Pläne für Kraftwerk am Jochberg "Ein gigantischer Eingriff in die Natur"

Der 1565 Meter hohe Jochberg, hier vom Walchensee aus gesehen, ist eine beliebte Wanderregion.

(Foto: Manfred Neubauer)

Ja zur Energiewende - aber nicht auf Kosten der Bergwelt: Die Pläne für das Kraftwerk am Jochberg sorgen für Kritik. Die Umweltverbände argumentieren: Für die Energiewende braucht es keine neuen Pumpspeicher-Anlagen, weil sie als Stromspeicher ungeeignet sind.

Von Christian Sebald

Die Pläne für ein gigantisches Pumpspeicherkraftwerk (PSW) auf dem oberbayerischen Jochberg haben das Zeug dazu, dass an ihnen der Grundsatzstreit um solche Anlagen ausgetragen wird. Wenige Tage nach Bekanntwerden des Projekts formieren sich die Gegner. Zwar sind ihre ersten Stellungnahmen noch vergleichsweise moderat, schließlich sind bislang nur Umrisse des 600-Millionen-Euro-Vorhabens bekannt. Aber es zeichnet sich ab, dass die Umweltverbände das PSW strikt ablehnen werden. "Im Zeichen der Energiewende wird nun offenbar zum Großangriff auf die letzten naturnahen Erholungslandschaften in Bayern geblasen", sagt Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bundes Naturschutz (BN). Derweil verteidigt Umweltminister Marcel Huber (CSU) die Kraftwerke als "wichtigen Beitrag für das Energieversorgungssystem".

Nicht nur der Bund Naturschutz, auch der Vogelschutzbund LBV und der Deutsche Alpenverein stehen dem Plänen sehr kritisch gegenüber. Aber auch kleinere Umweltverbände wie der "Verein zum Schutz der Bergwelt" bringen sich dagegen in Stellung, dass unterhalb des 1565 Meter hohen Jochbergs ein PSW mit 700 Megawatt Leistung errichtet wird.

Das PSW am Jochberg wäre das bisher größte seiner Art in Bayern. Dafür soll auf 1300 Metern Höhe ein Speichersee mit 22 Hektar Fläche, einem Damm mit maximal 35 Metern Höhe und einem Fassungsvermögen von drei Millionen Kubikmetern Wasser in den beliebten Ausflugsberg hineingegraben werden. Die übrigen Anlagen - ein 600 Meter tiefer Schacht, durch den das Wasser auf die Turbinen stürzt, das Turbinenhaus und der Auslaufkanal in den Walchensee - würden unterirdisch errichtet, sodass sie später unsichtbar wären. Der Investor ist die Energieallianz Bayern, ein Zusammenschluss aus 33 Gemeinde- und Stadtwerken aus Bayern. Die Pläne sind bereits so weit gediehen, dass noch in diesem Jahr das Raumordnungsverfahren eingeleitet werden könnte. Baubeginn selbst könnte in fünf Jahren sein.

"Der Pumpspeicher am Jochberg hat rein gar nichts mit einem netten Landschaftssee zu tun" schimpft BN-Chef Weiger. "Das ist ein gigantischer Eingriff in die Natur und massives technisches Bauwerk, das den ganzen Berg zerstört." Weiger bestreitet entschieden, dass PSW für die Energiewende nötig sind. Als Stromspeicher seien sie ungeeignet. "Denn sie können nur über kurze Zeiträume hinweg Strom liefern", sagt Weiger, "was wir brauchen, sind aber Langzeitspeicher, die bis zu 8000 Stunden Strom liefern können." Und als Regelkraftwerke, die Schwankungen im Stromnetz ausgleichen, seien neue PSW überflüssig. "Denn dafür haben wir bereits genug alte", sagt Weiger.

Auch der Alpenverein übt heftige Kritik, schließlich ist der Jochberg einer der beliebtesten Hausberge der Münchner. "Das PSW würde aber die Wanderregion massiv beeinträchtigen", sagt DAV-Vizechef Ludwig Wucherpfennig. Zwar steht der DAV klar zur Energiewende. Aber er befürchtet nun, dass sie auf Kosten der Bergwelt gehen soll. Christoph Himmighoffen vom Verein zum Schutz der Bergwelt rügt die Pläne ebenfalls scharf. "Die Alpen sind einem doppelten Stress ausgesetzt", sagt er. "Zum einen leiden sie besonders an den Folgen des Klimawandels. Zum anderen sollen sie nun besonders massiv für den Ausbau der Wasserkraft herangezogen werden. Dabei sind die Potenziale doch längst erschöpft." Beim Vogelschutzbund LBV befürchtet man denn auch, dass das PSW die gesamte Hydrologie am Jochberg und am Walchensee durcheinanderbringen wird. "Deshalb darf man ein solches Megaprojekt nicht einfach in die Landschaft setzen", sagt der LBV-Mann Andreas von Lindeiner. "Man muss vorab zumindest ein Gesamtkonzept für Pumpspeicherkraftwerke entwickeln."

Ein solches Gesamtkonzept ist aber nach wie vor nicht in Sicht. Umweltminister Huber verwies erneut darauf, dass es erst in Arbeit sei. "Wir schauen dabei, wo in Bayern Potenziale für Pumpspeicher bestehen", sagte er. "Diese Prüfung muss sorgfältig und mit Augenmaß erfolgen."