Nebenjobs der bayerischen Abgeordneten Sehr verdienstvoll

Eine Sitzung im Bayerischen Landtag im April 2014 - jeder dritte Abgeordnete sitzt nicht nur hier, sondern hat noch einen Nebenjob

(Foto: dpa)

Eigentlich ist so ein Abgeordnetenkalender voll genug. Trotzdem verdienen viele Parlamentarier in Bayern nebenher dazu - als Bauer, in der Firma der Schwiegereltern oder auch in der eigenen Anwaltskanzlei. Erstmals müssen die Abgeordneten nun darüber detailliert Auskunft geben.

Von Frank Müller und Mike Szymanski

Der Herr oder die Frau Abgeordnete - das ist ein viel beschäftigter Mensch. Ausschussarbeit, parlamentarische Anfragen stellen, Reden im Plenarsaal, Wahlvolk-Pflege im Stimmkreis mit Vereinsbesuchen und Gegenbesuchen im Landtag. Eine Sieben-Tage-Woche im politischen Betrieb ist keine Seltenheit, man muss nur mal in die Kalender von Abgeordneten schauen. Richtig ausgelastet scheinen Bayerns Parlamentarier aber trotzdem nicht zu sein. In dieser Legislaturperiode müssen sie dem Landtag erstmals Auskunft über die Art ihrer Jobs geben. Und über den Verdienst. Nicht auf den Cent genau, aber gestaffelt in zehn Stufen. Die SZ hat sich die Angaben angeschaut: Fast jeder dritte Abgeordnete verdient dazu. Für einige wenige wird gehaltsmäßig die Parlamentsarbeit zum Nebenjob. Ein Überblick über Wissenswertes und Kurioses:

Die Großverdiener

Vom früheren Justizminister Alfred Sauter ist folgender Satz überliefert: "Selbstverständlich habe ich einen Nebenjob: Abgeordneter." Sauter hat eine gut laufende Kanzlei. Das wusste man. Wie gut, das kann man nun der Landtagshomepage entnehmen. 21 Mandanten meldete er dem Landtagsamt für 2013, Einnahmen Stufe 10. Das bedeutet: Mehr als 250 000 Euro pro Jahr. Sauter zählt damit zu den Top-Verdienern, die allesamt aus der CSU kommen. Der Anwalt Ernst Weidenbusch kam 2013 auf mehr als 200 000 Euro an Honoraren. Als Rechtsbeistand des Lotto-Toto-Fachverbands Bayern verdient er jährlich noch mal 50 000 bis 75 000 Euro oben drauf. Einen halben Tag die Woche müsse er für diesen Job aufwenden. Weidenbusch war immer schon offen mit seinen Einkünften umgegangen: "Das darf jeder wissen." Der Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Harald Schwartz aus dem Kreis Amberg-Sulzbach, neu im Landtag, spielt ebenfalls ganz oben mit. In dieser Nebeneinkünfte-Klasse kann auch der CSU-Abgeordnete Michael Brückner aus Nürnberg mithalten, Gärtnermeister mit eigenem Betrieb.

Die Rechtsanwälte

Die meisten Parlamentarier, die Nebeneinkünfte anmelden, sind von Beruf Anwälte. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass sich ihre Arbeit noch am ehesten mit dem Job im Maximilianeum in Einklang bringen lässt - man fährt halt einfach die Zahl der Mandanten zurück. Die Juristen in der SPD halten es genauso wie die in der CSU. Die Grünen dagegen haben gar keine Anwälte mehr. So ganz ohne ihre Kanzlei können die meisten Juristen nicht. Reinhold Bocklet (CSU) war Minister in Bayern. Heute ist er Vizepräsident des Landtags. Seine Liste mit Terminen ist regelmäßig lang. Trotzdem verdient er noch als Anwalt dazu, wenn auch nicht viel: Stufe 2 meldet er für 2013, bis zu 7000 Euro also. Ein bisschen Anwalt ist beispielsweise auch immer noch das ehemalige Kabinettsmitglied Otmar Bernhard (CSU).

Der Glücksbringer

Wenn Hans Ritt in seiner Eigenschaft als CSU-Abgeordneter an der Tür klingelt, mag mancher ihn vielleicht nicht so gerne reinlassen. Aber wenn er als Schornsteinfeger kommt, dann schon. Ritt ist 52 Jahre alt, Kaminkehrermeister aus Straubing. Als er 2013 ins Maximilianeum einzog, wollte er den Betrieb nicht aufgeben. "Was mache ich denn, wenn ich nicht wieder gewählt werde?" Einkünfte bis 15 000 Euro meldete er. Die meiste Zeit sei er Abgeordneter. Die Doppelbelastung sei zu schaffen.