Streit um Studiengebühren Was die Unis mit dem Geld machen

Münchens Hochschulen bezahlen mit Studienbeiträgen vor allem zusätzliche Dozenten. Doch manchmal kaufen sie Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein müssten - etwa DIN-Normen für Ingenieursstudenten oder technische Ausstattung für den Hörsaal.

Von Sebastian Krass

Ausstattung der Tiermedizinischen Fakultät in München: Möglicherweise müssen Bayerns Studenten bald keine Studiengebühren mehr zahlen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Diskussion über die Studiengebühren in Bayern hat zwei Ebenen: zum einen die grundsätzliche, ob man sie will oder ablehnt. Zum anderen geht es darum, wofür man die Studiengebühren ausgeben soll, wenn es sie nun einmal gibt. Diese Debatten sind seit der Einführung im Jahr 2007 nie versiegt und haben sicher zur aktuellen Diskussion über eine mögliche Abschaffung beigetragen.

Laut Gesetzestext dienen die Zwangsgebühren der "Verbesserung von Studienbedingungen". Streit entstand immer dann, wenn die Studenten in den paritätisch besetzten Vergabekommissionen argwöhnten, dass Geld mangels Ideen für unsinnige Anschaffungen ausgegeben werde oder dass es in Posten fließen solle, die eigentlich zur Grundausstattung gehörten, also Sache des Freistaats seien.

Etwa 180 Millionen Euro nehmen die Hochschulen in Bayern pro Jahr ein, damit wurde auch viel Positives bewirkt, das niemand missen möchte. Und das in Frage steht, sollten die Studiengebühren abgeschafft werden. Ein Überblick darüber, was an Münchner Hochschulen aus Studiengebühren bezahlt wird.

Personal

Der größte Teil des Geldes geht für Personal drauf. An der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) sind es etwa 70 Prozent. Die größte deutsche Uni finanziert mit 13 Millionen Euro aus Studiengebühren allein 384 Beschäftigte, davon hat knapp ein Drittel unbefristete Stellen. Zudem bezahlt die LMU aus den Studiengebühren Tutoren und Lehrbeauftragte.

Viele Vollzeitstellen sind als sogenannte Lehrkraft für besondere Aufgaben ausgeschrieben, oder auch: Lecturer. Das sind Mitarbeiter, die bis zu 18 Semesterwochenstunden unterrichten, also deutlich mehr als normale wissenschaftliche Assistenten. Dank dieser Lehrkräfte gibt es mehr Kurse mit jeweils weniger Teilnehmern. So haben die Studiengebühren an der LMU dazu beigetragen, einige besonders drastische Symptome des Phänomens Massen-Uni abzumildern. Am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft werden inzwischen 35 Prozent des Lehrangebots von Dozenten abgedeckt, die aus Studiengebühren finanziert sind.

Außerdem bezahlt die LMU aus den Studiengebühren sogenannte Studiengangskoordinatoren. Das sind Posten, die nach der Bologna-Reform nötig wurden, weil das Bachelor- und Mastersystem eine Unzahl an neuen Fragen und Unklarheiten aufgeworfen hatte. "Ohne diese Leute würde alles zusammenbrechen", ist immer wieder aus den Unis zu hören.

Die Technische Universität (TU) beschäftigt 225 Personen mit Mitteln aus Studiengebühren, knapp 20 Prozent der Stellen sind unbefristet. Man habe derzeit "keine Planungen", wie es damit weitergehen könnte, wenn die Einnahmen wegfallen sollten, sagt ein TU-Sprecher.

Bauten und Ausstattung

Dieser Bereich birgt großes Konfliktpotenzial. Baumaßnahmen seien grundsätzlich Aufgabe des Freistaats, sagen die meisten Studentenvertreter. Dennoch setzt die TU zum Beispiel derzeit 650.000 Euro aus Studiengebühren zur "Erneuerung der Hörsaalkühlung" ein. Die Studenten hatten dagegen gestimmt, doch bei einem Patt hat der Hochschulchef das letzte Wort, und TU-Präsident Wolfgang Herrmann genehmigte die Investition.

Es war der erste Vorgang dieser Art an der TU. Die technische Ausstattung von Hörsälen und Seminarräumen mit Beamern und anderem technischen Gerät ist ein ewiger Streitpunkt. Ist das Grundausstattung? Und ist es im Sinne des Gesetzes eine "Verbesserung von Studienbedingungen", wenn funktionierende Geräte durch neue ersetzt werden, die Studenten bezahlt haben? Auch um diese Frage kreiste im Sommer ein Streit an der TU.

Auch an der Hochschule für angewandte Wissenschaften München (HM), früher Fachhochschule, kommt es gelegentlich zu Konflikten in den Vergabekommissionen, auch dort hat die Hochschulleitung schon das Veto der Studenten gebrochen. Der Bau des "Lernzentrums" aber geschah in Einigkeit. Dafür wurde 2009 die wenig genutzte Cafeteria unter Mitwirkung der Studenten umgebaut zu einem für alle zugänglichen Arbeits- und Besprechungsraum mit 50 Plätzen.