Der designierte CSU-Parteichef und Ministerpräsident Seehofer steht vor wichtigen Personalentscheidungen. Dabei versucht er, alle Fragen möglichst in einem Wurf zu lösen - das könnte auch die Rückkehr Verfemter einschließen.
Manchmal verraten Kleinigkeiten, ob einer noch fremdelt. Die Umgangsformen zum Beispiel. Horst Seehofer, der in wenigen Tagen CSU-Chef und Ministerpräsident sein wird, ist aus Berlin einen distinguierten Ton gewöhnt. In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion geht es nicht kumpelig zu, wer sich nicht schon lange kennt, siezt sich.
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Horst Seehofer nähert sich mit atemberaubender Geschwindigkeit der bayerischen Landespolitik an. (© Foto: ddp)
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In der CSU-Landtagsfraktion hingegen, wo sich die meisten schon seit Ewigkeiten kennen, ist das vertraute "Du" üblich. Als Seehofer seine neuen Münchner Kollegen in den ersten Tagen immer wieder mit "Meine sehr verehrten Damen und Herren" anredete, hat man ihm signalisiert, er solle doch weniger förmlich sein. Aber die Floskel rutscht ihm gelegentlich immer noch heraus. "Das ist schon eine Umstellung", räumt Seehofer ein.
Sonst aber geschieht die Annäherung von Horst Seehofer an die bayerische Landespolitik und ihre Gepflogenheiten mit atemberaubender Geschwindigkeit. Seehofer und die Abgeordneten im Landtag, das war lange Zeit ein Verhältnis, das von großer Fremdheit bis zu offener Antipathie reichte.
Schon immer hat es zwischen der Bundes- und der Landes-CSU Spannungen gegeben. Bei Seehofer hatte dieser Gegensatz immer noch eine spezielle Schärfe. Nirgendwo sonst wurde Seehofer mit so großem Argwohn betrachtet wie in der Landtagsfraktion. Selbst als er sich bei den Themen Gammelfleisch und Vogelgrippe mit seinem damaligen bayerischen Amtskollegen Werner Schnappauf anlegte, der in der eigenen Fraktion alles andere als beliebt war, hielten die Landtagsabgeordneten zu Schnappauf. Sozusagen aus traditioneller Abneigung gegen Seehofer.
Davon ist so gut wie nichts mehr zu spüren. Seehofer hat in den letzten Wochen vermutlich mehr Zeit in der Landtagsfraktion verbracht als sein ganzes politisches Leben zuvor. Da habe sich emotional etwas bewegt, sagt er selbst. Seehofer, heißt es aus der Fraktion, mache seine Sache bisher "extrem geschickt". Er höre zu, beziehe selber klar Stellung und im Gegensatz zu Edmund Stoiber verstehe bei ihm jeder, was er sagen wolle. "Wenn er so weitermacht, frisst ihm die Fraktion in 14 Tagen aus der Hand", sagt ein langgedienter Abgeordneter.
Eine zentrale Rolle in Seehofers Plänen spielt Markus Söder. Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.
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