Schule Soll man Jungen und Mädchen getrennt unterrichten?

Frontalunterricht oder Projektarbeit: Mädchen und Jungen haben unterschiedliche Ansprüche an den Schulunterricht.

(Foto: dpa)

In der Debatte um geschlechtergetrennten Unterricht geht es um reale Verbesserungen für die Kinder - aber auch um ideologische und politische Anschauungen der Erwachsenen.

Von Petra Steinberger

Man kann sich ohne Jungs viel besser konzentrieren. (LoveI auf mädchen.de)

Schule ohne Jungs kann ich mir nicht vorstellen. Dann ist es zu ruhig und langweilig. (xXNad auf mädchen.de)

Vor kurzem war mal wieder Girls' Day, der seit einigen Jahren Girls' und Boys' Day heißt. An diesem Tag versucht man Mädchen sogenannte "männliche" Ausbildungswege und Berufe näherzubringen: Mathematik, Chemie, Physik, und das große, weite Feld der Ingenieurskünste - technische Berufe eben. Und bei Jungs soll es andersherum funktionieren.

Entscheidung fürs Leben an einem Tag?

Warum nimmt man sich nur so wenig Zeit, warum nicht Mädchen und Jungen gleich ganz anders heranführen und dabei herausbekommen, ob sie sich tatsächlich von Natur aus oder durch den Einfluss von Kultur und Gesellschaft immer noch recht wenig für die jeweils "anders" besetzten Bereiche interessieren. Die Antwort ist doch klar, heißt es, sieht man doch in der Schule, Mädchen beispielsweise schneiden in technischen Fächern schlechter ab, Jungs in den "weichen" Fächern. Sie wollen nicht, sie können nicht.

Aber liegt diese Entwicklung möglicherweise, sagen derzeit nicht wenige Wissenschaftler, Lehrer, Eltern, an der Schule selbst, genauer gesagt an den gemischten Klassen, an der sogenannten Koedukation? Denn diese funktioniere zu sehr nach geschlechtsspezifischen Stereotypen und berücksichtige die Besonderheiten, die Andersartigkeit kaum.

Vorteile vor allem für Mädchen

Verfechter dieser Position sind der Meinung, dass "single sex education", im Deutschen etwas schwerfällig als Monoedukation bezeichnet, vor allem für Mädchen Vorteile bringen kann. Diese reichten von besseren Examensergebnissen und akademischen Leistungen über viel mehr Interesse an eben jenen "männlichen" Fächern bis zu einer größerer Risikofreudigkeit und mehr Wettbewerbsbereitschaft als sonst üblich. Und es gibt tatsächlich diverse Studien, die nachweisen, dass Mädchen in Mathematik, Physik, aber auch im Sport besser abschneiden, wenn sie getrennte Unterrichtsstunden, Mädchenklassen oder Mädchenschulen besuchen - auch langfristig.

Merkwürdig: Wenn das tatsächlich so ist, dann stoßen wir auf einen Widerspruch. Denn in den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Schulen, die nur ein Geschlecht unterrichteten, stetig gesunken, selbst in Ländern, die immer schon eine starke Tradition der single sex education hatten: in England beispielsweise, in Australien oder Hongkong. Aber es waren die Sechziger- und Siebzigerjahre, die die Koedukation zu einem geradezu politischen Ziel machten. Denn es war der Höhepunkt der Emanzipationsbewegung, sowohl der Frauen wie auch der Minderheiten. Gleichheit, gleiches Wissen, gleiche Möglichkeiten, gleiche Anerkennung, dachte man, könne man nur erreichen, wenn wirklich alle an einem gemeinsamen Unterricht teilnehmen würden. Und bis zu einem gewissen Grad hat es dann ja auch funktioniert.