Freies Betriebssystem Warum Linux die Zukunft gehört

Tux-Figuren, Maskottchen des Open-Source-Betriebssystems Linux

(Foto: picture alliance / dpa)

Apple kennt jeder. Aber wer weiß schon, dass Linux viel wichtiger ist? Egal ob man googelt, den Fernseher einschaltet, twittert oder bei Amazon einkauft - die Software steckt hinter allem. Und das ist auch gut so.

Von Helmut Martin-Jung

Ist ja längst Routine: Knopf am Computer drücken, kurz warten, bis die Hieroglyphen auf dem Bildschirm einer hübschen Oberfläche mit dem Foto von HundKatzePartnerKind weichen, oder dem obligatorischen Palmenstrand-Bild. Dann klickt man mit der Maus auf eines von vielen Symbolen und startet ein Programm: Auf das kleine blaue "e" mit dem Planetenring - zum Internetsurfen. Oder das zum Bearbeiten der Fotos. Oder . . .

Schon gut: Natürlich wissen Sie das alles selbst. Sie können es im Schlaf, schließlich arbeiten Sie täglich damit. Haben Sie sich aber auch schon mal gefragt, wie das alles da so schön einfach und reibungslos funktionieren kann? Seien Sie versichert: Man muss kein Computernerd sein, um das ansatzweise zu verstehen. Es sollte eigentlich zum Allgemeinwissen gehören. Aber die meisten schalten auf Durchzug, wenn sie nur "Betriebssystem" hören.

Also noch mal: Damit das alles läuft, ist eine Software nötig, eben das "Betriebssystem". Man kann es sich vorstellen wie das Wasser im Schwimmbad (wobei das Bad selbst dann der Computer wäre): Trocken ist so ein Becken nutzlos. Lässt man aber Wasser ein, dann können viele Schwimmer - sie entsprächen den Anwendungsprogrammen - darin schwimmen.

Tausende Menschen entwickeln mit

Irgendwie klar, dass es für ein solches System eine große, mächtige Firma braucht. Eine, bei der Zehntausende Programmierer arbeiten, die an der Börse ist, für jeden denkbaren Job einen Manager hat, eigene Forschungslabors betreibt. Eine wie Microsoft, wie Apple. Oder?

Von wegen! Das erfolgreichste Betriebssystem der Welt stammt überhaupt nicht von einer Firma, es wurde und wird geschrieben und weiterentwickelt von Tausenden Menschen auf der ganzen Welt. Alleine in der Zeit, die Sie bis hierher zum Lesen gebraucht haben, wurden ungefähr 600 Linux-Telefone erstmals in Betrieb genommen, pro Tag sind es etwa eine Million. Wenn Sie jetzt googeln wollen, was eigentlich ein Linux-Telefon ist: Googles Rechner-Farmen laufen auch auf Linux.

Oder Sie wollen sich bei Amazon ein Buch zum Thema bestellen oder die Facebook-Freunde fragen, vielleicht auch darüber twittern - alles Linux. Neue internetfähige Fernseher? Linux. Ihr neuer Empfänger fürs Digitalfernsehen, Ihr Auto-Entertainment-System? Na, Sie wissen schon. Aber wussten Sie auch, dass mehr als neun von zehn Supercomputern mit Linux laufen? Und dass von den schnellsten 500 bis auf schlappe 25 alle auf Linux setzen und davon nur ganze zwei auf Windows?

Wäre Linux ein kommerzielles Produkt einer Firma, schon längst hätten die Kartellämter und Regulierungsbehörden einschreiten müssen, aber das ist es eben gerade nicht. Und so kommt es, dass die Idee eines Studenten mehr oder weniger heimlich die Welt der Computer erobert hat.