Nürnberg Katholische Bischöfe erteilen Predigtverbot

Das Predigt-Verbot der Bischöfe von Bamberg und Eichstätt war die beste Werbung für den Auftritt von Schüller.

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Kritische Stimmen unerwünscht: Zwei katholische Bischöfe verbieten Auftritte der beiden Kirchenkritiker Helmut Schüller und Sabine Demel in der Nürnberger Frauenkirche. Vor allem Schüller eckt mit seinen Forderungen an, auch Frauen und Verheiratete zum Priesteramt zuzulassen. Die Verwunderung über die heftige Reaktion ist groß.

Von Katja Auer

Die Fastenpredigten haben eine gute Tradition in der Katholischen Stadtkirche Nürnberg, seit vielen Jahren schon. "Kirche - Konzil - Konsequenzen" waren sie in diesem Jahr überschrieben, 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Waren überschrieben, denn sie werden nicht gehalten. Abgesagt "auf Veranlassung der Bistumsleitungen in Bamberg und Eichstätt", wie es in einer knappen Mitteilung der Stadtkirche vom Freitag heißt.

Der Mann, den Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke und der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nicht in der Nürnberger Frauenkirche predigen lassen wollen, ist der österreichische Pfarrer Helmut Schüller, der mit seinem "Aufruf zum Ungehorsam" bekannt wurde, in dem er unter anderem fordert, auch Frauen und Verheiratete zum Priesteramt zuzulassen. Er hätte am 24. Februar zum Thema "Wir sind Gottes Volk! Haben Kirchen-Bürger-Rechte?" sprechen sollen. Schüller ist Pfarrer im niederösterreichischen Probstdorf und ehemaliger Generalvikar von Wien.

Ein Priester zwar, aber einer, der Reformen fordert. Wer öffentlich zum Ungehorsam aufrufe, "kann dafür nicht eine gottesdienstliche Versammlung als Podium nutzen", lautet die Erklärung der Ordinariate, die gemeinsam für Nürnberg zuständig sind, weil die Bistumsgrenze mitten durch die Stadt verläuft. Ein Wortgottesdienst, und in einen solchen seien die Fastenpredigten eingebettet, diene der Feier des Glaubens der Kirche.

"Die Predigt dient dabei der Auslegung des Wortes Gottes im Auftrag der Kirche", heißt es. Persönliche theologische Ansichten oder kirchenpolitische Forderungen könnten allenfalls bei einer Diskussionsveranstaltung geäußert werden. Kurzum, Stadtdekan Hubertus Förster wurde aufgefordert, die Fastenpredigten abzusagen. Neben Schüller hätte auch die Regensburger Kirchenrechtlerin Sabine Demel auftreten sollen unter dem Titel "Unser Pfarrer ist eine Frau! Mehr als nur ein Traum?". Nun wird keine der vier geplanten Veranstaltungen stattfinden.

Bei der Stadtkirche habe man nicht mit einer solch heftigen Reaktion der Bistumsleitungen gerechnet, sagte Sprecherin Elke Pilkenroth. Viele Pfarrer und Ehrenamtliche hätten die Absage der Predigtreihe bedauert, die großes Interesse geweckt habe. Es gebe eine große Enttäuschung und Verwunderung. "Wir stecken mitten im Dialogprozess", sagte Pilkenroth, "und dazu gehört auch der Dialog mit Leuten, die kritische Stimmen haben."