Skigebiete in Bayern Liftbetreiber atmen auf

Trotz des Neuschnees: Die Skiliftbetreiber in Lenggries müssen weiterhin auf den Speichersee am Brauneck zurückgreifen, um die tieferen Lagen zu beschneien.

(Foto: Manfred Neubauer)
  • Die Skiliftbetreiber in den Alpen sind nach den neuesten Schneefällen erleichtert.
  • Der Streit über Beschneiungsanlagen und Staatsgelder hält in der bayerischen Politik unterdessen an.
  • Trotz des Widerstands der Grünen und der Umweltverbände lässt sich die bayerische Regierung jedoch nicht von ihrer Förderpolitik abbringen.
Von Heiner Effern

Dieser Winter, sagt Egid Stadler, hätte ihn schon einige Nerven gekostet. "Sehr extrem, in alle Richtungen" sei der bisher gewesen. Zuerst die warme Weihnachtszeit, dann der Kaltstart in die Saison am 27. Dezember. Der lang ersehnte Schnee kam erst zum Jahresende. Im Januar ließen Regen, Sturm und Wärme die Pisten wieder schmelzen. Stadler, Geschäftsführer des Skigebiets auf dem Sudelfeld, hatte wegen der Wetterkapriolen harte Tage. Doch die wären "noch viel schlimmer" gewesen, sagt er, wenn nicht die neue Beschneiungsanlage gelaufen wäre. Mit den Schneefällen in diesen Tagen ist das Glück von Stadler perfekt: "Das erste Mal ist jetzt richtig Winter."

Alle Pisten bestens in Schuss, das meldet derzeit nicht nur das Sudelfeld. Die Betreiber von Skigebieten in ganz Bayern atmen auf. Eine Saison, die zu Beginn der Weihnachtsferien mit aperen Pisten viele zum Schwitzen brachte, scheint nun kurz vor dem wirtschaftlich wichtigen Februar einen guten Verlauf zu nehmen. "Schauen Sie aus dem Fenster, uns geht es gut", sagt Matthias Stauch, Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Wenn nicht nur bei ihm in Garmisch-Partenkirchen Schneeflocken an den Scheiben vorbeisausen, sondern auch im Alpenvorland, dann kommen die wichtigen Tagesausflügler. Schön sei es, dass jetzt auch "Mutter Natur" ihren Beitrag leiste, sagt Stauch, doch die Basis der Pisten und des bisher ordentlichen Geschäfts sei der Kunstschnee.

Grüne kritisieren Beschneiungsanlagen

Ludwig Hartmann, Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag, wird das nicht gerne hören. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker der künstlichen Beschneiung von Skigebieten. "Statt mit Kunstschnee einen sterbenden Tourismuszweig künstlich am Leben zu halten, sollte Bayern mehr Energie und Geld in die Entwicklung tragfähiger und ganzjähriger Tourismuskonzepte investieren", fordert Hartmann.

"Widersinnig" angesichts des Klimawandels findet er es, dass die Staatsregierung den Ausbau der Beschneiungsanlagen und den Bau modernerer Lifte finanziell unterstützt. Doch trotz allen Widerstands der Grünen und der Umweltverbände lässt sich der Freistaat nicht von seiner Förderpolitik abbringen, wie eine Anfrage von Hartmann an das bayerische Wirtschaftsministerium belegt.

Künstlich beschneite Fläche wächst

Seit dem Jahr 2009 ist die Fläche, die in Bayern künstlich beschneit werden kann, um 300 Hektar gewachsen. Gut 888 Hektar waren es insgesamt im Jahr 2014. Das bedeutet, dass alle Schneekanonen im Freistaat eine 30 Meter breite Autobahn auf einer Länge von 296 Kilometern mit Schnee belegen könnten. Seit 2007 wurden 17 neue Speicherteiche gebaut, um die Kanonen mit Wasser zu füttern. Daneben bezuschusst der Freistaat mit seinem Seilbahnprogramm den Bau neuer Bahnen, die alte Schlepp- und Sessellifte ersetzen.

Etwa 26 Millionen Euro hätten die Betreiber der bayerischen Skigebiet daraus erhalten, gibt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner an (CSU). "Vor allem der Gürtel entlang der Alpenkette lebt vom Wintersport-Tourismus. Für diese Region ist das ein überlebenswichtiger Wirtschaftszweig, an dem unzählige Arbeitsplätze und Existenzen hängen." Ziel der staatlichen Förderung sei es, die Skigebiete so zu ertüchtigen, dass sie mit der Konkurrenz etwa aus Österreich mithalten könnten. Die steigende Zahl von Gästen würde zeigen, dass sich die Investitionen bereits auszahlten, sagt Aigner. Das entfalte wiederum eine breite Wirkung. "Jeder Arbeitsplatz bei den Bergbahnen zum Beispiel sichert etwa vier Arbeitsplätze bei Zuliefer- und anderen touristischen Betrieben."

Neuschnee sichert das Februar-Geschäft

Auf dem Sudelfeld jedenfalls seien mit Kunstschnee und neuem Lift in dieser Saison deutlich mehr Gäste gekommen als im vergangenen Jahr, sagt Geschäftsführer Egid Stadler. Ohne die neue Beschneiung wäre die Hochsaison in den Weihnachtsferien deutlich schlechter gelaufen. "Da hätten wir nur ein paar Tage mit ein paar Liften fahren können." Gerade in der zweiten Ferienwoche seien mehrmals alle Parkplätze belegt gewesen.

Auch Matthias Stauch, Vorstand der BZB, ist trotz des schwierigen Starts mit der Saison bisher zufrieden. Gerade der wetterwendische Januar sei gut gelaufen. "Aber nur weil wir eine Unterlage aus Kunstschnee hatten." Noch jetzt sei diese in tieferen Lagen wichtig. "Sonst könnten wir nicht vier Talabfahrten anbieten", sagt Stauch. Auch an Nebelhorn und Fellhorn können Skifahrer problemlos bis ins Tal abfahren.

In Oberstdorf konnten diese Saison die ersten Lifte teilweise noch vor Weihnachten den Betrieb aufnehmen. Abfahrten waren aber nur auf Kunstschnee möglich. Nach dem ersten Schnee benötigte man dort wie überall in Bayern noch zwei, drei Tage, um die Pisten zu präparieren. Das reichte gerade noch, um das Weihnachtsgeschäft zu retten. Angesichts 24 Stunden Schneefall von Montag auf Dienstag sieht Jörn Homburg, Marketingleiter der Bahnen, sehr entspannt in die Zukunft. Mit dieser Schneedecke und Top-Verhältnissen könne der Februar mit den Faschingsferien kommen. Und auch die frühen Osterferien passen gut: "In dieser Saison können wir viel aufholen", sagt er.