Vor drei Jahren trat sie zurück, verhasst und isoliert in der eigenen Partei. Jetzt könnte Monika Hohlmeier in die vorderen Reihen der CSU zurückkehren. Von Peter Fahrenholz

Es ist, als ob nichts gewesen wäre. Allenfalls die Brotzeitkarte im Bierzelt im Oberornau (Kreis Mühldorf) fällt etwas aus dem Rahmen. Gyros mit Krautsalat, eine eher seltene Mischung. "I hob de Kart'n leider ned g'macht", sagt der Kellner entschuldigend.

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In der Fraktion keine Verfemte mehr: die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier (© Foto: ddp)

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Aber sonst ist alles wie früher: Die Rednerin trägt ein Dirndl, sie spricht frei und flicht immer wieder den Namen ihres Vaters Franz Josef Strauß ein. Und sie kommt an bei den Leuten. Am Schluss gibt es kräftigen Applaus für Monika Hohlmeier. "A Tochter von ihrem Vater is scho", sagt einer anerkennend.

Dabei ist es nur etwas mehr als drei Jahre her, dass Monika Hohlmeier ganz am Ende war. Gescheitert als Münchner CSU-Vorsitzende, zurückgetreten als Kultusministerin. Die Affäre, in die Monika Hohlmeier verstrickt war, hatte so viele Nebenstränge, dass es gleich für mehrere Rücktritte gereicht hätte.

Da war die Geschichte um gekaufte Mitglieder und gefälschte Mitgliedsanträge in der Münchner CSU, das ominöse Dossier, mit dem sie Münchner Parteifreunde einzuschüchtern versuchte, die Günstlingswirtschaft im Kultusministerium, die Zweckentfremdung von Beamten für parteipolitische Zwecke.

Monika Hohlmeier war so erledigt, wie man als Politiker nur erledigt sein kann. Verhasst bei den Münchner Parteifreunden, deren Retterin sie doch eigentlich sein sollte, isoliert in der CSU-Landtagsfraktion. "Ihre politische Durchschlagskraft gleicht einer warmen Schneeflocke", sagte einer ihrer Kollegen Monate vor dem erzwungenen Rücktritt über sie.

Monika Hohlmeier hat zu ihrem Niedergang selber viel beigetragen. Bis zum Schluss kam ihr kein Eingeständnis eigener Fehler über die Lippen. Sie hatte sich komplett eingemauert mit den wenigen Getreuen, die ihr geblieben waren. Selbst ihre Krankheit, die sie jahrelang quälte und sichtlich zeichnete, verschwieg sie.

Sie nahm lieber alle möglichen Gerüchte in Kauf. Dass sie an Magersucht leide, dass ihr Privatleben durch einen Liebhaber durcheinandergeraten sei. Das sei "ein Nicht-Wahrhaben-wollen" gewesen, sagt sie im Rückblick über diese Zeit.

Heute kann sie offen über die Medikamentenunverträglichkeit reden, die eine Autoimmunkrankheit auslöste, bei der ihr Körper gegen jede Form von Eiweiß rebellierte. Drei Jahre dauerte es, bis die Ursachen aufgedeckt, die Krankheit richtig behandelt wurde. Auch eigene Fehler kann Hohlmeier heute einräumen, früher hat sie Fragen danach mit aufgesetzter Fröhlichkeit niederzureden versucht.

Dass sie sich von Edmund Stoiber hat überreden lassen, den Vorsitz der Münchner CSU zu übernehmen sei "ganz sicher ein Fehler" gewesen. "Ich hätte Nein sagen müssen, das war ein Himmelfahrtskommando." Auch die überstürzte, von Stoiber aufgezwungene Einführung des achtjährigen Gymnasiums sieht sie heute weit kritischer als damals. Damals hat sie sich Stoiber nicht widersetzt.

Monika Hohlmeier wirkt wie jemand, der von einer riesigen Last befreit worden ist. Zum ersten Mal in ihrem Leben ist sie nicht mehr vor allem die Tochter von Franz Josef Strauß, der überall der rote Teppich ausgerollt worden ist. Die Privilegien genoss, aber auch mit den Neidern in den eigenen Reihen und einer gewaltigen Erwartungshaltung fertig werden musste. Es scheint, als ob sie zum ersten Mal bei sich selbst angekommen ist.

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