Zwei Leute starben beim Zugspitzlauf 2008. Im Prozess hat der Veranstalter seine Betroffenheit bekundet. Eine Schuld treffe ihn nicht.
Nach der zweistündigen Vernehmung ist Richter Paul Pfluger noch immer unzufrieden mit Peter Krinninger, 54, Veranstalter des Zugspitzlaufes 2008. "Ich habe immer noch keine Erklärung dafür, warum es plötzlich möglich war, dass Leute kollabieren." So sicher könnten die Bedingungen nicht gewesen sein, wie Krinninger als Veranstalter betone.
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Teilnehmer des Zugspitzlaufes: Der Organisator des Wettbewerbs, Peter Krinninger, beteuert weiter seine Unschuld. (© Foto: AP)
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An seiner Organisation habe es jedenfalls nicht gelegen, dass am 13. Juli 2008 zwei Läufer starben und neun im Krankenhaus behandelt werden mussten, stellt der Veranstalter Krinninger von Anfang an klar. "Ich bin immer noch äußerst betroffen, kann aber mit aller Überzeugung sagen, dass ich keine Schuld daran habe."
Genau das untersucht nun an fünf Prozesstagen das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen. Als Basis dafür dient ein Strafbefehl über 90 Tagessätze, der Krinninger zweifache fahrlässige Tötung und neunfache Körperverletzung bescheinigt. Obwohl er damit nicht vorbestraft gewesen wäre, legte der Veranstalter Widerspruch ein. "Ich bin akribisch alles durchgegangen, habe aber nichts gefunden, das ich mir vorwerfen könnte", sagte er vor dem Amtsgericht aus.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zu leicht bekleidete Läufer nicht am Start gehindert zu haben und das Ziel nicht beim ersten Schneefall nicht auf das Zugspitzplatt hinunterverlegt zu haben.
Die Läufer müssen beim Zugspitzlauf eine 18 Kilometer lange Strecke und etwa 2000 Höhenmeter bewältigen. Am ersten Prozesstag kristallisierte sich eine Hauptfrage heraus: Wie war das Wetter an diesem 13. Juli 2008, wie hat es sich verändert und wie hat der Veranstalter darauf reagiert?
Unstrittig ist, dass es am Start in Ehrwald (Tirol) bei 14 Grad regnete und während des Laufs zu schneien begann. Laut Krinninger änderte sich das Wetter nicht entscheidend, für einen Extremberglauf sei es nicht ungewöhnlich gewesen. Er sei von der Zahl der Läufer mit Problemen vollkommen überrascht worden. "Ich kann es nicht sagen", entgegnete er dem Richter, als dieser nach den Gründen für die Eskalation fragte.
Als die Bergwacht zunehmend Läufer versorgen musste, habe er das Ziel auf die Höhe des Restaurants Sonnalpin auf das Zugspitzplatt hinunterverlegt.
Der Organisator schildert ausführlich, dass er schriftlich und mündlich warme Kleidung empfohlen habe. Dass er einzelne Athleten erfolglos auf ihre kurze Kleidung angesprochen habe. Immer wieder sieht Richter Pfluger in die Luft, wenn Krinninger antwortet, lehnt seinen Kopf hinten an die hohe Lehne seines Stuhles oder lächelt ungläubig.
Krinningers Anwalt Stefan Beulke sagt, was er für den Grund der Eskalation hält. "Es ist unverständlich, warum Leute sehenden Auges weiterlaufen, obwohl sie dazu nicht mehr in der Lage sind." Es gelte auszuloten, wo die Verantwortung des Veranstalters ende und die Eigenverantwortung der Sportler beginne. Das Urteil wird am 1. Dezember erwartet, bei einer Verurteilung werde Krinninger aber in die nächste Instanz gehen, sagte Anwalt Beulke.
- Zugspitzlauf Bergdrama vor Gericht 23.11.2009
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- Zugspitz-Drama Wettlauf mit dem Tod 14.07.2008
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- Zugspitzlauf Fahrlässige Tötung am Berg 17.07.2009
(SZ vom 24.11.2009/bilu)
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Die neueste Antwort
Wo kämen wir hin, wenn immer und überall ein Schuldiger gesucht und gefunden werden muss?!
Bergläufer sind keine unmündigen Zeitgenossen sondern erwachsene Menschen, die genau wissen (sollten) was sie erwartet. Wer es nicht weiss, muss mit den Konsequenzen rechnen.
Da laufen Leute auf die Zugspitze, die das Profil der Strecke nicht kennen. Im unteren Bereich wird auf 80% der Strecke gelaufen, dann im oberen Bereich wird - na was wohl - da wird gestanden und in der Schlange gewartet.
Wer miit einem nassen Hemd im kalten Wind bei 2 Grad schon einmal langsam gegangen oder gestanden ist weiss was ihn erwartet. Wer da keine winddichte Jacke dabei hat dem gehts an die Substanz.
Hallo,
mich nerven die Kommentare und Berichterstattungen von Leuten, die
einfach keine Ahnung vom Berglauf haben. Ich habe bis jetzt einige Bergläufe
gemacht, davon 4 mal den Zugspitzlauf. Auch 2008 war ich dabei.
Erstmal zum Berglaufen an sich: Berglaufen ist kein Extremsport! Meist läuft man
über Forstwege und wenn es sehr steil oder unwegsam wird, gehen etwa 80%
aller Teilnehmer. Auch habe ich den Eindruck, dass die Teilnehmer bei den Bergläufen
weniger leistungsorientiert sind als beim Standard 10km Stadtlauf, wo jeder
seine Zeit verbessern möchte. Beim Berglauf kommt es auf das Ankommen an
und man muss schon sehr genau in sich hinein hören, ob das gewählte Tempo
passt. Aber jede Mountainbiketour ist um einiges "extremer" als ein Berglauf!
