Gaming-Branche Mehr Umsatz als die Bundesliga

Am Mittwoch beginnt die Gamescom in Köln. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 200 000 Menschen. (Archivbild von 2013)

(Foto: dpa)

Trotz boomender Geschäftszahlen wird die Computerspielbranche in Deutschland ihr negatives Image nicht los. Das könnte sich bei der Gamescom-Messe in Köln nun ändern.

Von Helmut Martin-Jung, Hakan Tanriverdi und Matthias Huber

Erik Range ist ein Star. Millionen Menschen kennen ihn - allerdings nur unter seinem Künstlernamen Gronkh. Er zeichnet auf Video auf, wie er am Computer spielt und das Geschehen kommentiert. Etwa so, als würde ein Fußballer das Spiel seines Teams gleich live reportieren. Videos von Gronkh sind ein Renner auf der Internet-Plattform Youtube. Knapp vier Millionen Menschen verfolgen regelmäßig, wie sich der 38-Jährige locker plaudernd durch die Spielewelten bewegt.

Wenn nächste Woche in Köln die Computerspiel-Messe Gamescom beginnt, gehört Gronkh zu den Berühmtheiten, um die sich die Fans reißen. Die Spielebranche hat, was den Umsatz angeht, der Filmindustrie bereits den Rang abgelaufen. Im vergangenen Jahr setzte sie weltweit 87 Milliarden Dollar um.

Generation Videospiel: 42 Prozent der Deutschen spielen regelmäßig.

Längst ist sie auch in Deutschland ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Mit 2,7 Milliarden Euro erreicht sie mehr Umsatz als die Fußball-Bundesliga, und zur Gamescom pilgern weitaus mehr Besucher als zur Cebit. Zur Computermesse nach Hannover kamen im vergangenen Jahr 220 000 Menschen, die Kölner Gamescom besuchten 2014 mehr als 330 000 Menschen, dieses Jahr wurde die Ausstellungsfläche noch einmal um zehn Prozent vergrößert.

Obama hat's begriffen

Doch während in den USA Präsident Barack Obama die Spielekonsole Playstation sogar in Reden erwähnt, ist die Branche in Deutschland gerade erst dabei, ihr Negativ-Image abzustreifen. Viele spielen, aber reden lieber nicht öffentlich darüber.

Dabei ist in Wahrheit auch Deutschland eine Nation der Computerspieler: 42 Prozent der Bevölkerung spielen regelmäßig, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom ergab, Männer und Frauen etwa gleich häufig.

Jüngere Menschen sind unter den Computerspielern zwar noch immer deutlich in der Überzahl, doch auch bei den 50- bis 64-Jährigen spielt der Bitkom-Studie zufolge jeder vierte. Und Computerspielen ist, wie Zahlen des Bundesverbandes Interaktive Software zeigen, eine Freizeitbeschäftigung, die alle Schichten der Bevölkerung anspricht.