29. November 2012 18:56 Aufstand gegen Assad Syrien vom Internet abgeschnitten

Kein Internet, kein Festnetz, kein Mobilfunk: In weiten Teilen Syriens sind sämtliche Kommunikationsnetzwerke ausgefallen. Die Opposition beschuldigt die Regierung, die laut Aussage eines hochrangigen EU-Mitarbeiters "die entscheidende Schlacht" vorbereitet. Der syrische Informationsminister indes sieht "Terroristen" als Schuldige.

Blackout seit dem frühen Mittag: Syrien hat nach Erkenntnissen mehrerer amerikanischer Unternehmen landesweit den Zugang zum Internet gesperrt. Das US-Unternehmen Renesys, das Netzwerkstörungen protokolliert, berichtete, Syrien sei seit 12.26 Uhr (Ortszeit) ohne Zugang zum Internet. Der Ausfall betreffe das ganze Land. Einzelne Regionen, die zwar über eine syrische IP-Adresse verfügten, aber in Wahrheit mit einem ausländischen Netzwerkzugang verbunden seien, seien aber weiterhin erreichbar.

In einem Blogeintrag schreibt Renesys, seit dem Mittag seien alle der 84 syrischen IP-Adressblöcke nicht mehr erreichbar. Dies führe dazu, dass das Land "aus dem Internet verschwunden sei". Auch die Firma Akamai Technologies erklärte, Syrien sei ihren Messungen nach nicht mehr erreichbar. Das gleiche Ergebnis zeigt auch eine Traffic-Analyse des Internetkonzerns Google, dessen Dienste in Syrien offenbar ebenfalls abgeschaltet sind.

Der syrische Informationsminister indes wies Anschuldigungen zurück, es handle sich um einen von der Regierung herbeigeführten Internet-Blackout: "Es ist nicht wahr, dass der Staat das Internet abgeschaltet hat." "Terroristen" hätten Interverbindungen angegriffen, sagte der Minister im Staatsfernsehen. Dies habe dazu geführt, dass "manche Regionen" vom Netz abgeschnitten seien.

In Teilen Syriens wurde immer wieder während des seit 20 Monaten andauernden Aufstands gegen Präsident Baschar al Assad das Internet abgeschaltet. Es war aber das erste Mal, dass das landesweit geschieht. Der Vorfall ist die schwerwiegendsten Störung der Telekommunikation seit Ausbruch der Kämpfe vor rund 20 Monaten.

Ein hochrangiger Mitarbeiter der Europäischen Union sagte laut Nachrichtenagentur Reuters, Präsident Baschar al-Assad bereite offenbar eine entscheidende Schlacht in der Umgebung von Damaskus vor. Allerdings seien dies noch nicht Anzeichen für einen baldigen Sturz der Regierung Assad. In den vergangenen zwei Wochen haben Rebellen mehrere Armeestellungen überrannt und damit den Machtverlust von Assad in den nördlichen und östlichen trotz der Luftangriffe auf die Aufständischen offenbart.

Auch Fest- und Mobilnetz von Abschaltung betroffen

Aktivisten, die über ein Satellitentelefon kontaktiert worden sind, bestätigten laut der Nachrichtenagentur AP die Netzwerkabschaltung für die Hauptstadt Damaskus. Auch auf Twitter gibt es Berichte über zahlreiche syrische Webseiten, die nicht erreichbar sein sollen. Eine Stichprobe am Nachmittag bestätigte diesen Eindruck. Auf mehrere Regierungsseiten konnte von Deutschland aus nicht zugegriffen werden.

Ein Oppositionsanhänger aus der umkämpften Gegend von Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass nur noch Satellitenverbindungen funktionieren würden. Auch Festnetz- und Mobilfunktelefonate sollen in den Provinzen Homs und Hama im Zentrum des Landes sowie in den südlichen Regionen Daraa und Suweida nicht mehr möglich sein.

Seit mehreren Monaten toben in Syrien Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen: Seit März sind bei den Auseinandersetzungen zwischen den Soldaten von Präsident Baschar al-Assad und Aufständischen nach Oppositionsangaben mehr als 40.000 Menschen getötet worden. Auch in Ägypten und Libyen hatten die alten Machthaber in den Kämpfen gegen die Aufständischen in ihrem Land den Internetzugang landesweit blockiert.