HU Berlin Die Fälle Holm, Münkler, Baberowski

Der Stadtsoziologe Andrej Holm, der Politologe Herfried Münkler, der Historiker Jörg Baberowski: um diese Wissenschaftler sind zuletzt an der Humboldt-Universität und darüber hinaus kontroverse Diskussionen entbrannt.

Von Jens Schneider

Zu Jahresbeginn geriet die Berliner Humboldt-Universität in den Fokus eines Streits, der eigentlich Sache der Berliner Politik war. Die Uni-Präsidentin Sabine Kunst entschied, dass der Stasi-belastete Stadtsoziologe Andrej Holm nicht weiter an der Hochschule lehren dürfe. Holm hatte kurz zuvor bereits seinen Posten als Staatssekretär im rot-rot-grünen Senat auf politischen Druck hin aufgegeben. Studenten besetzten daraufhin über Wochen das sozialwissenschaftliche Institut der HU. Sie blieben auch, nachdem Holm einen Fehler eingeräumt und die Universitätsspitze die Kündigung in eine Abmahnung umgewandelt hatte. Im Interview blickt Kunst auf die Besetzung zurück. Vor allem aber spricht sie über eine generelle Entwicklung an den Hochschulen, die ihr Sorgen bereitet. Es geht um öffentliche Angriffe auf Professoren und deren Integrität als Hochschullehrer.

Zwei prominente Beispiele an der Humboldt-Universität sind der Politikwissenschaftler Herfried Münkler und der Osteuropahistoriker Jörg Baberowski. Münkler ist einer der bekanntesten deutschen Politikwissenschaftler. Er wurde aber immer wieder - in der Regel anonym - als Militarist und Gewaltverherrlicher beschimpft. Der Historiker und Osteuropa-Experte Baberowski wurde unter anderem wegen seiner kritischen Haltung zur Flüchtlingspolitik der Bundesregierung angegangen und als "rassistisch" diffamiert. Er ging dagegen juristisch vor, zuletzt weitgehend erfolgreich. Das Landgericht Köln verbot dem Asta der Universität Bremen, Baberowski einen "Rassisten" und "Hetzer" zu nennen. Dagegen durfte behauptet werden, dass er "rechtsradikale Positionen" vertritt. Das Gericht sah dies durch die Meinungsfreiheit gedeckt, unabhängig von der Frage, ob die Bewertung zutreffend oder falsch, fair oder unangemessen ist.