Wer einen Beitrag im offiziellen Forum von World of Warcraft schreibt, muss künftig seinen echten Namen angeben. Doch die Community wehrt sich auf ihre eigene Art.
Elf Millionen Menschen spielen nach offiziellen Angaben World of Warcraft (WoW). Das Online-Multiplayer-Rollenspiel mit seinem komplexen System von Erfahrungspunkten, Gilden und Missionen ist allerdings selbst für regelmäßige Nutzer nur schwer zu durchblicken.
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Spieler von World of Warcraft auf einer Messe: Im Spiel anonym, im Forum mit vollem Namen. (© ag.ap)
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In den offiziellen WoW-Foren suchen Spieler deshalb Hilfe oder tauschen sich aus. Doch dort stehen Veränderungen an. Veränderungen, die zu einem Aufschrei der Entrüstung geführt haben.
Am Anfang der Woche teilten die Mitarbeiter des WoW-Herstellers Activision Blizzard mit, dass Nutzer künftig ihre Beiträge in den offiziellen Spieleforen nur noch mit ihrem vollen Vor- und Nachnamen absetzen können. Ihren WoW-Phantasienamen können Sie nur noch zusätzlich angeben. Der Klarnamenpflicht entkommen können die Nutzer nur schwierig: Activision Blizzard kennt die Angaben aus den Zahlungsinformationen, da für den Zugang zu WoW eine monatliche Gebühr fällig ist.
Anti-Troll-Politik sorgt für Wut
Der Grund für den Schritt liegt nach Aussage des Unternehmens im schlechten Diskussionsklima. Das Forum habe "mit der Zeit auch den Ruf erlangt, ein Ort zu sein, in dem sogenannte 'Flame Wars', Trollerei und andere unerfreuliche Dinge gedeihen", schreibt ein Blizzard-Mitarbeiter im deutschsprachigen Bereich, "wenn der für Online-Unterhaltungen typische Schleier der Anonymität entfernt ist, wird dies zu einer besseren Umgebung in den Foren führen".
Von dieser Argumentation zeigen sich viele Mitglieder der WoW-Community allerdings wenig überzeugt, ist es doch die Regel, dort mit Pseudonymen zu schreiben: Über Hunderte Forenseiten hinweg sieht sich Activision Blizzard heftiger Kritik ausgesetzt. Im englischsprachigen Forum sind bereits mehr als 40.000 Beiträge zum Thema eingegangen.
Verschmelzung von realer und virtueller Welt
"Ich finde den Schritt einfach lächerlich, sorry", schreibt ein Nutzer mit dem Namen "Pinjan" und fürchtet, dass "irgendwelche Idioten meinen Namen auf Telefonbuch.de raussuchen und bei mir sturmklingeln können."
Diese Angst vor der Verschmelzung von realer und virtueller Welt wird häufig erwähnt: Eine Google-Suche, so das Argument, würde nun mit wenigen Mausklicks die Identität eines Spielers offenlegen - und somit Identitätsdiebstahl und Stalking Tür und Tor öffnen.
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Die meisten WoW-Spieler, die ich kenne sind durchaus intelligente Leute. Man findet dort natürlich auch solche, mit weniger Abstaktionsvermögen und langsamerer Auffassungsgabe, ich denke nicht, dass sich das daran festmachen lässt.
Da ich das Spiel selbst eine ganze Weile lang gespielt habe, kann ich sagen, dass es sich damit genau so verhält wie mit jedem anderen Hobby.
Man kann seine Freude an einem gut durchdachten und mit sehr viel Detailliebe erstellten Spiel haben, das man gemeinsam mit alten und neuen, auf normalem und virtuellem Wege kennen gelernten Freunden spielt.
Genau wie der Modelleisenbahn-Bauer, der Briefmarkensammler, der Schrebergartenharker und der Kneipengänger ist das Hobby so lange nicht zu beanstanden, wie es in einem gesunden Rahmen bleibt, den Vereinzelte leider verlieren.
Mir hat das Spiel Spaß gemacht, aber ich habe Prioritäten, die klar darüber stehen und die mir nun leider nicht mehr die Zeit dazu lassen. Vielleicht ändert sich das ja auch nochmal, aber allen Leuten mangelnde Klugheit zu unterstellen, die ein bestimmtes Hobby hat, das man selbst augenscheinlich nicht näher kennt, ist doch sehr vermessen.