Zum Zugspitzlauf 2008: Von einem Wettersturz kann man dabei wohl kaum sprechen.
Vor dem schlechten Wetter wurde mehrfach gewarnt: auf der Website des Veranstalters, im Radio, in den Startunterlagen und auch in einer Durchsage
kurz vor dem Start. es war klar, dass man sich warm anziehen sollte. Das
habe ich auch gemacht und bin vollkommen ohne Probleme am Sonnalpin angekommen.
Auch waren die meisten der Mitläufer warm angezogen. Ich hatte schon am
Start fest mit Schneefall gerechnet. Aber ich bin auch schon im Winter in den
Bergen bei Schneefall gelaufen, so dass ich weiss worauf ich mich einlasse.
Das grosse Problem bestand darin, dass man nach 2 Stunden Dauerregen klitschnass uf die Zugspitzplatte gelaufen ist, wo auf einmal der Schnee mit einer irren
Geschwindigkeit geweht hat. Das hat sicherlich viele überrascht. Aber
mit ausreichender Bekleidung war das KEIN Problem.
Den Veranstalter trifft meiner Meinung nach keine Schuld. Für seine Bekleidung
ist jeder selbst verantwortlich. Ein Abbruch vor Sonnalpin wäre logistisch nicht möglich
gewesen, da sonst auf einmal hunderte von Leuten über schmale Pfade bergab
hätten gehen müssen.
Ich würde mir wünschen, dass die Berichte etwas objektiver ausfallen würden. In
Österreich und der Schweiz sind Bergläufe Volkssport und da käme keiner auf
die Idee Bergläufer zu beschimpfen.
Gruss,
Bergläufer
Ich war 2007 selbst Teilnehmer an dieser Veranstaltung. die Rahmenbedingungen für einen hochalpinen Lauf gefielen mir nicht. Es gab für mich einige Dinge in der Organisation die nicht o.k. sind. nur als Beispiel das sich die Wärmekleidung bei Streckenkürzung nicht im runter verlegten Ziel befindet. Ein Veranstaltungenim hochalpine Gebiete bedürfen unbedingtl einiger Auflagen was Ausrüstung betrifft. Beispiele wo es anders läuft gibt es genug - Birkebeiner-Rennet- in Norwegen, hier geht keiner ans den Start ohne vorgeschriebene Ausrüstung dabei zu haben. Und selbst diese traditionsreiche Rennen wurde 2008 wegen schlechter Wetterverhältnisse abgebrochen.
Hier ein nicht unerhebliches Startgeld zu kassieren einen Haftungsausschluß unterschreiben zu lassen und dann billigend in Kauf nehmen das die Leute ins Desaster rennen, dabei hätte ichgewaltig Bauchweh.
Natürlich sind die Teilnehmer eine gehörige Portion mit Schuld. Aber lieber einen Betrag in den Sand gesetzt als mit dem Leben bezahlt. Diese Form der Sportveranstaltung solte nicht Schule machen. Somit könnte dann jeder x-beliebige Startgelder kassieren unterfragwürdige Rahmenbedingungen. Gerade von einem so erfahrenen Mann wie Krinninger hätte ich erwartet das er rechtzeitig die Reißleine zieht und noch vor dem
Gatterl abbricht. Auslöffeln konnte die Suppe die Bergwacht, wer hat da wohl im nach hinein gespendet, das wäre noch interessant.
Sport ist gesund -wird immer behauptet. Das scheint aber nur den organischen Aspekt dieses Tuns anzugehen.Die geistig-intellektuelle Seite leidet augenscheinlich,wie ist es sonst zu erklären,dass erwachsene Menschen, die ernst genommen werden wollen,aus verfehltem Ehrgeiz sich ums Leben rennen?
Jede Extremsportart (auch der Berglauf ist eine) birgt ein -kalkulierbares?!- Risiko.
Wenn ich mich einem solchen Tun hingebe,sollte ich in der Lage sein,dieses auch abzuwägen.
Dass das Wetter in den Bergen rasch wechseln kann ist selbst im mittleren Zentralwestfalen bekannt.Insofern meine ich,kann den Veranstalter keine Schuld treffen.
Der Richter scheint ja, folgt man dem Geschriebenen, schon eine Meinung dazu zu haben ... Vielleicht ist er selber so ein Möchtegern-Extremsportler, der zwar nur macht, was er sich in den Kopf gesetzt hat, aber unter Ausschluss jedweder eigenen Verantwortung? Ich habe so den Eindruck.
Es ist schon ein Witz: Leute, die trainiert sind, die wohl bei Wind und Wetter laufen, die hart im Nehmen sind und viele Unbill auf sich nehmen, um bei einem Extremsport mitzumachen (den eben nur spezielle Leute machen, weil extrem) - sind dann andererseits zu ahnungslos, um das Ganze richtig einzuschätzen. Dabei wusste ich schon als Kind (und ich bin in der Stadt aufgewachsen!), dass die Verhältnisse am Berg unberechenbar sind und der Berg im Zweifelsfall IMMER der Stärkere ist.
Die Leute sollten ihre Teilnahmeanmeldung nur unterschreiben dürfen, wenn sie die Allgemeinen Respekts-Bedingungen für Bergsport anerkennen.
Vielleicht sollte man doch die Krankenversicherungsbeiträge für Extremsportler erhöhen? Und auf diese Weise gleich mal die Selbstverantwortung schulen. Nicht machbar, ich weiß ...
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