Datenbrille Google fürchtet Glassholes

Mit dem charakteristischen Fingertipp an die Schläfe kann man Google Glass Befehle erteilen. Die Datenbrille versteht aber auch gesprochene Anweisungen.

Filmt der gerade? Googles Datenbrille Glass schreckt viele Menschen auf. Der Konzern hat deswegen für seine ersten Kunden einen Knigge erstellt, damit die Brille möglichst nicht negativ auffällt.

Von Matthias Huber

Ein wenig gruselig klingt das schon: Da sitzt jemand gegenüber an der Bar, trägt ein Metallgestell wie eine Brille auf der Nase, tippt sich an die Schläfe und murmelt dabei vor sich hin. Der kleine gläserne Block vor seinem rechten Auge verfärbt sich. Ein Licht spiegelt sich in der Kameralinse, die jetzt direkt auf das Gegenüber gerichtet ist. Macht der gerade ein Foto? Sucht er nach dem Facebook-Profil? Filmt er gar?

Google Glass wirft neue Verhaltensfragen auf. Wann darf der Träger aufzeichnen? Gibt es Orte, an denen die Brillen unerwünscht sind? Im Kino, auf Geschäftstreffen? Google gibt nun Tipps, wie sich Google-Glass-Träger verhalten sollten. Der eingängigste: Sei kein "Glasshole", ein Wortspiel, zusammengesetzt aus dem Namen von Googles Datenbrille, "Glass", und dem englischen Schimpfwort.

Die Regeln richten sich an die Nutzer, die bereits mit Google Glass auf der Nase durch die Straßen gehen. Die Firma nennt sie schmeichelhaft "Explorer", also "Entdecker" eines Produkts, das frühestens Ende 2014 offiziell auf den Markt kommt. Für sie soll gelten: Sei nicht unhöflich, verhalte dich nicht gruselig. "Don't be rude, don't be creepy, don't be a glasshole!" Kurz könnte man wohl auch sagen: Sei normal.

Bedenken zerstreuen, Unwohlsein beruhigen

Man solle damit rechnen, auf das Gerät angesprochen zu werden, schreibt Google. Und dann freundlich erklären, was Glass eigentlich kann - und was nicht. Um die Bedenken zu zerstreuen und das allgemeine Unwohlsein zu beruhigen, das viele bereits gegenüber der Datenbrille geäußert haben.

Zum Beispiel die Sache mit dem Gefilmtwerden: Laut diverser Erfahrungsberichte ist es kaum realistisch möglich, tatsächlich längere Videos seiner Umgebung anzufertigen, ohne bereits nach wenigen Minuten die in das Gestell eingebaute Mini-Batterie leergesaugt zu haben. Es wird also kaum jemand zum "Glasshole" werden, indem er seine Umgebung aufnimmt, das Gegenüber an der Bar per automatischer Gesichtserkennung einem Facebook-Profil zuordnet und dann via GPS-Positionsbestimmung den ohnehin beinahe allwissenden Google-Datenbanken auch noch Bewegungsprofile hinzufügt. Zumindest beim derzeitigen Stand der Technik.

Googles Datenschatz soll sich vervielfachen

Natürlich hofft Google aber darauf, dass sich mit der öffentlichen Markteinführung der smarten Brille der eigene Datenschatz vermehrt. Allerdings dürfte auch hier eher der Brillenträger im Fokus stehen, als all jene, die von der Kameralinse aus sichtbar sind. Wo der Besitzer sich aufhält, wenn er nach bestimmten Begriffen sucht. Wann er sich den Weg zu einem bestimmten Restaurant beschreiben lässt. Oder welche Nachrichten-Überschriften auf dem sogenannten Prisma, dem durchsichtigen Mini-Bildschirm, sein Interesse wecken, so dass er schon unterwegs den ganzen Artikel aufruft und sich von der Software vorlesen lässt.

Bis es aber so weit ist, muss Google den Vorurteilen begegnen und für Akzeptanz werben. Am Körper tragbare Geräte, sogenannte "wearable devices", gelten zwar als großer Trend der Branche. Bei den Kunden haben sie es aber nach wie vor schwer. Auch, weil sich viele von ihnen beobachtet fühlen - die Geräte wirken präsenter als das Smartphone in der Hosentasche, das seinen Besitzer schon jetzt umfassend überwachen kann.

Der Glass-Knigge ist vor allem Werbung in eigener Sache: "Diese Regeln zu brechen oder unhöflich zu sein, wird nicht dafür sorgen, dass sich Unternehmen für Glass begeistern." Auffallen sollen die "Explorer" mit ihren Datenbrillen also unbedingt. Aber bloß nicht unangenehm.

Mit Google Glass auf dem Laufband

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