Mit den Reichweiten des frei empfangbaren Fernsehens kann der digitale Vertriebsweg noch nicht konkurrieren, wohl aber mit den Bezahlsendern. "Die Zahlen nähern sich an", sagt Grothe, der in den neunziger Jahren bei der Bertelsmann-Firma UFA (heute Sportfive) sein Handwerk gelernt hat. Das noch vom erst neulich pleite gegangenen Pay-TV-Sender Setanta gezeigte England-Auswärtsspiel gegen Kasachstan hätten im Juni 700 000 Zuschauer gesehen.

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Kentaros Alleingang am Samstag, von vielen Vereinen und den großen Verbänden genau beobachtet, bestätigte abermals die Ausnahmestellung des Fußballs. Grothe spricht von einem "vergleichsweise preiswerten Produkt mit Anti-Flop-Garantie". Mit der Verbesserung der technischen Mittel rückt auch das endgame näher; jene Vision, die Investoren aus der ganzen Welt in die englische Premier League lockt: der direkte, dezentralisierte Verkauf von Live-Spielen an hunderte Millionen von Fans.

Fußball-Streaming auch auf Zeitungsseiten

Auch die aktuell wieder hitzig geführte Debatte um bezahlte Zeitungsinhalte im Internet erfährt durch das Ukraine-Match neue Impulse. Neun nationale britische Blätter, unter anderem die Times, die Sun und der Daily Telegraph, zeigten die Partie am Sonnabend in Kooperation mit der auf Fußball-Streaming im Netz spezialisierten Firma Perform live auf ihren Homepages - und wurden dafür von Kentaro mit geschätzten 20 bis 30 Prozent am Umsatz beteiligt. "Die haben alle gutes Geld gemacht, da sind hübsche Summen geflossen", sagt Grothe.

Mit bewegten Fußballbildern machen die großen britischen Blätter übrigens nicht zum ersten Mal gute Erfahrungen. Seit zwei Jahren zeigt ein integrierter Video-Player von Perform auf den Online-Portalen der Zeitungen Tore der Premier League.

Die Werbung liefert die Firma gleich mit, die Verlage partizipieren an den Einnahmen. Die Daily Mail soll so dem Vernehmen nach schon mehrere hunderttausend Euro im Jahr umsetzen. "Es gibt sonst nicht viel paid content, der funktioniert", sagt Grothe.

Konkurrenz für werbefinanzierte TV-Sender

Zeitungen werden sich zu echten Medienportalen entwickeln müssen, meint der Grothe. Er sieht Chancen für Live-Übertragungen von weniger profilierten Sportarten und der engen Einrahmung der Fernsehfenster durch redaktionelle Beiträge. Sehr bald kann sich der Nutzer womöglich aussuchen, ob er statt des Fernsehreporters lieber den Live-Kommentaren der Boulevardschreiber oder der Fußball-Feuilletonisten zuhört.

In der Zwischenzeit werden sich besonders die ausschließlich werbefinanzierten Fernsehsender darauf einstellen müssen, dass ihre bisher machtvolle Stellung als Abnehmer der kostspieligen Fußballrechte durch viele neue Geschäftsmodelle im Internet gebrochen wird. "Der eine oder andere dürfte am Samstag ins Grübeln gekommen sein", sagt Grothe.

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  1. Laptop statt Fernseher
  2. Sie lesen jetzt Weshalb auch Zeitungen am Experiment teilnahmen
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(SZ vom 13.10.2009/jk/holz)