Spitzenforschung In ist, wer drin ist

Mehr Macht für den Bund: CDU-Bildungsministerin Johanna Wanka.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Das neue Konzept für die dritte Runde der Exzellenzinitiative steht fest, nun beginnt das Rennen um die Fördermittel. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Johann Osel

Immer wieder waren - teils nur vermeintliche - Details zur künftigen Exzellenzinitiative durchgesickert; Ministerialbeamte von Bund und Ländern hätten sich aber, so hört man, eher mit Eisenzangen verhören lassen, als das Konzept für die Zukunft der Spitzenforschung auszuplaudern. Nun hat die Fachpolitik am Freitag den neuen Rahmen für den Elite-Wettbewerb vorgestellt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ändert sich in Zukunft genau?

Bisher gab es drei Förderlinien: je gut 40 Doktorandenschulen und Forschungsbereiche, sogenannte Cluster, zudem die Kür ganzer Hochschulen. Zuletzt hatte es elf "Elite-Universitäten" gegeben. Fortan entfällt die Förderlinie für Doktorandenausbildung. Jährlich werden 533 Millionen Euro bereitgestellt, der Bund zahlt drei Viertel davon. Zunächst gibt es keine zeitliche Befristung. Das für Cluster eingeplante Geld dürfte für bis zu 50 Förderungen reichen (auch Unis im Verbund). Bei den Elite-Unis werden es wohl weniger als elf. Neu ist eine Pauschale für Hochschulen mit Cluster, sie ist für die strategische Stärkung der Hochschule gedacht - eine Art "Elite-Uni light".

Ist der Doktoranden-Topf verzichtbar?

Dass Graduiertenschulen nicht mehr gefördert werden, hat im Januar eine Expertengruppe empfohlen. Eine gute Doktorandenausbildung solle für jede Uni selbstverständlich sein. Tatsächlich hat die bisherige Förderung (aber auch die Debatte nach prominenten Plagiatsfällen) Impulse geliefert, viele Unis haben strukturierte Doktorandenprogramme mit enger Betreuung aufgelegt. Allheilmittel für bessere Dissertationen ist das nicht - aber ein Ansatz. Ob Unis auch neue Angebote aufbauen und bestehende gut finanzieren? Mal sehen.

Wie ist nun der Zeitplan? Der offizielle Beschluss kommt noch: Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten wollen Mitte Juni entscheiden. Dass sie das Konzept ihrer Minister verändern, ist kaum zu erwarten. Noch 2016 soll es dann die Ausschreibung geben, danach eine reguläre Begutachtung der Anträge. Ende 2019 soll die Förderung starten. Damit etwa bestehende Cluster ihren Betrieb nicht sofort voll herunterfahren müssen, ist eine Brückenfinanzierung geplant.

Hat jetzt der Bund mehr Macht, weil er drei Viertel der Kosten übernimmt?

Eindeutig ja. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatte zwar mehrmals demonstrativ betont, dass sie keine "Bundes-Universitäten" wolle. Die neue Finanzierung der Exzellenzinitiative kann man aber tendenziell so deuten. Es passt zu einem Trend, wonach die Länder in der Wissenschaft zunehmend den Bund ins Boot holen - wohl wegen der Kassenlage. Die neue Exzellenz-Förderung ist unbefristet, nach sieben Jahren gibt es eine Evaluierung. Grundlage für diese dauerhafte Förderung ist die Lockerung des Kooperationsverbots Ende 2014. Zuvor war laut Grundgesetz eine gemeinsame Forschungsfinanzierung nur befristet und projektbezogen erlaubt. Weiteres Beispiel für den erwähnten Trend: Das Bafög hat der Bund inzwischen allein übernommen. Es zeichnet sich eine Modifizierung des Bildungsföderalismus ab, der nur noch in der Schulpolitik Blüten treibt. An Wankas Vorgängerin Annette Schavan klebte ein fieser Spottname: "Ankündigungsministerin". Die Amtsinhaberin hat ganz andere Optionen.

Bedeutet die unbefristete Förderung, dass das Standing erfolgreicher wie auch erfolgloser Unis zementiert wird?

"Wer einmal im Klub ist, hat gute Chancen, auch drin zu bleiben", meinte die Bildungsgewerkschaft GEW. "Es geht darum, ein Zweiklassensystem zu etablieren." Begründete Kritik. Lange tat man sich hierzulande schwer anzuerkennen, dass Unis unterschiedlich sind. Die Exzellenzinitiative hat erstmals "Elite" benannt. Rektoren haben Angst, dass sie - einmal als forschungsschwach verschrien - für immer eine Lehruniversität und Mittelmaß bleiben. Die neue Exzellenzrunde wird denen, die nicht zum Zuge kommen, dauerhaft zu schaffen machen. Seit Jahren predigt die Politik zwar, dass Unis ihre Stärken pflegen sollen; dass eine gute Lehre eine ebenso "wertvolle Leistungsdimension" sei. Das glauben Rektoren nur nicht so.