Beacon-Technologie in Kaufhäusern Gigantisches Experiment, vielleicht schon bald Normalität

Bis Ende des Jahres sollen 30 000 Beacon-Installationen existieren. Auch die großen Akteure spielen mit: Apple hat nicht nur alle seine Filialen in den USA mit der Technik ausgestattet, vor Kurzem reichte der Konzern bei der Genehmigungsbehörde FCC auch einen eigenen Prototypen ein, genannt iBeacon. Die Konkurrenz ist entsprechend nervös. Der Bezahldienst Paypal wiederum will Beacons zur Grundlage seines Bezahlsystems der Zukunft machen und so in der physischen Welt Fuß fassen.

Bislang ist die Technik allerdings noch nicht komplett ausgereift, derzeit lernt die Mehrzahl der Nutzer nur eine erste Generation von Testanwendungen kennen. Die Gastronomie-Ketten Burger King und Starbucks haben US-Filialen mit der Technik ausgestattet, Apps von Einzelhändlern benachrichtigen Kunden, wenn sie an einer Dependance vorbeikommen. Die Baseball-Liga MLB hat Beacons in 20 von 30 Stadien installiert - die Vereine können Besuchern so beispielsweise per Push-Mitteilung bessere Sitzplätze anbieten.

Die große Offensive, so prognostiziert Estimote-Mann Modzelewski, wird allerdings für das Weihnachtsgeschäft erwartet. Dann werden US-Einzelhandelsketten erstmals großflächig Konsumenten mit den Beacons zu locken versuchen. Die Kunden können dann mit Rabatten rechnen, wenn sie sich mit ihrer App in einer bestimmten Abteilung befinden. Die Firmen wiederum erhoffen sich wertvolle Informationen. "Filialen können analysieren, welche Dekoration zum Kauf verleitet und entsprechend ihre Aufmachung immer wieder verändern", sagt Estimote-Mann Modzelewski. Was sich jetzt noch nach einem gigantischen Experiment anhört, könnte in einigen Jahren Normalität sein. Schon bis 2018 soll der Markt für die Technik auf vier Milliarden US-Dollar wachsen.

Kampf der Funk-Standards Harte Konkurrenten

Near Field Communication, kurz NFC, galt lange als eine Technik der Zukunft, womöglich zu lange. Denn so, wie es derzeit aussieht, könnte NFC vor dem Ende stehen: Zwar bauen noch viele Hersteller von Smartphones die Funktechnik zum drahtlosen Datenaustausch in ihre Geräte ein. Sie sollen damit unter anderem zur mobilen Geldbörse werden und Plastikkarten überflüssig machen. Doch die damit verknüpften Hoffnungen haben sich bislang nicht erfüllt, und in der Beacon-Technik ist ein mächtiger Konkurrent entstanden.

Zwei Dinge sind es vor allem, die NFC ins Hintertreffen bringen. Zum einen lässt sich damit - wie der Name schon andeutet - nur auf sehr kurze Entfernungen funken. Das kann ein Vorteil sein, wenn es vor allem um die Sicherheit von Transaktionen geht. Doch der Handel denkt längst darüber nach, Kassen einzusparen, Schlangen zu vermeiden und den Kunden irgendwo im Geschäft bezahlen zu lassen. Dafür aber eignet sich NFC nicht.

Zum anderen macht eine wichtige Firma nicht mit bei NFC - Apple. Die Kalifornier setzen stattdessen auf Bluetooth LE und Beacons, und die Konkurrenz kann sich dem nicht entziehen. Denn der stromsparende Bluetooth-Standard ist auch für andere Anwendungen wichtig, zum Beispiel, um Fitnessarmbänder, Smartwatches und ähnliche Geräte mit dem Smartphone zu verbinden. Sowohl in den neueren Versionen von Android als auch von Windows Phone ist Bluetooth LE daher an Bord. Apple dagegen hat sich bisher beharrlich geweigert, einen NFC-Chip einzubauen.

Wenn sich NFC nicht überraschend doch noch durchsetzt als Standard für Bezahlvorgänge, wird wohl alles auf Bluetooth LE zulaufen, das mehrere Anforderungen auf einmal erfüllt und zudem als sehr stromsparend gilt.