Beacon-Technologie in Kaufhäusern Rabatt-Schlacht auf dem Smartphone

Der Kaufhaus-Sender der Firma Onyx Beacon

(Foto: Onyx Beacon)

Bald sagt uns unser Handy mit Hilfe von Minisendern, wo im Supermarkt die Cola steht - und ob wir als Stammkunde vielleicht individuelle Rabatte bekommen. Aber wollen Kunden überhaupt von ortsgebundener Werbung angesprochen werden? Und was ist mit dem Datenschutz?

Von Johannes Kuhn, San Francisco

Das nächste große Ding ist ganz klein: Mithilfe von Minisendern können Smartphones bald auch in geschlossenen Räumen navigieren. Die Beacon genannte Technologie könnte die Welt noch digitaler machen - vom Einkauf bis zum Museumsbesuch.

Im Supermarkt erinnert das Smartphone den Kunden an seine Einkaufsliste - und führt ihn direkt zu Produkten. Während der Wohnungsbesichtigung werden Informationen zu den jeweiligen Zimmern auf eine Datenbrille eingeblendet. Und wenn der Lehrer ins Klassenzimmer kommt, blockieren die Lern-Tablets der Schüler plötzlich den Zugang zu Whatsapp und Facebook.

Zukunftsvisionen? Nein, diese und ähnliche Szenarien sind in Pilotprojekten bereits Realität. Schon sehr bald könnten sie Teil unseres Alltags sein. Möglich werden sie durch die Beacon-Technologie, die iPhones und aktuelle Android-Smartphones verwenden.

Vor allem der Einzelhandel in den USA beginnt derzeit, Filialen testweise mit Beacons auszustatten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Standortbestimmung macht Navigation auch in geschlossenen Räumen möglich, zum Beispiel können Kunden zu Sonderangeboten gelotst werden und generell besser Produkte finden. Die Identifizierung eines Kunden mithilfe von Apps wiederum erlaubt persönliche Rabatte und hilft nebenbei, Informationen über das Kaufverhalten zu sammeln.

Beacon So funktioniert es

Beacons ("Leuchtfeuer") sind kleine Sender, die auf dem Standard Bluetooth Low Energie (BLE) basieren, das ist die energiesparende Version 4.0 von Bluetooth. Bluetooth wiederum ist ein Funkstandard, den es schon seit Jahren gibt. Über den können sich zum Beispiel Handys mit einer Freisprechanlage im Auto oder mit einem drahtlosen Kopfhörer verbinden.

Als Beacon können Smartphones agieren, in der Regel werden es allerdings Minisender sein, die einfach irgendwo aufgestellt werden und dann ihre Signale bis zu 30 Meter hinaussenden. Sie werden meist mit Knopfzellen betrieben und können damit Monate oder sogar Jahre ihren Dienst tun. Damit ein Handy mit dem Signal eines Beacons etwas anfangen kann, muss auf dem Handy ein dafür geeignetes Programm installiert sein und im Hintergrund laufen.

Denn die Beacons funktionieren tatsächlich bloß wie ein virtuelles Leuchtfeuer. Sie senden drei Identifikationsnummern aus, die beschreiben, wo das Gerät steht. Die erste könnte beispielsweise für eine Burger-Kette stehen, die zweite für eine bestimmte Filiale, die dritte für eine bestimmte Stelle innerhalb dieser Filiale. Ohne die App, die weiß, was die Ziffern bedeuten, funktioniert das System nicht. Die kleinen Sender arbeiten nur in einer Richtung, Daten empfangen können sie nicht.

Wer also keine App installiert, die Beacon-Signale empfängt und interpretiert, muss auch nicht befürchten, dass jemand darüber verfolgen kann, wo man sich aufhält. Doch weil es viele sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten gibt - zum Beispiel die Navigation innerhalb von Gebäuden -, werden sich Datenschützer in jedem Fall mit der Technik befassen müssen, und auch die Nutzer werden wie so oft abwägen müssen, wie viele Daten von sich sie preisgeben möchten.

Pepsi- und Cola-Dosen könnten sich Preiskämpfe in Echtzeit liefern

"Stellen Sie sich vor, Sie stehen vor einem Regal mit Softdrinks", skizziert Marek Modzelewski vom Beacon-Start-up Estimote ein Szenario. "Der Beacon erkennt sie als Stammkunden, die App gibt ihnen daraufhin einen Rabatt auf bestimmte Getränke." Mehr noch: In ferner Zukunft könnten Pepsi- und Cola-Dosen in der App eine Art Echtzeit-Wettbieten veranstalten; wer den niedrigsten Preis vorschlägt, kommt in den Einkaufskorb.

Die Verlockung, den Kunden per Push-Nachricht mit Sonderangeboten zu überschütten, ist groß - und gefährlich. "Es muss für den Benutzer ein echter Mehrwert erzeugt werden, damit diese die Technologie positiv annehmen", ist Roman Foeckl von der Firma Onyxbeacon überzeugt, "sie als Spamschleuder für Coupons und Rabatte einzusetzen, ist natürlich nicht das, was wir wollen."

Weil Beacons die Position eines Smartphones im Raum bestimmen und Apps dazu veranlassen, Kontakt herzustellen, ermöglichen sie zahlreiche weitere Anwendungen: Museumsführer-Apps zum Beispiel, die automatisch das Kunstwerk erklären, vor dem ein Besucher steht. Oder, um das Beispiel mit dem Lehrer wieder aufzugreifen: ein Beacon, der bestimmte Programme von Geräten in der Nähe ausschaltet. Auch ein Einsatz als moderne Stechkarte ist möglich, die den Aufenthaltsort von Mitarbeitern im Bürogebäude erkennt - die Frage "Wo ist der Chef?" in Meetings erübrigt sich damit.

Gerade diese Tracking-Möglichkeiten dürften vor allem in Europa Datenschützer auf den Plan rufen. "Das Gute für den Benutzer ist, dass er genau festlegen kann, welche App die iBeacon-Technologie nutzen darf und welche nicht", glaubt jedoch Onyxbeacon-Chef Foeckl. Sein in Rumänien ansässiges Start-up drängt ebenso wie die Konkurrenz der Firmen Estimote, Kontakt oder Radios mit aller Macht auf den Markt und bietet Startpakete zur Installation an. Bis zu 20 Euro kostet ein Beacon-Sender, doch der Preis der Hardware fällt. Am Ende wird deshalb die Software entscheidend sein: Welche App-Anbieter werden zur Einzelhändler-Großplattform? Wer ermöglicht die besten Datenanalysen? Welche Anwendung erreicht eine ausreichende Nutzerzahl?