Ich bin ebenfalls lange in der IT-Beratung tätig gewesen, habe allerdings Philosophie, Linguistik, ein paar Sprachen und schließlich doch noch Informatik studiert. Aber ich bin deswegen nicht so abgehoben, um mir zu fein für ein schönes Spiel zu sein.
Ich bin seit 20 Jahren selbstständiger IT-Berater und habe bei meiner Arbeit so viel mit Datenschutz zu tun, dass sich meine Neugierde für die Forumsseiten des Bundesbeauftragten in der Freizeit leider in sehr engen Grenzen hält.
Ich bemühe mich auch, mich mit kulturpessimistischen Äußerungen, die vielleicht eine Spätfolge meines Kunststudiums sind, zurückzuhalten - aber manchmal gelingt es mir nicht ganz. Nix für ungut.
Man kann wohl doch was bewegen.
D. Konzern reagiert auf die massenhaften Proteste und zieht die angekündigte Änderung zurück. Hier eine Kopie aus dem offiz. Forum:
. 09/07 Real ID:Offener Brief von Mike Morhaime 09.07.2010 09:45:09 PDT
Hallo allerseits!
Ich möchte mit euch allen über unseren Wunsch sprechen, die Blizzard-Foren zu einem besseren Ort für Diskussionen über unsere Spiele zu machen. Wir sind kontinuierlich durch euer Feedback gegangen und haben untereinander eure Bedenken bezüglich der Nutzung realer Namen in den Foren besprochen. Wir haben zu diesem Zeitpunkt entschieden, dass es nicht nötig sein wird, reale Namen für das Verfassen von Beiträgen in den offiziellen Blizzard-Foren zu nutzen.
Es ist wichtig anzumerken, dass wir noch immer vorhaben die Foren zu verbessern. Unsere Bemühungen sind zu 100% von dem Verlangen getrieben, unsere Community-Bereiche für unsere Spieler freundlicher zu gestalten und konstruktivere Diskussionen über unsere Spiele zu ermöglichen. Wir halten auch weiterhin an den neuen Foren-Features fest, wie der Zusammenfassung von Antworten in Gruppen, dem positiven und negativen Bewerten von Beiträgen, der verbesserten Suchfunktion und mehr. Wenn wir die neuen StarCraft II-Foren zur Verfügung stellen, die diesen neuen Features beinhalten, werdet ihr Beiträge anstatt mit eurem realen Namen mit eurem Charakternamen + Charaktercode verfassen können. Die ebenfalls mit diesen Features versehenen, verbesserten World of Warcraft-Foren, werden kurz vor der Veröffentlichung von Cataclysm zur Verfügung gestellt und werden ebenfalls nicht die Angabe des realen Namens benötigen.
Ich möchte klar stellen, dass unsere Pläne für die Foren komplett unabhängig von unseren Plänen für das optionale Freundschaftssystem im Spiel sind, das in World of Warcraft bereits live ist und bald auch in StarCraft II zur Verfügung stehen wird. Wir sind der Überzeugung, dass die weitreichende Kommunikationsfunktionalität des Freundschaftssystems, wie der Chat über verschiedene Spiele-Titel oder Realms hinweg, das Battle.net zu einem großartigen Ort für Spieler machen wird, um mit ihren Freunden im wahren Leben und ihrer Familie verbunden zu bleiben, während sie Blizzard-Titel spielen. Natürlich werdet ihr auch weiterhin die Möglichkeit haben, eure Beziehungen auf der anonymen Stufe eures Charakters zu halten, wenn ihr ich euch im Spiel mit anderen Spielern unterhalten wollt. Mit der Zeit werden wir
Ihr Beitrag ist ja doch etwas zu einfach gestrickt.
Hier geht es defintiv um mehr.
Manchmal ist es doch mal gut, über den eigenen Telerrand hinauszugucken, als sich an eigenen Vorurteilen zu ergötzen. Jedem das seine, aber wenn sie doch neugierig geworden sind, gucken sie z.B. sich die Forumsseiten des Bundesbeauftragten für Datenschutz an.
Hier ist der Link für Sie:
https://www.bfdi.bund.de/bfdi_forum/showthread.php?1394-Blizzard-will-in-ihren-Foren-den-bürgerlichen-Namne-veröffentlichen
Wenn man schon so weich in der Marille ist, dass man Stunden, Tage, Monate damit verbringt, sich der "Welt des Kriegshandwerks" zu widmen, dann sollte man nicht verschämt von "WoW" sprechen, sondern zu seinen Vorlieben stehen, mutig mit Springerstiefeln in die Welt marschieren und seinen wahren Namen preisgeben.
Paging