Klassenkampf - der Schulratgeber Sprechen sich Lehrkräfte bei der Benotung ab?

Einmal Note 5, immer Note 5: Beeinflussen sich Lehrkräfte bei der Benotung gegenseitig?

(Foto: Illustration: Jessy Asmus/SZ.de)

Sehr gute Schüler haben oft überall sehr gute Noten, bei schwachen Schülern ist es umgekehrt. Ist das wirklich so? Drei Lehrer erzählen aus der Praxis.

Von Matthias Kohlmaier

Die Leserfrage

Ich bin als Elternvertreter an einem Gymnasium (in Schleswig-Holstein) oft in pädagogischen Konferenzen und Zeugniskonferenzen als Beisitzer dabei. Ich beobachte häufig, dass ein Kind die gleichen Noten über alle Fächer bekommt. Sehr gute Schüler haben überall sehr gute Noten, bei schwachen Schülern ist es mit Zensuren zwischen 4 und 5 ähnlich.

Nun frage ich mich, ob die Lehrkräfte sich austauschen oder der eine sich womöglich an den Noten des restlichen Kollegiums orientiert. Und falls ja: Ist das in Ordnung?

Die Antwort

Über wenig wird an den Schulen so viel diskutiert wie über die Noten: Sind sie gerecht? Und überhaupt noch zeitgemäß? Vielerorts wird längst mit Alternativen gearbeitet. Gerade in den Grundschulen haben sich einige Bundesländer bereits vollständig von den Zensuren verabschiedet und sie durch sogenannte Lernfortschrittsgespräche ersetzt. Schüler, Eltern und Lehrer setzen sich zum Beispiel am Ende eines Halbjahres zusammen und besprechen, was gut läuft und wo sich etwas verbessern muss.

In den allermeisten weiterführenden Schulen Deutschlands werden aber die Leistungen der Schüler mit einer Note zwischen 1 und 6 bewertet. Nach welchen Kritieren sie dabei vorgehen, wie vergleichbar verschiedene Fächer überhaupt sind: drei Lehrkräfte berichten aus der Praxis.

Realschullehrerin für Deutsch und Geschichte

"Wir Lehrer haben wirklich andere Dinge zu tun, als unsere Noten mit denen von Kollegen zu vergleichen! Wenn es auch noch um völlig verschiedene Fächer geht, sehe ich auch überhaupt keinen Sinn dabei. Warum sollte ich den Mathekollegen fragen, was Schülerin XY bei ihm bekommt? Das hat doch gar keine Aussagekraft bezüglich ihrer Fähigkeiten in einem sprachlichen Fach wie Deutsch.

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Da die Zensuren längst nicht mehr handschriftlich, sondern digital eingetragen werden, sehen die Fachlehrer ausschließlich die Noten, die sie selbst in einer bestimmten Klasse gemacht haben. Ist ein Schüler sehr schlecht, fragt man natürlich mal bei Kollegen nach, wie er oder sie sich dort macht - speziell, wenn es auf die Zeugnisvergabe zugeht. Bewegt sich der Schüler in mehreren Fächern um die Note 5 herum, kann man das Gespräch mit ihm suchen und eventuell noch gegensteuern. Das würde im Normalfall der Klassenleiter übernehmen, der in alle Noten seiner Klasse Einsicht hat."