieser Nutzer speichern und auf Verlangen dem Bundeskriminalamt vorgelegen müssen. Stattdessen habe man sich darauf verständigt, dass die Provider auf die Speicherung personenbezogener Daten zum Zwecke der Strafverfolgung verzichten sollten, sagte Dörmann.
Damit werde ausgeschlossen, dass bei Nutzern, die durch Spam-Emails auf Seiten mit Kinderpornographie gelockt wurden, die Polizei vor der Tür stehe. "Wir haben für den Datenschutz sehr hohe Latten gesetzt", sagte Dörmann.
Die Internetsperren sollen zudem nicht mehr im bestehenden Telemediagesetz, sondern in einem Spezialgesetz verankert werden, das sich nur auf kinderpornographische Angebote bezieht. Damit ist klar, dass die Sperren nicht auf andere Internetangebote wie zum Beispiel sogenannte Killerspiele angewendet werden können.
Regelung auf drei Jahre befristet
Die Sperrliste mit Hinweisen auf kinderpornographische Seiten, die das Bundeskriminalamt zusammenstellen und den Providern übermitteln soll, soll dem Kompromiss zufolge von einer unabhängigen Instanz kontrolliert werden. Dafür werde ein Gremium beim Bundesdatenschutzbeauftragten eingerichtet, sagte Dörmann.
Das Gremium solle sich aus Juristen mit der Befähigung zum Richteramt zusammensetzen. Sie könnten die BKA-Liste jederzeit kontrollieren und darüber entscheiden, ob die fraglichen Seiten gesperrt werden sollten.
Das Gesetz soll bereits am Donnerstag im Bundestag verabschiedet und auf drei Jahre befristet werden. Ende 2012 solle die Regelung automatisch auslaufen und im Lichte der Erfahrungen neu bewertet werden. "Damit haben wir alle Schranken eingezogen, die wir einziehen konnten", sagte der SPD-Politiker. Ziel sei es gewesen, einen ausreichenden Grundrechtschutz zu sichern, bevor Anfang Juli die ersten Verträge der Provider mit dem Bundeskriminalamt in Kraft träten.
- Thema
- Internetsperre RSS
- Sperren für Kinderporno-Seiten "Zensur wird salonfähig" 25.03.2009
- Internetsperren bei Kinderpornographie Stoppschild für die Politik 08.05.2009
- Internet-Sperren für Kinderpornos "Ein Anruf genügt" 15.04.2009
- Sperren für Kinderporno-Seiten Unbrauchbar und schädlich 04.12.2008
- Internetsperren bei Kinderpornographie "Obskure Kriterien" 11.05.2009
- Internetkonferenz re:publica Utopie trifft Zukunftsangst 15.04.2010
- Britisches Internetgesetz Hier sperrt der Minister 08.04.2010
(AP/mri)
"Das Gremium solle sich aus Juristen mit der Befähigung zum Richteramt zusammensetzen. Sie könnten die BKA-Liste jederzeit kontrollieren und darüber entscheiden, ob die fraglichen Seiten gesperrt werden sollten."
warum dann nicht gleich ein richtiger richter, so wie es in einem rechtsstaat üblich sein sollte?? (allein diese notwendige aberwitzige formulierung zeigt wie abenteuerlich deren gesetzesvorschlag ist)
das ganze ist doch ein witz und führt uns immer weiter in eine diktatur
aber die medien machen ja schön mit, sie berichten reißerisch über terror und kinderpornos, so dass man meinen könnte es gibt nichts anderes, dabei sind das die mit anbstand geringsten verbrechen von den insgesamt verübten straftaten, aber das lässt sich gut verkaufen und jetzt haben wir den salat
das viel größere problem für die kinder stellt die vernachlässigung und die gewalt dar nicht die sexuellen übergriffe
und was ist mit den terrorangriffen? sind jetzt in den letzten 10 jahren 500 oder 1000 menschen aufgrund von terrorangriffen in europa ums leben gekommen?
da sterben wahrscheinlich in einem jahr mehr menschen in island im straßenverkehr als in europa in 10 jahren menschen bei terrorangriffen ums leben kommen, aber mit der angst vor terror werden jegliche grundrechte und menschenrechte unterwandert und die journalisten gucken zu, denn wer nix zu verbergen hat der hat ja auch nix zu befürchten nicht wahr???
