NSU-Ausschuss im Bayerischen Landtag Der "Bestatter" steuert die Szene

Nun steht die Frage im Raum, ob das Landesamt ihn gezielt zu einem führenden Neonazis aufgebaut hat oder ob D. den Behörden mit der Zeit schlicht aus dem Ruder gelaufen war. Fest steht jedenfalls, dass D. zu einer führenden Figur in der Neonazi-Szene aufgestiegen war. Die Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München, a.i.d.a., nennt ihn unter anderem einen der "wichtigsten Kader" in der Szene. In der Fachliteratur wird er als "zentrale Figur" geführt. Er organisierte Gedenkmärsche für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß mit und war offenbar an der Produktion von Hetzschriften beteiligt. 1998 wurde D. abgeschaltet. Er stünde kurz vor der Enttarnung, heißt es zur Begründung.

Am Mittwoch hat Gerhard Forster, zum damaligen Zeitpunkt Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz, im Untersuchungsausschuss eingeräumt, dass seine Behörde Mitarbeiter in der Szene hatte, die steuernd tätig gewesen seien, wenn auch "nicht maßgeblich", wie er im öffentlichen Teil der Sitzung relativierte. Auf Nachfrage und ohne D.s Namen zu nennen, erklärte er auch, dass D. einen von vier Netzknoten des Thule-Systems in Bayern betrieben hatte. Den Verfassungsschützern war damals seinen Angaben zufolge bekannt, dass sich in der Szene "etwas Militantes" aufbaut. Wie sich nun herausstellt, konnten die Verfassungsschützer mindestens einen Teil der Informationen der Neonazis mitlesen - jene, die über D.s Knotenpunkt mit dem Namen: "Kraftwerk" liefen. D. hatte sich das Pseudonym Undertaker gegeben, Bestatter. Das Innenministerium wollte auf Anfrage zu den Informationen keine Stellung nehmen.

Von der SZ mit den neuen Erkenntnissen konfrontiert, zeigte sich Franz Schindler (SPD), Vorsitzender des Untersuchungsausschusses, verärgert: "Wenn es stimmt, dass der Staat den Aufbau eines solchen rechten Netzwerks finanziert, um es dann mit Steuergeld zu bekämpfen, muss man das ganze System in Frage stellen." Die Grünen-Abgeordnete Susanna Tausendfreund sagte: "Ohne D. hätte die fränkische Szene ganz anders ausgesehen. Er war eine ganz zentrale Figur."