Syrische Studenten Die Zukunft des Landes verkümmert im Flüchtlingslager

Syrische Flüchtlinge warten auf eine Essensration: Eine ganze Generation wächst im Flüchtlingslager auf.

(Foto: REUTERS)

Der Krieg in Syrien zerstört auch Bildungschancen. Professoren fordern nun ein Stipendienprogramm für junge Syrer, damit diese ihr Studium an deutschen Hochschulen fortsetzen können.

Von Roland Preuß

Entspannt ist das Studentenleben schon lange nicht mehr in Syrien. Im Januar vorigen Jahres bombardierten Assads Militärjets die Universität von Aleppo und töteten mehr als 80 Menschen. Sie trafen die Architektur-Fakultät, als die Studenten gerade über ihren Prüfungen saßen. Wenige Monate später starben in Damaskus zwölf Studenten, als Granaten in Uni-Gebäude einschlugen. Es sind nur zwei von vielen Angriffen auf Hochschulen in dem Land.

Schon der Weg zum Hörsaal kann einen das Leben kosten. Viele Studenten und ihre Familie haben deshalb einen anderen Weg angetreten: raus aus den umkämpften Städten oder gleich raus dem Land. Neun Millionen Syrer sind auf der Flucht. Darunter Zehntausende Studenten, die ihr Studium unterbrechen mussten. Sie haben kaum eine Chance, es anderswo fortzusetzen, Syrien droht eine Generation der verpassten Bildung.

200 Professoren fordern nun ein eigenes deutsches Stipendienprogramm für syrische Flüchtlinge, damit diese ihr Studium an deutschen Hochschulen fortsetzen können. Der jungen Generation, die nun vor allem in Flüchtlingslagern aufwachse, "wird einmal die Aufgabe zufallen, das vollkommen zerstörte Land wieder aufzubauen", heißt es in dem Appell, den unter anderen der Historiker Wolfgang Benz, der Münchner Soziologe Armin Nassehi und die Erziehungswissenschaftlerin und frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth unterzeichnet haben.

Die Nachwuchswissenschaftler seien in einer "Situation, die sich ohne Hilfe von außen nicht ändern wird". Ein Stipendium für Deutschland würde diese Menschen nicht nur aus der Hoffnungslosigkeit holen. Es würde zugleich die Aufnahme von Flüchtlingen klug verbinden mit Entwicklungshilfe und einem internationalen akademischen Austausch.

Schnelle Hilfe ist nötig

"Die Resonanz zeigt, dass es an den Universitäten eine breite Unterstützung für solch ein Programm gibt", sagt der Marburger Nahost-Forscher Christoph Schwarz, einer der Initiatoren des Appells. Schwarz hat das Schicksal syrischer Studenten sehr nahe miterlebt, er hat syrische Freunde in Deutschland, einer davon geriet in Not, weil seine syrische Universität sein Stipendium allenfalls noch mit langen Verzögerungen überwies. Wegen des Bürgerkriegs konnte der Promovierte jedoch auch nicht in die Heimat zurück. Auch solchen Akademikern könnte ein Stipendium helfen, sagt Schwarz.

Gefragt sind nun der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Auswärtige Amt, die ein Extra-Stipendienprogramm auflegen könnten. DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel begrüßt die Initiative. "Es ist tatsächlich schnelle Hilfe nötig", sagte sie der Süddeutschen Zeitung. Trotz der schwierigen Lage fördere die Organisation weiter den Austausch von Studenten mit dem Land und wolle dies ausbauen. Man rede bereits mit dem Auswärtigen Amt und dem Bundesentwicklungsministerium.

Positive Erfahrung gibt es bereits, in einem ähnlichen Programm unterstützte das Auswärtige Amt seit 1992 Tausende ausländische Studenten, die meisten aus Afrika. Fast jeder fünfte fand später einen Spitzenjob in der Regierung oder in Unternehmen.