Hier wird die erfolgreichste e-Petition aller Zeiten willentlich von der Politik ignoriert. 134.000 Menschen können nicht irren. Eine Ministerin schon!
Das ist ein Armutszeugnis unserer Demokratie und v.a. eine Machtbekundung der herrschenden Klasse!
So nebenbei, der obige Artikel verschweigt eigentlich mehr als er darstellt!
sie sprechen mir derart aus der Seele....
Den von 301273 angesprochenen Verfolgungswahn kann ich ebenfalls finden. Allerdings finde ich ihn auch in meiner Sicht der Dinge. Meiner Ansicht nach wäre dieses Grundgefühl mit "gesunder Skepsis" besser beschrieben. Es sieht nur nach Verfolgungswahn aus, weil es eben um jeden einzelnen geht. Jeder von uns, der in D die Möglichkeiten elektronischer Kommunikation nutzt. Vorratsdatenspeicherung heißt das dann.
Und vertrauen will ich dem politischen Spitzenpersonal seit längerem auch nur so weit, wie ich eine Kuh werfen kann. Herrn Schäuble noch etwas weniger. Und deshalb gingen bei mir auch ziemlich sofort die Alarmglocken an, als ich von der "Aktion Sperrliste" hörte.
(btw. warum hat eigentlich noch niemand darauf hingewiesen, daß die Idee von Innocence in Danger Deutsche Sektion e.V. mit seiner Präsidentin Stephanie Freifrau zu Guttenberg mit angestoßen wurde?)
.... Gesetz brauchen? Das Gesetz wurde ja schon zum besseren geändert. Wenn sie sich zurückerinnern wollte man ursprünglich alle IP-Addressen an das BKA melden. Im Moment findet nichts vergleichbares statt und so wird es auch in Zukunft (für die nächsten 3 Jahre) auch bleiben.
Die langfristige Absicht hinter dem Gesetz ist nichts anderes als totale Kontrolle alle Bürger Deutschlands. Das was im Moment passiert ist alles nur das Vorspiel zu immer mehr Überwachung und immer noch mehr Überwachung. Durch diese Gesetz wird die Infrastruktur geschaffen mit der von einer Minute auf die Andere Zensur in Echtzeit stattfinden kann. Es wird zwar nur eine Zensur für die Normalos, aber das reicht ja schon. Und die Telekom Unternehmen werden dann Zwangshelfer für dieses System weil sie die IP Listen verwahren.
Ich leide unter Verfolgungswahn?
Haben sie sich mal die ganzen Psydo-Sicherheitsgesetzte der letzten Zeit durch den Kopf gehen lassen wie z.B. RFID-Pässe? Damit verbunden ist die 100% Bilderfassung der Gesamtbevölkerung Deutschlands.
Fingerabrdücke in den Reisepässen.
Vorratsdatenspeicherung.
Autonummernschild Protokollierung auf den Autobahnen
Datenausgleich zwischen verschiedensten Behörden
Bundestrojaner
und und und
All diese Technologien alleine sind kein Problem aber versuchen ein paar Meter von einem einzelne Bildpunkts des Monitors abstand zu gewinnen um das Bild zu sehen: Den gläsernen Bürger.
Auch nach diesem Gesetz wird die CDUCSU nicht aufhören von Gesetzes freien Räumen zu reden die geschlossen werden sollen. Es geht immer und immer weiter.
Tut mir leid.
Aber Ihre Auslegungen offenbaren nur eines: ein wenig Verfolgungswahn.
Klar könnte es sein dass man "Unbeliebte" so diskreditiert, wenn man gerne an Weltverschwörungstheorien glaubt, was Sie anscheinend tun. Aber darüber kann man nicht diskutieren, da bin ich wohl ein naives "Schaf", wie Sie mich nennen.
Aber mit der gleichen Logik müsste man auch Tempoblitzer verbieten. Da könnte sich ja auch jemand eine Maske mit meinem Gesicht aufziehen und sich blitzen lassen, um mich so richtig reinzulegen.
Aber das, was Sie beschreiben, ginge ja jetzt schon. Man könnte ja jetzt schon den Computer von irgendjemanden manipulieren (da kennen Sie sich wahrscheinlich besser aus), um ihm etwas Schlimmes zu unterstellen. Wozu sollte es da dieses Gesetz brauchen?
Paging