Studentische Hilfskräfte an Universitäten "Hiwis neigen zur Selbstausbeutung"

Professors Packesel oder Traumjob? Mit dem Beginn des neuen Semesters treten auch wieder Zehntausende studentische Hilfskräfte ihre Stelle an. Oft werden sie gnadenlos ausgenutzt. Wie sich Hiwis am besten verhalten.

Interview: Johann Osel

Ihr Rufname klingt nicht sonderlich respektvoll: "Hiwi". Doch ohne studentische Arbeitskräfte würde im alltäglichen Betrieb einer Hochschule nicht alles glatt laufen. Um die 100.000 von ihnen gibt es an Lehrstühlen als Rechercheur für den Professor, als Aufsicht in den Bibliotheken oder als Helfer in Rechenzentren und Laboren - die Schätzungen variieren. 2011 hat sich die "Tarifinitiative NRW" gegründet, Studentenvertreter aus vielen Uni-Städten an Rhein und Ruhr tragen sie, ebenso Gewerkschaften sowie das Netzwerk Wissenschaftsnachwuchs. Ihre Hauptforderung: zumutbare Arbeitsbedingungen.

Hiwis haben nicht immer die spannendsten Aufgaben - aber dennoch sind die Jobs begehrt.

(Foto: dpa)

Paula Wiesemann, 26, war selber HiWi und hat ihren Job derzeit zugunsten ihrer Masterarbeit auf Eis gelegt. Im Netzwerk Wissenschaftsnachwuchs kümmert sie sich um die Sorgen anderer Uni-Jobber.

SZ: Ist studentische Hilfskraft nicht eigentlich ein Traumjob? Man verdient sich an der Uni, wo man als Student ohnehin viel Zeit verbringt, Geld dazu; man geht auf Tuchfühlung mit Professoren, die einen vielleicht später mal prüfen.

Paula Wiesemann: Das ist eben die Frage, die wir bei unseren Treffen rauf und runterdiskutieren. Knackpunkt ist ja die Nähe zur Hochschule - im positiven wie im negativen Sinne. Vielen nützt der Job für ihr Studium, sie machen ihn gerne, aus Begeisterung. Man hat leichter Zugang zur Infrastruktur, und sei es nur die Benutzung eines Druckers. Da ist der Kontakt zu den Lehrkräften und etwa zu den Mitarbeitern der Fakultät. Das ist alles wunderbar - solange es reibungslos läuft. Falls aber Probleme auftreten, dann macht sich die klassische Hierarchie bemerkbar: die fatale Doppelrolle des Professors als Arbeitgeber und als Prüfer. Und Probleme treten nun mal vor allem dann auf, wenn die Schattenseiten des Jobs ins Spiel kommen und man versucht, gewisse Rechte durchzusetzen.

Wo genau liegen die Schattenseiten?

Es ist trotz aller Vorteile eine prekäre Beschäftigung. Die Verträge sind fast immer befristet, in guten Fällen für ein halbes oder ganzes Jahr, oft aber nur für ein paar Monate. Da weiß man im November nicht, ob man im Dezember noch beschäftigt ist, Planungssicherheit fehlt. Und es ist in der Regel eine Tätigkeit mit flexiblen Arbeitszeiten, Aufopferungsbereitschaft ist gefragt. Aber einige der Hiwis neigen sicherlich auch von sich aus zur Selbstausbeutung. Nicht zuletzt, weil es ja auch ihr eigenes Forschungsinteresse ist, für das sie arbeiten; und weil sie, solange es gut läuft, eine Reihe von Vorteilen darin sehen.

Aber eine Befristung ist doch in diesem Fall halb so schlimm, es sollte ja keine Anstellung auf Lebenszeit sein.

Ja und nein. Die meisten rechnen sich positive Effekte für ihr Studium und für ihre Laufbahn aus, sehen den Job vielleicht sogar als Grundlage für eine spätere wissenschaftliche Karriere. Gerade dann ist das nicht wie ein Ferienjob, den man so nebenbei macht. Sondern es kommt Emotionalität ins Spiel. Da deutet man das als Zeichen einer geringen Wertschätzung. Außerdem macht sich die fehlende Planbarkeit beim Geld bemerkbar: Hilfskräfte bestreiten oft einen großen Teil ihres Lebensunterhalts damit, da kann man nicht von heute auf morgen locker darauf verzichten.

Wie sieht es denn mit dem Lohn aus, gibt es einen Tarifvertrag?

Es gibt keine einheitliche Bezahlung, nur eine Richtlinie in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder. Dort ist ein Höchstsatz aufgeführt - 8,60 Euro für Studenten ohne einen Abschluss, ungefähr zehn Euro etwa mit einem Bachelor. Meist wird etwas weniger bezahlt, der Durchschnitt dürfte um die acht Euro liegen. Tarifvertrag gibt es keinen, nur Berlin ist eine Ausnahme.