18. Februar 2013 10:18 Porsche-Betriebsrat Uwe Hück Heimkind, Box-Meister, Bildungsbotschafter

Uwe Hück hat sich durchgeboxt, im wahrsten Sinne des Wortes. Heute ist der einstige Sonderschüler Betriebsratschef bei Porsche - und seit neuestem auch Bildungsbotschafter. Das bringt dem 1,90-Meter-Mann schöne Schlagzeilen, die den jüngsten Trubel um ihn vielleicht vergessen lassen.

Von Johann Osel

Zeitungsporträts von Uwe Hück erwecken zuweilen den Eindruck, der Reporter habe ein bisschen Angst vor dem 1,90-Meter-Mann mit dem prägnanten Glatzkopf. "Dieser Händedruck! So fest, dass es fast schmerzt. Schon bei der Begrüßung signalisiert Uwe Hück: Du hast es hier mit keinem Weichei zu tun", hieß es mal in der Wochenzeitung Die Zeit. Und in der Süddeutschen Zeitung fühlte sich der Autor beim Handschlag wie in einen Schraubstock eingeklemmt - "und wenn er einem unverhofft auf die Schulter klopft, dann ist das wie ein Schlag mit einem Vorschlaghammer".

Hück, 50, ist Betriebsratsvorsitzender und Vize-Aufsichtsratschef beim Autobauer Porsche. Schon oft erzählte er seine Lebensgeschichte, auch in Buchform. Das frühere Heimkind, der Sonderschüler Hück kommen darin vor, der Lackiererlehrling, Sozialdemokrat und Gewerkschafter, der Europameister im Thai-Boxen, der Macher in einer Führungsetage der Wirtschaft.

Hochgearbeitet, durchgeboxt. Dass derlei klappen kann, will er in Projekten mit Schülern, vor allem mit auffälligen Kindern, vermitteln. Dafür wird ihn die Bildungsmesse Didacta, die diese Woche in Köln stattfindet, als "Bildungsbotschafter 2013" ehren.

"Integration durch Bildung, nicht durch Spätzle mit Soße"

Personen, die sich "in besonderer Weise für Kinder starkmachen", werden seit 2007 jährlich auf dieser Messe ausgezeichnet. Das ist stets ein kleines Highlight der Schau, auf der sich ansonsten Horden von Lehrern über Schulbücher informieren oder Initiativen und Stiftungen aus dem Bildungswesen ihr Schaffen präsentieren. In den vergangenen Jahren wurde etwa die TV-Köchin Sarah Wiener gekürt, ihre Stiftung bietet Grundschülern Kochkurse an; oder der Rapper Samy Deluxe, der bei Hip-Hop und Basketball Kinder aus ärmeren und reichen Stadtteilen zueinander führt.

Und nun also Uwe Hück; er trainiert Jugendliche im Thai-Boxen, in einem Stadtteil mit vielen Migranten und benachteiligten Familien. Ihnen will Hück helfen, zeigt beim Sport, wie sie ihre Energie steuern können. Er will Werte vermitteln wie Fairplay und Respekt. Und er will durch seine Person zeigen, dass man was erreichen kann, wenn man den Hintern hochbekommt: "Denen wird oft vermittelt, dass ohnehin Hartz IV ansteht, wenn die Schule aus ist", sagt er und ergänzt das mit einer Sport-Metapher. "Wer in der Kabine hockt, schießt kein Tor. Wer auf den Platz geht, fällt auch mal hin, hat aber die Chance, ein Tor zu schießen."

"Integration geschieht durch Bildung, nicht durch Spätzle mit Soße. Davon wird man satt, aber nicht integriert", sagt Hück. Die Didacta-Macher waren auf ihn aufmerksam geworden, wollten wissen, wie er sich das Bildungssystem vorstelle. "In Deutschland gibt es über siebeneinhalb Millionen funktionale Analphabeten. Da läuft etwas schief", sagte er.

Vor allem müsse man das Augenmerk auf die Schularten legen, die nicht wie das Gymnasium hofiert werden - und den jungen Leuten dort Mut machen, ihre Talente aufflammen lassen. Dazu gehöre auch Realismus: "Wir haben unterschiedliche Menschen, nicht jeder muss gleich Ingenieur werden. Eine Hand hat fünf Finger, wenn alle genau gleich sind, funktioniert sie nicht."

Es sind schöne Schlagzeilen für den Bildungsbotschafter Hück. Sie lassen vielleicht den Trubel vergessen, mit dem er jüngst in den Medien war. Da geht es um die Volkswagen-Übernahmeschlacht, die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat alle Mitglieder des früheren Porsche-Aufsichtsrats wegen Verdachts der Beihilfe zur Kursmanipulation im Visier. Hück bleibt gelassen: An den Vorwürfen gegen die Aufsichtsräte sei "nichts dran".